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13:46 08.10.2018
Seit 65 Jahren miteinander verheiratet: Klara, genannt Klärchen, und Walter Deike aus Jeinsen. Quelle: privat
Jeinsen

 Wo er seine spätere Frau das erste Mal gesehen hat, das weiß Walter Deike aus Jeinsen ganz genau: „Das war beim Tanz auf dem Marienberg“, sagt der heute 85-Jährige und lächelt versonnen. Leider sei das Lokal später abgebrannt, berichtet er. Wieder getroffen haben sich die jungen Leute dann in der ehemaligen Gaststätte Deutsches Haus in Jeinsen, ebenfalls beim Tanzen. Der junge Deike war ein sehr guter Tänzer, „hat keinen Tanz ausgelassen“. Das gefiel seiner späteren Frau Klara, genannt Klärchen: „Ich habe auch nie gesessen“, sagt sie lachend. Geheiratet haben die Tanzpartner am 9. Oktober 1953 vor genau 65 Jahren, und sie können deshalb an diesem Dienstag das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern.

Klara und Walter Deike heiraten am 9. Oktober 1953 in St. Georg in Jeinsen. Quelle: privat

Geheiratet wurde in der St. Georg-Kirche in Jeinsen, denn vor dort stammt Walter Deike. Er hatte in den Voß-Werken in Sarstedt Dreher gelernt und zuletzt 37 Jahre lang bis um Rentenalter in den Eisenwerken in Wülfel gearbeitet. Seine damalige Verlobte lebte im Nachbardorf Vardegötzen. Sie hatte dort bei einem Zahnarzt im Haushalt gearbeitet, dann in der inzwischen geschlossenen Molkerei in Jeinsen, sich um die gemeinsame Tochter Rosemarie gekümmert und war zuletzt im Fernmeldeamt in Hannover als Reinigungskraft tätig. „Da waren gleichzeitig neun Frauen aus Jeinsen, das war oft lustig“, erinnert sie sich.

Wer etwas über Klara Deikes Lebensgeschichte erfahren hat, kann die heitere Gelassenheit nur bewundern, die die heute 86-Jährige ausstrahlt. Offenbar hat diese zierliche Person in sich die Kraft gefunden, ihren großen Verlust sowie Trauer und Schrecken zu überstehen. Sie wurde in Glasdorf in der damals preußischen Provinz Posen geboren, im heutigen Polen. Sie musste im Januar 1945, mit nur 13 Jahren, gemeinsam mit einer Tante und einer Cousine fliehen. Die Eltern blieben zunächst auf dem Hof. Da wusste die Tochter noch nicht, dass sie ihre Eltern niemals wiedersehen würde: Das Paar flüchtete später und kam auf der Flucht um. Die junge Klara geriet in den letzen Kriegstagen in den verheerenden Bombenangriff auf Dresden. Sie überlebte, aber ihre Cousine kam um.

Dann machte sich das Mädchen allein auf dem Weg nach Vardegötzen, wo eine andere Tante lebte. „Ich habe die Nacht auf dem Bahnhof in Hannover verbracht, bis der nächste Zug fuhr“, berichtet sie. In Barnten stieg das Mädchen aus und kam kann, „nur mit Rucksack und einer kleinen Tasche“, morgens bei ihrer Tante an. Wie hat sie das geschafft, in diesen Zeiten ganz auf sich gestellt? „Ich war zart, aber flink“, sagt Klara nur. Eins macht ihr aber noch heute zu schaffen: „Ich bin bald drei Jahre lang nicht richtig zu Schule gegangen“, sagt sie traurig. Das junge Mädchen, dessen ordentliche Handschrift die Lehrer gelobt haben, hätte sehr gerne noch mehr gelernt.

In Jeinsen ist das Ehepaar gut vernetzt. Er war im Schützenverein Horrido aktiv, im 2. Tenor im Volkschor Jeinsen – bei der Feier zur Eisernen Hochzeit wird der Volkschor auch singen -, hat bei der TuSpo Jeinsen Fußball gespielt („links außen“) und auch die Alten Herren betreut. Sie hat im DRK-Ortsverein und bei den Landfrauen Jeinsen gefühlte 100 Mal die Küchenschürze übergestreift und Kaffee ausgeschenkt und sich bei der TuSpo mit Gymnastik fit gehalten. Und seit jeher und bis heute ist Klara Deikes liebstes Hobby ihr Garten. Was da wächst? „Viele Blumen, aber auch Erdbeeren und Kartoffeln.“

Von Kim Gallop

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