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An der ehemaligen Sandschleuse neben der Eckstein-Mühle bahnt sich das Wasser der Kleinen Leine seinen Weg über Feld und Flur.

An der ehemaligen Sandschleuse neben der Eckstein-Mühle bahnt sich das Wasser der Kleinen Leine seinen Weg über Feld und Flur.
© Doris Dräger

Neustadt

Silbernkamp: Der Deich kommt

Der Hochwasserschutz für das Wohngebiet Silbernkamp kommt in greifbare Nähe. Gerade rechtzeitig finden die einen, überflüssig die anderen.

Neustadt.   Diesen Sommer war „der Supergau“ für viele Bewohner des Silberkamps nur eine Handbreit entfernt. Wenige Zentimeter fehlten und das Leinehochwasser hätte zahlreiche Keller geflutet. Voraussichtlich ab 2020 soll ein Deich-Neubau das überschwemmungsgefährdete Wohngebiet südlich der Kernstadt wasserdicht machen. Nach beinahe 15 Jahren der Planung, steht jetzt der konkrete Verlauf und die Dimension des Bauwerks fest. Unter den Anwohnern ist das Projekt nicht unumstritten. Denn statistisch betrachtet erreicht die Leine nur alle 100 Jahre einen Pegelstand, der den Silbernkamp fluten könnte. Als Referenzwert gilt dabei ein Hochwasser im Jahr 1946. 

Bis zu 3,30 Meter soll er sich an den höchsten Stellen auftürmen, mit 50 Metern Abstand zu den nächsten Häusern. Von der südlichen Spitze der Bastion an der Marschstraße folgt der Deich in südlicher Richtung dem Verlauf der Wohnbebauung. In bis zum Spielplatz an der Röntgenstraße. An der Leutnantswiese soll ein Tor den Durchgang zu dem offenen Gelände ermöglichen. Zeitgleich mit dem Deichbau wird ein Pumpwerk zur Regen-Entwässerung im Bereich Silbernkamp und Marschstraße ausgebaut. Weil hier uner anderem das Regenwasser der Kernstadt in den Fluß geleitet wird, ist der Bereich eine neuralgische Stelle hinsichtlich des Hochwasserschutzes. 

Deichbau am Silbernkamp in Neustadt

Deichbau am Silbernkamp in Neustadt

Quelle: Mario Moers

„Der Hochwasserschutz ist alternativlos, auch wenn der Supergau bisher nicht eingetroffen ist“, sagt UWG-Ratsherr Willi Ostermann, der den Fortschritt begrüßt. Bis zum Sommer 2018 will die Stadt den Entwurf dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) zur Genehmigung vorlegen. „Ich bin da guter Dinge“, so Ostermann, der seit Jahren für den Deich eintritt.

Martin Strerath, Bewohner des Sigmund-Freud-Wegs, musst vor einigen Jahren selber ein Klavier aus dem überfluteten Keller retten. In der vergangenen Woche besuchte er das Treffen des Arbeitskreises Hochwasserschutz Silbernkamp. Dem Deichneubau steht er skeptisch gegenüber. „Das letzte Hochwasser ist ewig her. Die Schutzmaßnahmen entlang der Leine wurden in der Zeit deutlich ausgebaut. An dieser Stelle ist es meiner Ansicht nach verschwendetes Geld“, sagt er.

Andere Anlieger vertreten die Theorie, dass die Hochwassergefahr im Silbernkamp gestiegen ist, seit die Eckstein-Mühle das Wasser der Kleinen Leine zur Stromproduktion aufstaut. Der hohe Wasserstand führe zu „künstlich geschaffenen“ Überschwemmungsszenarien. Tatsächlich  bahnt sich das gestaute Wasser gerade in diesen Tagen einen eigenwilligen Weg über die Wiesen nahe der Mühle. Sogar ein kleiner Wasserfall ist dort entstanden. Ein idyllischer Anblick für Spaziergänger, ein bedrohlicher für die Anlieger.

Von Mario Moers


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