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Dedensen

NPD-Treffen erhitzt Gemüter: Bürgermeister plant Resolution

Am Tag nach der Landesdelegiertentagung der NPD in Dedensen ist das Treffen der Rechtsextremen Dorfgespräch. Ortsbürgermeister Karsten Borges sprach am montag von einem „Schlag ins Gesicht", der Sportverein will aus Protest keine Sitzungen mehr in der Gaststätte Zum Deutschen Hause organisieren. Die Wirtin wollte sich gestern nicht äußern.

„Ich kenne die Wirtin, aber ich verstehe sie nicht", sagte Ortsbürgermeister Borges. Er fühle sich hintergangen. 2006 hatte sich die NPD in der Gaststätte schon einmal zum Landesparteitag getroffen. Ortsrat, Vereine, Schule und Kirche hatten empört reagiert. Die Wirtin distanzierte sich Wochen später in einem Brief an die Institutionen von der rechtsextremen Partei und kündigte an, der NPD keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen. „Wir haben damals gedacht, jetzt alles im Griff zu haben. Aber das neuerliche NPD-Treffen beschmutzt den Ort", sagte Borges. Zwar sei die NPD als Partei zugelassen, „aber man weiß ja, wessen Gedanken Kind sie ist".

Borges geht davon aus, dass sich die Vereine des Ortes von der Gaststätte abwenden werden, und rennt damit bei Günter Röhrbein offene Türen ein. „Unser Verein wird dort sicher nicht mehr hingehen", sagte der Vorsitzende des SV Dedensen, der auch persönlich tief enttäuscht über das neuerliche NPD-Treffen sei. Schließlich sei er nach dem Brief der Wirtin 2006 einer der Fürsprecher gewesen, die Räumlichkeiten der Gaststätte doch wieder zu nutzen. „Wir hatten ihr noch eine Chance gegeben", sagte Röhrbein.

Stadtbürgermeister Detlef Schallhorn, der am Montag sogar bei Radiosendern ein viel gefragter Gesprächspartner war, kritisierte ebenfalls die Versammlung. Er will sich für eine Resolution des Rates gegen rechts einsetzen und Vereine in einem Schreiben für die Situation sensibilisieren.
Auch Grünen-Sprecherin Evelyn Werner fürchtet um die Außenwirkung: Bei Außenstehenden könne der falsche Eindruck entstehen, dass die Seelzer den Rechtsextremismus unterstützten. Sie fordert, verstärkt über die Ziele der NPD aufzuklären. Ähnlich sieht es Seelzes Polizeichef Thomas Wahrendorff, der gestern Abend selbst am „Runden Tisch gegen rechts" der SPD-Jusos teilnahm. „Dieses Treffen ist eine sinnvolle Sache, um für das Problem zu sensibilisieren", sagte er.

von Frank Walter


neuepresse.de/seelze
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