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00:16 16.12.2017
Die Kinder des Ich-Projektes studieren ihre eigenen Steckbriefe und die ihrer Freunde. Quelle: Marcel Sacha
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Empelde

 Wer bin ich? Was mag ich? Wo ist meine Toleranzgrenze erreicht? Diesen Fragen sind in den vergangenen drei Monaten rund 15 Kinder und deren Eltern im Rahmen eines neuen Angebots des Familienzentrums nachgegangen. Ziel des sogenannten Ich-Projektes, das das Frauenzentrum in Kooperation mit der Barsinghäuser Suchtberatungsstelle Step organisiert hatte, war es, die sechs- bis zwölfjährigen Kinder mit ihren unterschiedlichsten Gefühlen und Emotionen zu konfrontieren.

Primär ging es dabei laut Suchtberaterin Biljana Vicic darum, die Fähigkeit zu entwickeln, Gefühle überhaupt zuzulassen und diese nicht zu unterdrücken. „Stimmungsschwankungen sind ganz normal“, sagte sie. Wichtig sei es daher, auch in schwierigen Situationen damit umgehen und sich seinen Gefühlen stellen zu können.

Mit spielerischen Elementen wurden während des Projektes die Kinder langsam an die Thematik herangeführt – sei es passiv durch die Vorführung kleiner Filme oder aktiv durch das Erstellen eines Stimmungsbarometers oder eines persönlichen Steckbriefes. Dabei sollten die Kinder herausarbeiten, was ihnen im Alltag gefällt und was nicht. Die Beispiele waren dabei relativ simpel gewählt. So mussten sich die Mädchen und Jungen beispielsweise entscheiden, ob sie lieber Pizza oder Pasta essen oder ob sie sich eher als „aktiv oder cool“ sehen. „Zu wissen, woran man Spaß hat und was man ablehnt, ist ein erster und wichtiger Schritt auf dem langen Weg der Persönlichkeitsfindung“, erklärte Projektkoordinatorin Christiane Zimmermann.

Ein mangelndes Selbstwertgefühl sowie ein falscher Umgang mit den eigenen Gefühlen ist Vicic zufolge häufig die Ursache für eine spätere Suchterkrankung. „Die Betroffenen versuchen in bestimmten Situationen, durch den Konsum von Drogen ihre aufkommenden Gefühle zu unterdrücken“, sagte sie. Auch ein unterentwickeltes Selbstbewusstsein führt ihr zufolge zu einer erhöhten Anfälligkeit für Suchtmittel. Häufig fehle in solchen Fällen die Stärke, „Nein“ zu sagen, sagte die Suchtberaterin. „Diese Entwicklung beginnt bereits im Kindesalter.“

In den Projektablauf waren stets auch die Eltern involviert. Ihre Aufgabe lag beispielsweise darin, ihren Sprösslingen einen Brief zu schreiben, in dem sie abseits von unkonkreten Persönlichkeitsbeschreibungen wie „toll“ den Charakter ihres Sohnes oder ihrer Tochter beschreiben sollen. „Dabei sind teilweise hochemotionale Texte herausgekommen“, sagte Koordinatorin Zimmermann.

Bereits jetzt haben sich das Familienzentrum und Step dazu entschlossen, das Angebot im nächsten Jahr zu wiederholen. Zusätzlich soll ein Projekt mit ähnlicher Thematik für Kinder am Alter von drei bis sechs Jahren entstehen.

Von Marcel Sacha

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