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Cord Knibbe (links) und Friedrich Lüddecke

Cord Knibbe (links) und Friedrich Lüddecke
© von werder

Neustadt

 Plattdütsch nich nur ut Bissendörp

In Wedemark-Neustädter Co-Produktion haben Cord Knibbe (Bissendorf) und Friedrich Lüddecke ein Buch voll Anekdoten aufgelegt –zweisprachig in Hoch- u d Plattdeutsch.

Evensen/Bissendorf.  

Pärstall utmessen (Pferdestall ausmisten) war ein „olt Husmittel“ – ein altes Hausmittel. Nachzulesen ist das in „Plattdeutsch aus Wedemark und Umgebung“, einem 90seitigem Werk mit Anekdoten vom Lande, niedergeschrieben –einschließlich hochdeutscher Übersetzung –von Cord Knibbe aus Bissendorf, 82-jährigem Bissendorfer Urgestein, der sein umfassendes Wissen über die Heimat in bereits mehreren Büchern festgehalten hat. 

Lesenswert sind die Anekdoten nicht nur in Bissendorf, denn die Wirkung schweißtreibender Arbeit im Pferdestall war nicht nur in der Wedemark bekannt. Half sie doch gegen so allerlei Wehwechen, „wie Snoppen un wenn de Kopp dick brummt“, wenn also Schnupfen den Kränkelnden quälte und oder ihm der Schädel brummte. Letzteres, auch das steht im Buche, mochte durchaus selbst verschuldet sein, beispielsweise wenn „man tou lang gefiert hat an Stammdisch in dä Kneipe“.  Hatten also Bauer, Altenteiler, Knecht oder Hoferbe zu lange am Stammtisch gefeiert, so war es am besten, des Morgens „auszudampfen“, nicht etwa in der nächsten Sauna, die bestenfalls in der nächsten Kreisstadt zu finden war, sodern eben im Pferdestall. „De pärmess was warm un dampe“, wie in der Sauna, eben, mit etwas strengerem Geruch. 

„Unser hiesiges Platt ist leider eine aussterbende Sprache“, sagt Knibbe. In ganz Bissendorf –6000 Menschen zählend –gebe es noch fünf oder sechs Leute, mit denen er sich in Bissendorfer Platt unterhalte. Denn dieses sei eben ein Platt, das sich von vielen anderen unterscheide. „Wie kürt Platt“, sagt Knibbe, anderenorts werde „gesnackt“ oder „gekört“. Die Kirche hieße „Kerke“ nicht „Kark“ wie weiter im Norden, die Küche „Köke“ und nicht „Kiche“. Und so hat Knibbe sein Werk, um es auch Nicht-Plattdeutschen zu erschließen, um vielleicht auch wieder ein wenig Begeisterung für die Niederdeutsche Sprache zu erwecken, mit hochdeutscher Übersetzung geschrieben. „Ich hoffe, dass es viele Leute gibt, die den Text auf Plattdeutsch lesen“, sagt Knibbe. Und die sollten, so wünscht sich Knibbe, „sich alles Wort für Wort laut vorlesen“. Denn nur, wenn Plattdeutsch in lokaler Urform gesprochen werden gebe es eine Chance, sie doch noch zu retten.

Cord Knibbe jedenfalls hat in seinen über 80 Lebensjahren soviel in Bissendorf erlebt und gehört, dass die gut 50 Anekdoten nur eine kleine, aber durchaus feine Auswahl sind.  Darin geht es dann um Geschichten wie „Dä Driefjagd“ (Treibjagd), „Ein Nikolausdag“ oder „Dä Irrenanstalt“. Der Evenser Friedrich Lüddecke, der schon mehrfach Texte von Knibbe und anderen gestaltet und in Druck gegeben hat, lobt den „Freund Cord“: „Dieses Buch ist jetzt auch ein kleines denkmal für Cord Knibbe.“ Zu kaufen ist es im Buchhandel in der Wedemark und in Bissendorf, auch im dortigen Bürgerhaus.                                                                                                                                                                             

Von Dirk von Werder


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