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Personalversammlung in der Schulküche: Die Jugendlichen der neuen KGS-Schülerfirma "Messerscharf" sprechen sich bei jedem Treffen zunächst kurz ab, bevor die bestellten Speisen der Auftraggeber und bevorstehende Catering-Einsätze vorbereitet werden.

Personalversammlung in der Schulküche: Die Jugendlichen der neuen KGS-Schülerfirma "Messerscharf" sprechen sich bei jedem Treffen zunächst kurz ab, bevor die bestellten Speisen der Auftraggeber und bevorstehende Catering-Einsätze vorbereitet werden.
© Ingo Rodriguez

Empelde

Schulküche ist die Geschäftszentrale

An der Marie-Curie-Gesamtschule haben 25 Jugendliche aus drei Jahrgängen gemeinsam mit drei Lehrern die erste Schülerfirma der KGS gegründet. Der Catering-Service freut sich über prall gefüllte Auftragsbücher – und verbucht erste Gewinne.

Empelde.  Dass die Schulküche der Marie Curie Schule sehr geräumig ist, hat seit dem Beginn des Schuljahres einen besonderen Zusatznutzen. An jedem Montag kommen dort in der achten und neunten Unterrichtsstunde 25 Jugendliche zusammen – aus dem siebten bis neunten Jahrgang, schulzweigübergreifend und sogar Inklusionsschüler. Dann ist aber nicht nur Backen und Kochen angesagt. Vielmehr verwandelt sich die Lehrküche dann in die Geschäftszentrale der neu geründeten Schülerfirma „Messerscharf“. Seit dem Sommer entwickelt sich der neue Catering-Service der KGS zu einem Start-up-Unternehmen mit prall gefüllten Auftragsbücher. Um die Bestellungen der Kunden abzuarbeiten und den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten, brauchen die Jugendlichen aber viel Platz. Denn: Nach der einführenden Personalversammlung mit Brainstorming stehen im Aufenthaltsbereich – weit entfernt von Backöfen und Herdplatten – erst einmal verschiedene Abteilungsmeetings auf dem Plan.

„Die 25 Mitarbeiter sind nicht nur eine Produktionseinheit, sondern in Kleingruppen auch mit Aufgaben im Bereich Personalmanagement, Controling, Verwaltung und Marketing betraut“, sagt Lehrerin Julia Steffen. Die Fachbereichsleiterin hat die neue Schülerfirma mit ihren Kolleginnen Pina Vaßen und Kathrin Marx als Ganztagsangebot eingerichtet. „An der KGS ist es ein Pilotprojekt“, sagt sie. Unterstützt wird das Pädagogentrio von einer gemeinnützigen Gesellschaft mit Sitz in Köln: Die IW Junior vom Institut der deutschen Wirtschaft betreut die neue Schülerfirma im ersten Geschäftsjahr. „Dort werden uns rechtlichen Rahmenbedingungen vorgebeben - zum Beispiel für die Buchhandlung“, sagt Steffen. Natürlich besitze die Schülerfirma keine eigene Rechtsform, sei vielmehr ein spielerisches Konstrukt. „Aber sehr nah an der Realität.“

Was das Kerngeschäft angeht, haben die Jugendlichen bereits gute Erfahrungen gesammelt: Bei der Ausbildungsmesse in der KGS im November wurden im Auftrag der Stadt sechs Kuchenbleche und Kaffee geliefert und verkauft – zu sehr günstigen Preisen. „Hintergrund sind Auflagen, wonach wir pro Jahr nur Umsätze in Höhe von 15.000 Euro und Gewinne von bis zu 5000 Euro erwirtschaften dürfen“, so Steffen. Trotzdem hat die Schülerfirma Gewinne eingefahren, die auf einem Geschäftskonto landen.  Es sei sogar rechtlich möglich, den Schülern Löhne auszuzahlen. „Wir investieren aber lieber in das Gesamtprojekt“, so Steffen.

Zu den nächsten Anschaffungen sollen große Töpfe gehören. „Einen Auftrag, für ein Ehemaligentreffen 500 Portionen Chili con Carne zu liefern, mussten wir wegen zu weniger Töpfe ablehnen“, sagt Steffen. Ansonsten seien fast alle Catering-Bestellungen möglich: auch für private Veranstaltungen. „Nur alkoholische Getränke und ausgefallene Spezialitäten liefern wird nicht“, sagt Steffen. Alles andere werde ohne gastronomische Hilfe umgesetzt. „Rezeptrecherche im Internet, Einkauf, Zubereitung: Alles im Rahmen des Ganztagsangebotes“, sagt Steffen. Die 13-jährige Sarah feilt einen Tisch weiter an einer Präsentation. „Öffentlichkeitsarbeit“, sagt sie. Die Auftragsbücher sind aber auch ohne Werbung gut gefüllt: „Catering-Aufträge für eine Schulmesse und eine Lehrerfortbildung“, sagt Steffen.

Lokale Geschäftsleute sollen Schülerfirma im zweiten Geschäftsjahr helfen

Die Projektinitiatorin, Lehrerin Julia Steffen, hofft für die Zukunft der neuen Schülerfirma Messerscharf auch auf Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft. Nach der Start-up-Phase mit fachkundiger Betreuung der gemeinnützigen Gesellschaft IW Junior aus Köln könne sie sich sehr gut Kooperationen vorstellen, um im zweiten Geschäftsjahr der KGS-Firma vom professionellen Know-How Ronnenberger Unternehmer, Dienstleister und Geschäftsleute zu profitieren. „Kalkulationen für die weitere Preisgestaltung, Jahresabschlüsse, Werbung – wir können seriöse Ratschläge gut gebrauchen und würden uns über fachkundige Unterstützung sehr freuen.“ Schließlich seien weder die Schüler noch die beteiligten Lehrer ausgewiesene Experten für Unternehmensführung und Gastronomie. Anfragen und Bestellungen werden per E-Mail an messerscharf@kgs.ronnenberg.de entgegen genommen.

Von Ingo Rodriguez


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Ronnenberg ist ...

  • ... eine Stadt südwestlich von Hannover mit sieben Ortsteilen und 23.000 Einwohnern.
  • ... eine frühere Bergbauhochburg. 1894 war die erste Tiefbohrung für das Kaliwerk Hansa-Silberwerk in Empelde.
  • ... bekannt für die Michaeliskirche, deren Ursprünge auf das Jahr 882 zurückgehen.
  • ... gleich mit drei S-Bahnhöfen ausgestattet: Ronnenberg, Empelde und Weetzen.
  • ... 6x pro Woche Thema in der Calenberger Zeitung, die als Heimatzeitung in Ronnenberg der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.