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Hubertus Rollfing sieht den Friedrich Verlag als Katalysator, um Schule und Unterricht zu verbessern.

Hubertus Rollfing sieht den Friedrich Verlag als Katalysator, um Schule und Unterricht zu verbessern.© PATRICIA CHADDE

Seelze

Friedrich Verlag zieht von Velber nach Hannover

Der bislang in Velber ansässige Friedrich Verlag wird seinen Standort nach Hannover verlegen. Die Erreichbarkeit soll verbessert werden. Wann die Mitarbeiter umziehen müssen, steht noch nicht fest. Der Verlag hat sich auf Bücher und Angebote für Lehrer spezialisiert.

Velber. Der in Velber ansässige Friedrich-Verlag wird nach Hannover umziehen. Man sei auf der Suche nach geeigneten Räumen, sagte Geschäftsführer Hubertus Rollfing. Bei einer Betriebsversammlung seien die knapp 85 Mitarbeiter bereits über den Schritt informiert worden. Allzu traurig dürften sie über den anstehenden Umzug allerdings nicht sein. Viele von ihnen müssen derzeit jeden Tag von Hannover oder aus anderen Städten in der Region mit dem Auto nach Velber fahren. "Die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hierher ist schwierig", sagt Rollfing. 

Umständliche Wege von Hannover nach Velber

Auch aus diesem Grund habe man schon länger überlegt, den Standort des Verlags zu verlegen. Die Kunden reisten aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus der Schweiz, Österreich und Frankreich an. "Dann kommen sie nach mehreren Stunden im Zug oder Flugzeug in Hannover an und müssen noch nach Velber fahren", beschreibt Rollfing die Situation. Der Umzug nach Hannover solle die Erreichbarkeit verbessern und den Verlag noch attraktiver machen. Bereits jetzt finden wichtige Sitzungen mit Herausgebern in Hannover statt. "Es ist auch schon vorgekommen, dass wir Kunden, die für mehr als einen Tag angereist sind, in Garbsen unterbringen mussten, weil in Seelze kein Hotelzimmer frei war", sagte Rollfing. Das sei wirklich umständlich. Ein genaues Datum für den Umzug stehe noch nicht fest. 

Die Stadt Seelze bedauert, dass der Verlag Velber verlassen will. "Insbesondere da der Verlag seit vielen Jahren seinen Sitz im Stadtgebiet hat, ist es durchaus ein Verlust", heißt es von der Verwaltung. Bei Interesse würde man die Verlagsleitung dabei unterstützen einen alternativen Standort in Seelze zu finden.

Spezialisiert auf das Thema Bildung

Der 1960 in Velber gegründete Friedrich Verlag hat sich auf das Thema Bildung spezialisiert. Er stellt Lehrern im deutschsprachigen Raum aktuelle Informationen, weiterführende Anregungen und Materialien für den Unterricht von Klasse eins bis 13 zur Verfügung. 25 interne Fachredaktionen liefern den Inhalt dafür. Der digitale Wandel hat auch in Velber nicht Halt gemacht: Ein Teil der Zeitschriften sowohl in einer gedruckte als auch einer digitalen Ausgabe. Auch Arbeitsblätter bekommen die Lehrer in digitalisierter Form. "Ansonsten bleiben wir bewusst beim Print", sagt Geschäftsführer Rollfing. Er kam 1990 nach Velber und arbeitete 15 Jahre lang auch mit Unternehmensgründer und Namensgeber Erhard Friedrich zusammen. Der Verlagsgründer starb 2005.

"Wir möchten mit unserer Arbeit als Katalysator fungieren, um Schule und Unterricht zu verbessern", umschreibt Rollfing das Selbstverständnis des Unternehmens. Lehrer hätten es oft schwer und müssten sich vielen Herausforderungen stellen: einer heterogenen Elternschaft, wachsenden Verwaltungsaufgaben und den Folgen der Digitalisierung. "Mit unseren Publikationen liefern wir Strategien, Hilfen und Anregungen um Lehren und Lernen adäquat zu ermöglichen", sagt der Verlagsleiter. Neben guten Argumenten erhielten Lehrer vor allem Tipps zur Gestaltung ihres Unterrichts. Dafür arbeitet der Verlag mit 250 Herausgebern und rund 2800 Autoren zusammen.

Keine Druckerei, sondern Konzentration auf Inhalte

Als Erhard Friedrich 1960 den Fachzeitschriftenverlag gründete, verzichtete er bewusst auf eine eigene Druckerei. Diese Entscheidung sei weitblickend gewesen, sagt Geschäftsführer Rollfing. Viele Jahrzehnte arbeitete der Friedrich Verlag unter anderem mit der Seelzer Druckerei von Rolf Schröer zusammen. Dessen Druckplatte als Geschenk zum 50. Geburtstag des Verlegers vom 4. August 1977 ist Ausdruck dieser erfolgreichen Kooperation. 1993 ging die Druckerei Schöer in Konkurs - seitdem ist die Obentraut-Apotheke an dieser Adresse zu finden. Die erste Zeitschrift, die der Friedrich Verlag herausgab, hieß "Theater heute", mit "Kunst und Unterricht" wurde 1968 der Grundstein für eine Konzentration auf pädagogische Inhalte gelegt. Die sogenannten Jahreshefte entwickelten sich zu den Verkaufserfolgen des Seelzer Verlagshauses. Die Themenschwerpunkte spiegeln gesellschaftliche Entwicklung wider und beschäftigen sich mit Schule und Armut (2013), Fördern (2014), Unterrichtsstörungen (2015) oder Lehren (2016). Jede Zeitschrift des Verlages hat vier bis acht Herausgeber, meistens Hochschullehrer und Lehrer.

 

Von Linda Tonn und Patricia Chadde


neuepresse.de/seelze
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Seelze ist ...

  • ... eine Stadt westlich von Hannover mit 33.000 Einwohnern
  • ... dank seiner Lage an der Leine, dem Mittellandkanal und dem Stichkanal Hannover-Linden vom Wasser geprägt
  • ... Heimat eines der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands
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