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16:17 28.07.2018
Nach 112 Jahren ist Schluss: Rainer und Ulla Fricke schließen im September ihren traditionsreichen Getränkehandel. Quelle: Ingo Rodriguez
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Ronnenberg

Transporthilfe? Das ist bei Rainer Fricke im Preis mit inbegriffen. Wie selbstverständlich hilft er in seinem Getränkemarkt einer Kundin, Wasserkisten auf einem Einkaufswagen zu stapeln. „Es ist viel los im Moment. Wenn es draußen heiß ist, wird viel getrunken“, sagt der 53-Jährige und schiebt den randvoll bepackten Wagen auf den Hof, um für die Kundin die gekaufte Ware zum Auto zu bringen. Lange wird der gelernte Brauer und Mälzer diesen Service in seinem Geschäft an der Gehrdener Straße nicht mehr anbieten. Im September ist Schluss – genau 112 Jahre nach der Eröffnung des traditionsreichen Getränkehandels. Fricke leitet den Familienbetrieb nun in fünfter Generation. Er ist es jetzt auch, der die Familientradition schweren Herzens beendet.

Im Abholmarkt hilft Rainer Fricke seinen Kunden bis heute regelmäßig beim Einkauf und transportiert schwere Getränkekisten zu den Autos auf dem Firmenhof. Quelle: Ingo Rodriguez

„Es geht einfach nicht mehr, es wird mir zu viel“, begründet Fricke den Schritt. Er bekomme einfach keine Angestellten mehr, die bereit seien, mit an zu packen. Seit zwei Jahren schufte er nun schon mit seiner Frau Ulla alleine im Laden. „Hilfskräfte hören meist nach zwei Tagen wieder auf, weil das Kistenschleppen zu anstrengend ist“, sagt Fricke. Seine Frau sei ja zudem selbst berufstätig. „Ich springe ein, wenn mein Mann Ware ausfährt“, sagt Ulla Fricke.

Bewerbungen nimmt Fricke nun nicht mehr entgegen: „Die Immobilie ist verkauft“, sagt er. Der Getränkehandel werde auch nicht erhalten, so viel weiß Fricke. Was der Käufer mit dem Grundstück plane, wisse er nicht. Fricke und seine Frau werden auch nicht in dem Wohnhaus hinter dem Getränkehandel bleiben. „Wir ziehen nach Empelde. Ich will in der Getränkebranche bleiben. Es laufen Gespräche“, sagt er. Von ihren Stammkunden und Geschäftspartnern wird sich die Familie aber verabschieden. Für den 29. September – dem letzten Geschäftstag – ist ein Hoffest geplant: „Von 9 Uhr an, den ganzen Tag lang“, sagt der 53-Jährige.

Rainer Frickes Großeltern Hermann und Frieda sind in ihrer Zeit auch regelmäßig in der Rio Bar neben dem heutigen Abholmarkt im Einsatz. Quelle: Ingo Rodriguez

Trotzdem schwingt bei ihm viel Wehmut mit. Immerhin endet eine 112-jährige Familientradition. Sein Urgroßvater habe 1906 am selben Standort als Kesselschmiede Heinrich Fricke einen Bier- und Kohlehandel eröffnet. „Ohne Abholmarkt, dafür wurde noch mit einer Pferdekutsche ausgeliefert. Bis in die Sechzigerjahre wurde das Bier in einer Halle noch selbst aus Tanks in Flaschen abgefüllt“, sagt Fricke und zeigt eine etwa 100 Jahre alte Glasflasche aus den Anfängen des Familienbetriebs. Erst 1975 sei in einem früheren Kohlelager der Markt eröffnet worden. Nicht zu vergessen: die legendäre Rio Bar auf dem Hof neben der früheren Abfüllhalle. „Dort haben einst die Arbeiter aus der Zuckerfabrik und dem Kalischacht ihr Feierabendbier getrunken. Wir haben in der Gaststätte Flaschenbier verkauft“, erzählt Fricke.

Legendärer Gastraum: In der Rio Bar auf dem Firmenhof wurde einst Flaschenbier verkauft. Quelle: Ingo Rodriguez

Zur Familientradition gehörte bei den Frickes auch immer die gute Zusammenarbeit. „Eltern und Großeltern haben den Betrieb bis ins hohe Alter unterstützt. Oma Frieda war als 96-jährige Chefin der Rio Bar sogar Niedersachsens älteste Gastwirtin“, sagt Fricke und zeigt alte Zeitungsausschnitte. Der 53-Jährige selbst ist seit 1985 im Familienbetrieb tätig. „1987 habe ich in der Lindener Brauerei eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer begonnen, 1995 habe ich den Laden dann von meinem Vater als Geselle übernommen“, erzählt Fricke.

In den Firmenräumen erinnern alte Kisten und historische Glasflaschen an die eigene Abfüllung und die Auslieferung mit Kutschen. Quelle: Ingo Rodriguez

An diese Zeiten kann sich auch noch der Kunde Henning Korf erinnern. „Ich war Stammgast in der Rio Bar“, sagt der 75-Jährige bei seinem Einkauf. Es sei furchtbar schade, dass der Familienbetrieb schließe. „In diesem Laden konnte ich noch regelmäßig anschreiben lassen und später bezahlen“, sagt er und zwinkert dem Ehepaar Fricke verschmitzt zu. Umstellen müssen sich nun auch viele der Großkunden wie etwa die Sportverein und mehrere Firmen aus dem Stadtgebiet. Einen reinen Getränkehandel gibt es laut Fricke ab Oktober in Ronnenberg nicht mehr.

Von Ingo Rodriguez

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