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Nachrichten Geplante Wolfsjagd wirft Fragen auf
Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Geplante Wolfsjagd wirft Fragen auf
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00:16 06.02.2019
Helge Stummeyer (49), von Beruf Soldat, ist seit 2014 ehrenamtlicher Wolfsberater der Region Hannover mit Schwerpunkt Altkreis Neustadt am Rübenberge und Wunstorf. Außerdem koordiniert er den Einsatz des Transportanhängers für Wildtiere. Er findet: „Man sollte den Wolf nicht verherrlichen, sondern sehen was er ist: ein großer Beutegreifer, der auch vor größeren Nutztieren keinen Halt macht.. Quelle: Patricia Chadde
Warmeloh/Rodewald.

Wiederholt sich die Geschichte? Über sieben Jahrzehnte, nachdem ein Wolfsrüde, der „Würger vom Lichtenmoor“, Angst und Schrecken in der Region Rodewald/Rethen verbreitet hat, gilt jetzt der Rüde des noch jungen „Rodewalder Rudels“ als verantwortlich für den Tod etlicher Nutztiere. Er soll das Los des Würgers teilen: Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat ihn zum Abschuss freigegeben. Das Tier soll, wie es offiziell heißt, „entnommen werden“. Schneller als allgemein erwartet, werden Wölfe wieder zu Problemtieren, stößt das große Projekt „Rückkehr des Wolfes“ offensichtlich an seine natürlichen Grenzen.

Der Abstand der Pfoten zueinander ist entscheidend: Jägerin und Waldpädagogin Claudia Mithöfer hat einen Wolf gefährtet. Quelle: Claudia Mithöfer

Seit 2014 zählt Helge Stummeyer aus Neustadt-Warmeloh zu den ersten offiziellen Wolfsberatern der Region Hannover. Im Rahmen seines ehrenamtlichen Engagements hält der 49-jährige Vorträge und beantwortet Fragen. Weidetierhalter informiert er ebenso wie Schüler, die ein Referat über das Wildtier schreiben wollen. Stummeyer wünscht sich, dass sich die Landespolitik im Umgang mit Wölfen klarer positioniert. Was mit Blick auf das Rodewalder Rudel, vermutlich zwei Elterntiere mit ihren vier Welpen aus dem vergangenen Jahr, geplant sei, wirft nach seiner Einschätzung Zweifel auf.

Symbolbild: Ein Wolf im Wisentgehege Springe. Quelle: dpa (Archiv)

Kritik am Vorgehen des Ministers

„Wir Wolfsberater erfahren aus den Medien, dass die Entnahme des männlichen Elterntieres beschlossene Sache sei“, sagt Stummeyer. Niemand wisse, wer, wann und wie das besagte Tier töten soll. Das sei bisher weder mit den Beratern noch mit den Inhabern der Reviere abgesprochen. „Wir haben bereits dem früheren Umweltminister Wenzel gesagt, dass die Behörden da nicht einfach jemanden bewaffnet in die Reviere schicken könne“, sagt Stummeyer.

Zudem sei es kaum möglich, den ausgewachsenen Rüden von den übrigen Rudelmitgliedern zu unterscheiden, gibt er zu bedenken. Derzeit tragen alle sechs Tiere Winterfell und sind etwa gleich groß, so dass Rüde, Fähe und Jungtier nur durch einen DNA-Test sicher voneinander unterschieden werden können. Die Möglichkeit eines Fehlabschusses sei deshalb relativ hoch. Die übrigen Tiere würden in der Folge möglicherweise noch intensiver Nutztiere jagen und Schutzzäune überwinden. „Konsequent wäre einzig, das gesamte Rudel zur Entnahme vorzusehen, aber das traut sich noch niemand vorzuschlagen“, vermutet der Wolfsberater.

„Hysterie ist fehl am Platz“

Stummeyer wirbt für einen „pragmatischen und ehrlichen Umgang mit den Raubtieren“. Hysterie sei fehl am Platze, eine kritiklose Fortsetzung bisheriger Praxis allerdings auch. „Von welcher Gefahr gehen wir eigentlich aus?“ fragt er. Das Risiko für einen Spaziergänger, im Wald von einem Wildschwein „über den Haufen gerannt zu werden“, sei um ein Vielfaches größer, als einem Wolf zu begegnen. Doch Weidetiere, Pferde, Schafe, Rinder, gelte es zu schützen. Und das gehe eben nicht nur mit immer höheren Zäunen. Das gelinge nur, wenn die Zahl der Wölfe bei Bedarf reguliert werden dürfe.

Darüber seien sich die ehrenamtlichen Wolfsberater längst einig. Sie arbeiteten pragmatisch über ihre offiziellen kommunalen Grenzen hinweg zusammen. Sein Nienburger Kollege Herbert Wichmann ist für das Rodewalder Rudel zuständig, auch wenn dieses in Gemarkungen wie Dudensen oder Nöpke (Region Hannover) oder Gilten (Heidekreis) Nutztiere gerissen habe.

Regeln für verletzte Tiere fehlen

Im übrigen sei es „höchste Zeit“, das Regelwerk etwa für Wölfe anzupassen, die auf Straßen angefahren worden seien, meint Stummeyer noch. Bisher müsse, sollte der angefahrene Wolf noch leben, grundsätzlich der Amtstierarzt entscheiden, was mit dem Tier geschehe. „Wildtiere sind hart im Nehmen. Wenn die noch irgendwie können, ziehen sie vom Unfallort weg. Wenn nicht, wird man sie auch nicht mehr gesund pflegen können“. Stummeyer rät, sich einem verunfallten Wolf nicht zu nähern und umgehend die Polizei zu informieren. Doch am Unfallort müsse ein schwer verletztes Tier, im Rahmen des Tierschutzes, umgehend erlöst werden dürfen. Ob von der Polizei oder durch einen von der Polizei beauftragten Jäger. Alles andere sei unverantwortlich.

Erinnerung an vergangene Wolfsjagd

Ein Festtag im August 1948: Der „Würger von Lichtenmoor“ ist gestreckt, sein Schütze trägt ihn mit Unterstützung eines Kollegen ins Dorf. Quelle: HAZ-Archiv

Der so genannte Würger vom Lichtenmoor übrigens soll 1947/48 in wenigen Monaten bis zu 200 Rinder und Schafe gerissen haben. Im August 1948 wurde er von Hermann Gaatz, einem Jäger aus Eilte, zur Strecke gebracht. Ein Gedenkstein in der Schotenheide, einem Teil weitgezogener Heide- und Moorflächen zwischen Rodewald und Rethem/Aller, erinnert an Tier und Jäger. Längst gilt als gesichert, dass ein Großteil der angeblich vom Wolf gerissenen Nutztiere vor Ort illegal geschlachtet worden sind. Als sich nach der Währungsreform im Juni 1948 die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung besserte, sank auch die Zahl der Wolfsrisse.

Von Patricia Chadde

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