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Sturmtief "Friederike" hat das komplette Dach der Reithalle abgetragen.

Sturmtief "Friederike" hat das komplette Dach der Reithalle abgetragen.
© Linda Tonn

Seelze

Sturm zerstört Reithalle des PSV Meeresreiter

Der Reitverein Meeresreiter bangt um seine Zukunft: Sturmtief „Friederike“ hat die Reithalle komplett zerstört, aktuell trainieren die Reiter bei gutem Wetter unter freiem Himmel. Wie es weitergehen wird, wissen sie nicht. Der Standort für die Halle muss noch genehmigt werden.

Lohnde.  An den Tag, an dem Sturmtief „Friederike“ über die Region fegte, klingelte bei Mathias Klinge das Telefon. „Eine Vereinskollegin rief mich an und sagte mir, dass der Sturm unsere Reithalle zerstört hat“, erzählt der erste Vorsitzende des Lohnder Pferdesportvereins Meeresreiter. „Ich war wie in Schockstarre und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“ Klinge steht auf dem weichen Gemisch aus Holzsspänen und Sand, um ihn herum begrenzt eine Holzbande die 15 mal 30 Meter große Fläche – was fehlt ist ein Dach. Die Orkanböen von mehr als 120 km/h haben alles niedergerissen.  Ein paar Meter weiter ragen die Reste eines verbogenen Eisengerüsts in die Luft. „Die Hälfte der Halle hat der Sturm sogar über die Stroballen gehoben“, sagt Landwirt Heinrich Maaß, der Vermieter des Grundstücks. Sämtliche Teile der mobilen Zelthalle seien auf dem Acker verteilt gewesen. Der Schaden: 40.000 Euro. Eine Versicherung zahlt nicht.

Verein bangt um die Zukunft

Der Reitverein hat die zerstörte Halle notdürftig aufgebaut, bei gutem und trockenem Wetter können die etwa 60 bis 70 Schüler, die täglich auf den Hof kommen, hier trainieren. „Wir versuchen den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Kassenwartin Anja Adolph. Gegen die Dunkelheit stellen die Reitlehrer Scheinwerfer auf, doch an Tagen, an denen es regnet und der Boden aufgeweicht ist, muss der Unterricht ausfallen. „Noch sind die meisten Mitglieder verständnisvoll“, sagt Adolph. Doch der Sportverein bangt um seine Zukunft. „Ein Verein, der keine Reithalle hat, ist doch für Interessierte inakzeptabel“, sagt Klinge, der stolz darauf ist, wie sich die 152 Mitglieder starken Meeresreiter in den vergangenen Jahren in Seelze etabliert haben. Die vorwiegend jungen Reiter kommen aus Steinhude, Garbsen und Wunstorf. „Wir sind der einzige Verein, der eine Kinderreitschule hat.“

Verein ist seit 2014 in Seelze

Sorgen um ihre Zukunft mussten sich der Pferdesportverein (PSV) Meeresreiter schon einmal machen. Das Jahr 2014 begann für die Mitglieder mit einer schlechten Nachricht: Damals kündigte ihnen der Vermieter in Steinhude und die 90 Reiter und elf Pferde standen vor dem Nichts. Ende März 2014 bezogen die Meeresreiter ihr neues Domizil auf dem Hof von Landwirt Heinrich Maaß in Lohnde. „Wir haben uns sehr gut in Seelze etabliert“, sagt der erste Vorsitzende Mathias Klinge. Die Wartelisten seien lang, derzeit gäbe es keine freien Reitplätze mehr. „Wir können unseren Betrieb jetzt nicht einfach von heute auf morgen schließen.“ ton

Reithalle stand völlig ungeschützt

Es ist immer wieder die Reithalle, die den Mitgliedern Kopfzerbrechen bereitet. Von ihr ist das Bestehen des Vereins abhängig – sie stellt aber auch das größte Problem dar. Bevor „Friederike“ die Reithalle über den Acker fegte, stand sie für etwa drei Monate dort. Die Fläche habe er vom Nachbarn angemietet, sagt Maaß. Wohlwissend, dass der Standort auf dem freien Feld völlig ungeschützt ist und die Reitschüler vom Hof aus mehrere hundert Meter zurücklegen müssen. Doch es ging nicht anders: Von zwei anderen Plätzen musste das Reitzelt bereits verschwinden. Beim Standort direkt neben dem Hof bestand Angaben der Stadt Seelze zufolge akute Brandgefahr, ein wenig entfernt hatte Maaß die Halle auf einem Landschaftsschutzgebiet aufgestellt. „Ich wurde quasi dazu gezwungen, die Halle auf dem freien Feld aufzustellen“, sagt Maaß. 

Antrag auf einen festen Bau

Im vergangenen Jahr hat der Landwirt den Bauantrag für eine feste Halle gestellt. Er hofft, dass ein Flurstück aus dem Lanschaftsschutzgebiet ausgeklammert wird und er darauf bauen kann. Noch wartet er auf eine Antwort. Der Antrag liege beim Petitionsausschuss in Hannover, so Maaß. „Ich würde auch nochmal ein Zelt aufstellen“, sagt er. „Allerdings nur dann, wenn der Standort sicher ist.“ Optimal wäre für die Reitschüler eine Halle in Hofnähe. Gerade hofft Maaß, dass er eine Genehmigung bekommt – egal ob für ein Zelt oder ein festes Gebäude. Ein Umzug kommt für den Verein nicht infrage: „Wir liegen hier in der Mitte von allen Ortschaften“, sagt Klinge. Die Sorge vor der Zukunft ist deutlich zu spüren: Gerade haben die Mitglieder alle anstehenden Investitionen eingefroren. „Ohne eine Halle wissen wir nicht, ob wir in den nächsten Winter gehen können“, sagt Klinge.

Von Linda Tonn


neuepresse.de/seelze
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  • ... Heimat eines der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands
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