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Nachrichten Südlink-Plan: Bauern sorgen sich um Existenz
Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Südlink-Plan: Bauern sorgen sich um Existenz
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17:46 22.02.2019
Treffen am Eichbaum: Wo die Stromtrasse verlaufen soll, steht ein Naturdenkmal, und der Boden ist besonders fruchtbar. Henrik Rump (von links), Hans-Jürgen und Carolin Fricke, Torsten und Jasmin Kirchner, Eckhard Habermann, Andreas Northe, Jürgen Kirchner, Günter Hahn und Heiner Duensing machen sich Sorgen. Quelle: Kathrin Götze
Mandelsloh

Das war ein Schreck für Neustadts Landwirte. Jahrelang wurde über die Mega-Stromtrasse Südlink diskutiert, immer wurde für den Trassenverlauf eine Route östlich von Hannover als Favorit genannt. Dass nun plötzlich die West-Trasse wieder im Gespräch ist, schreckt die Betroffenen auf. Denn viele wesentliche Fragen sind noch nicht beantwortet. Auch wenn die meisten die Notwendigkeit der Stromautobahn nicht infrage stellen wollen, bringt sie doch viele Sorgen mit sich.

Der Ortschaftsbereich Mandelsloh etwa wird von der Plantrasse von Nord nach Süd komplett durchschnitten, dabei sind fast ausnahmslos Landwirtschaftsflächen betroffen. Zum Beispiel das Ackerland am Eichbaum, einem Naturdenkmal westlich der Ortslage Mandelsloh. „Da ist der Boden besonders gut, deshalb wirtschaften wir gerne hier“, sagt Torsten Kirchner. Gemeinsam mit seiner Frau Jasmin ist er dabei, seinen Betrieb auf Bio-Landwirtschaft umzustellen.

Bei dieser Wirtschaftsweise kommt es noch mehr als bei konventioneller Landwirtschaft auf die richtigen Fruchtfolgen an. Doch ein Erdkabel unter der Oberfläche, das sich bei Vollast bis 50 oder 60 Grad erwärmen kann, das hat Auswirkungen, zum Beispiel auf Bodenbiologie und Wasserhaushalt. So ist klar, obwohl bei einem solchen beispiellosen Vorhaben ja keine Erfahrungswerte bestehen. Mit Kollegen beratschlagten Kirchners am Freitag, was jetzt zu tun ist.

Jasmin Kirchner hat die Karte der Trasse unter die Lupe genommen und festgestellt, dass viele landwirtschaftliche Gebäude darauf noch gar nicht eingezeichnet sind, etwa die eigene Maschinenhalle am Eichbaum oder der ganze Gebäudekomplex von Biogasanlage und Stallungen in Welze. Weil das Kabel für eventuelle Wartungsarbeiten immer erreichbar sein muss, darf darüber nichts gebaut werden. „Da wird die Entwicklung der Höfe stark eingeschränkt“, sagt Hans-Jürgen Fricke, der gemeinsam mit seiner Frau Carolin ebenfalls mitten in der Umstellung auf Biolandwirtschaft steckt.

Nahe Mandelsloh ist mit Frickes, Kirchners, dem Kollegen Wiebe sowie den Vorreitern Friedrich Bohm in Stöckendrebber und Holger Lindwedel in Dinstorf ein kleiner Schwerpunkt der Bio-Landwirtschaft entstanden. „Es wäre schade, wenn diese Entwicklung gestört würde“, findet Ortsbürgermeister Günter Hahn. Bio-Landwirt Bohm geht davon aus, dass eine Trasse einen Schaden verursacht, der bleibt, solange Strom durch das Kabel fließt. Er sei sehr gespannt auf die Begründung des Netzbetreibers Tennet, warum die West-Trasse besser als die östliche sein soll.

„Mir kommt es ein bisschen vor, als hätte man uns hier erst in Sicherheit gewiegt, um uns nun überrumpeln zu können“, sagt Bohm. Auch konventionell wirtschaftende Kollegen sind alarmiert, halten von einem Erdkabel durch ihre Äcker nicht viel. „Aus unserer Sicht wäre ein Überlandkabel unschädlicher“, sagt Eckhard Habermann aus Mandelsloh. Sein Kollege Henrik Rump gibt ihm Recht: „Das Bodenrelief ist für uns wichtig, das hegen und pflegen wir, es ist für den Ertrag entscheidend.“ Und das könne man nicht einfach mal so umgraben.

Porscha will Planung kritisch begleiten

Auch CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Porscha meldet sich zum Südlink zu Wort: .„Bevor die Bundesnetzagentur Ende 2019 zu einer endgültigen Entscheidung kommt, wird noch jede Menge Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Es stellt sich doch wirklich die Frage, aus welchem Grund die Ostvariante plötzlich nicht mehr bevorzugt wird und die Argumente auch aus unserer Stadt gegen eine Verlegung im Westen nicht wirklich berücksichtigt wurden“, sagt er.

Es sei schon ein großer Vorteil, dass man von der ursprünglich geplanten Überlandleitung zur Erdverkabelung gewechselt sei. Dennoch werde Tennet noch sehr detaillierte Informationen vorlegen müssen. Dazu gehörten auch konkrete Aussagen zu Entschädigungsleistungen, und der Flächenverbrauch insbesondere in der Landwirtschaft müsse so gering wie möglich gehalten werde, indem man die Trasse entlang vorhandener Infrastruktur führe.

Zentrale Themen im Beteiligungsverfahren würden die Leinequerung, Verlauf der Trasse durch Schutzgebiete, Beeinträchtigung landwirtschaftlicher Flächen, des geplanten Neubaus des Friedrich-Löffler-Institutes zwischen Mecklenhorst und Otternhagen, sowie des Bundessortenamtes in Scharnhorst, sagt Porscha.

Von Kathrin Götze

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