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Region Seelze Nachrichten So spektakulär ist eine Übung der Feuerwehr
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13:12 13.09.2018
Innerhalb kürzester Zeit sind die Einsatzwagen aus den verschiedenen Stadtteilen vor Ort. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Die Sirene schrillt gegen 18.30 Uhr und auch die Pieper verbreiten in Windeseile: „Alarm. Vor den Specken. Rauchentwicklung in Lagerhalle.“ Es dauert nur wenige Minuten, da sind die ersten Fahrzeuge mit Blaulicht auf der Straße. In Windeseile nähern sie sich dem Einsatzort, einer Lagerhalle für Reinigungsmittel im Industriegebiet am Kanal. „Die Almhorster sind die ersten“, sagt Jens Köhler und blickt auf die Uhr. „Das ging schnell. Wenn man überlegt, dass die erstmal von Zuhause zur Wache müssen. Und sich dann auch noch in Montur werfen müssen.“ Der Pressesprecher der Feuerwehr Seelze steht in einer Straßenkurve unweit des Einsatzortes und beobachtet, wie ein Feuerwehrauto nach dem anderen schwungvoll um die Ecke biegen.

Vorbereitung für den Ernstfall

Köhler weiß, was viele der Einsatzkräfte und auch die Anwohner noch nicht wissen: Dieser Einsatz ist eine Übung. In der Lagerhalle der Firma Dr. Becher werden Stoffpuppen als vermisste Mitarbeiter versteckt sein, künstlicher Rauch wird aufsteigen und dass die Brandmeldeanlage auslöst, ist von langer Hand geplant. Immer wieder führt die Feuerwehr solche Einsatzübungen unter Einsatzbedingungen durch – um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. An diesem verregneten Dienstag haben die Pieper des dritten Zuges, der Ortsfeuerwehren Almhorst, Kirchwehren und Lathweren, ausgelöst. „Eigentlich ist das hier gar nicht ihr Einsatzgebiet“, sagt Köhler, der immer wieder zum knackenden Funkgerät greift. Mittlerweile reihen sich vor dem Fabrikgelände die Einsatzwagen aneinander. Was für den Betrachter wie ein heilloses Durcheinander aussieht, hat System. In Windeseile rollen die Feuerwehrleute Schläuche aus, sammeln sich zu Besprechungen, stülpen die Atemschutzgeräte über. Und immer wieder piepsen die Funkgeräte und Ansagen schallen über den Platz.

61 Einsatzkräfte, neun Fahrzeuge

Im Inneren einer großen und besonders verwinkelten Lagerhalle müssen noch zwei Mitarbeiter sein, lautet das fiktive Szenario. Rauch wabert zwischen den Regalen, in denen hochentzündliche Reinigungsmittel lagern. „Die Menschenrettung aus großen Gebäuden und die Brandbekämpfung stehen bei dieser Übung im Vordergrund“, erklärt Köhler. Wie bei einem realen Einsatz hat der Pressesprecher einen Helm aufgesetzt und eine Feuerwehrjacke übergeworfen. Und wie bei einem realen Einsatz läuft er erst einmal zum Einsatzleitwagen, um zu erfragen, wie viele Einsatzkräfte der Alarmierung gefolgt sind. „Wir sind mit 61 Feuerwehrleuten und neun Fahrzeugen vor Ort“, sagt er. Das sei eine gute Truppenstärke. „Abends ist auch ein relativ guter Zeitpunkt, weil die meisten zu Hause sind“, sagt Köhler.

Unweit des Einfahrtstores macht sich die Atemschutznotfallgruppe der Ortsfeuerwehr Gümmer bereit. Sie unterstützt den Einsatz. Die Mitglieder stülpen sich Schutzmasken über und schnallen die schweren Sauerstoffflaschen um. Sie greifen ein, wenn ein Kamerad plötzlich umkippt oder einen Unfall hat. Dann erfragen sie die Position und eilen mit Reserveluft und Schleppgurten zur Unfallstelle.

Die beiden vermissten Mitarbeiter, die als Stoffpuppen in der Halle lagen, haben die Einsatzkräfte gerettet und auf Tragen gebettet. Doch plötzlich schallt aus den Funkgeräten „Mayday, mayday“ – das internationale Notsignal. Das ist der Moment für die Atemschutznotfallgruppe: Ein Kamerad ist verunglückt, sie müssen los. „Wir sind hier, wir sind hier“, ist aus den Funkgeräten zu hören. Innerhalb weniger Minuten ist auch der verunglückte Kamerad – ebenfalls eine Stoffpuppe – gerettet und abtransportiert. Auch der ausgelöste Rauchmelder ist gefunden. Um 19.35 Uhr erklärt der Einsatzleiter die Übung für beendet. „Ziel war es, dass ihr euch organisieren könnt, dass ihr mit der Brandmeldeanlage umgehen könnt und Aufgaben verteilt“, sagt er vor den verschwitzten Kameraden. „Die Abarbeitung war gut und zügig und wir waren heute eine schlagkräftige Truppe.“ So ganz realistisch sei der Einsatz nicht gewesen, gibt er zu: „Bei den vielen Gefahrenstoffen hier, würden wir bei einem Brand nicht in die Halle gehen – das ist zu gefährlich.“

Von Linda Tonn

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