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Region Seelze Nachrichten Dedensenerin spinnt ihre Wolle noch selbst
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11:26 29.07.2018
Mitten im Wohnzimmer arbeitet Christa Waldmann an ihrem Spinnrad. Quelle: Heike Baake
Dedensen

 Seit 30 Jahren spinnt Christa Waldmann (81). Ihr Spinnrad steht mitten im Wohnzimmer, kann aber ohne Anstrengung in jeden anderen Raum getragen werden. Aus braunem Holz mit Spulen, Fußpedal und Rad könnte es durchaus auch als Dekorationsgegenstand durchgehen. Bei den Waldmanns allerdings hat es eine ganz besondere Bedeutung, denn Werner Waldmann besaß früher 22 Mutterschafe und einen Schafbock. Anfangs scherte er die Tiere noch selbst, später kam ein Scherer nach Dedensen. „Es gab nicht viel Geld für die Wolle“, erinnerte sich Christa Waldmann und erzählte, dass sie sich deshalb damals für einen Kurs bei der Volkshochschule entschied, um das Spinnen zu erlernen. „Ich bekam aber nur die Grundbegriffe beigebracht, die Feinheiten musste ich mir selbst aneignen“, sagte sie und verriet, dass es nicht gleich von Anfang an klappte und sie deshalb schnell wieder damit aufhörte.

Zu einem späteren Zeitpunkt startete sie einen erneuten Versuch und seit dieser Zeit ist sie von der Arbeit begeistert. Mittlerweile besitzt sie ein holländisches Spinnrad, da dieses über größere Spulen verfügt. Heute sei im Gegensatz zu früher vieles einfacher geworden, berichtete sie. Während sie damals die gescherte Wolle noch mit der Hand waschen musste, könne sie diese heute gewaschen kaufen. „Die Wolle durfte nur mit warmen Wasser gewaschen werden, auch beim Spülen, sonst wäre sie verfilzt“, erinnerte sich Christa Waldmann. Nach dem letzten Spülwasser wäre schließlich ein Schleudern in der Maschine möglich gewesen, erzählte sie weiter. Bettlaken dienten damals als Trocken-Unterlage für die Wolle, die anschließend mit zwei speziellen Kämmen kardiert wurde. „Dort wo ich die Wolle heute einkaufe, übernimmt dies eine Maschine“, sagte sie lachend und zeigte auf einen großen Sack gekaufter Wolle.

2008 gab Werner Waldmann seine Schafzucht aus Altersgründen auf. Das Ehepaar freut sich noch heute über die vielen gewonnen Preise. Zahlreiche Auszeichnungen schmücken die Wände, Erinnerungen an alte Zeiten, wie die zahlreichen Teilnahmen an der Grünen Woche in Berlin. Auch die Bettdecken der Waldmanns stammen aus der eigenen Schafzucht. „Sie wärmen im Winter und sind auch im Sommer angenehm“, schwärmte Christa Waldmann. Aus ihrer gesponnenen Wolle entstanden in den 30 Jahren unzählige Strümpfe in verschiedenen Größen, die an Familienmitglieder und Freunde verschenkt wurden. Auch Neugeborene wurden mit dem wärmenden Kleidungsstücken versorgt. Für sich und ihren Mann strickte Christa Waldmann sogar eine Jacke, die sie an eiskalten Wintertagen wärmten. Vom Spinnen bis zum fertigen Paar Strümpfe brauche sie allerdings bis zu acht Stunden, berichtete sie, für eine Jacke dementsprechend länger.

„Manchmal habe ich auch auf Märkten etwas verkauft“, erzählte sie und verriet, dass sie nie mehr als 10 Euro pro Paar genommen habe. In diesem Jahr ist Christa Waldmann auch wieder auf dem Obentraut-Markt im September anzutreffen. Sie wird ihr Spinnrad mitbringen, ihre Fähigkeiten präsentieren und die eine oder andere Arbeit zum Verkauf anbieten.

Handgemacht in Seelze

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Sie fertigen Hüte, Seife, Babykleidung, Puppen, Geschirr und Taschen: Seelze hat ein erstaunliches Kreativ-Potenzial. In unserer Lokalserie „Handgemacht in Seelze“ stellen wir Menschen vor, die tatsächlich noch mit den Händen arbeiten. Wir zeigen Künstler an der Nähmaschine, an der Stricknadel, in der Werkstatt und an der Töpferscheibe. Sie erklären uns, wie aus einer Idee oder einem Hobby kleine Geschäftsmodelle werden können. ton

Von Heike Baake

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