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Küster Holger Märten (links) und Pastor Jan Mondorf kennen die Geschichte des Gotteshauses.

Küster Holger Märten (links) und Pastor Jan Mondorf kennen die Geschichte des Gotteshauses.
© Benjamin Behrens

Neustadt/Serie Namenspatrone

Das waren die Namensgeber der Basser Kirche

Wer war eigentlich St. Osdag und warum tragen so viele Kirchen den heiligen Johannes im Namen? Manche Namenspatrone sind der Öffentlichkeit kaum noch bekannt. Diese kleine Serie soll die Erinnerung auffrischen.

Basse.  Wer war eigentlich St. Osdag und warum tragen so viele Kirchen den heiligen Johannes im Namen? Manche Namenspatrone sind der Öffentlichkeit kaum noch bekannt. Diese Serie von Artikeln soll die Erinnerung auffrischen.

Im Volksmund wird sie schlicht als die Basser Kirche bezeichnet, offiziell trägt das Gotteshaus den Namen Simon-und-Judas-Kirche. Pastor Jan Mondorf kennt die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Namen der Kirche. Und er muss weit ausholen. „Das ist ein Stück komplizierter“, sagt Mondorf. Bei Simon an den ursprünglichen Namen des Apostels Petrus zu denken, sei naheliegend. Nur ausgerechnet nach Judas Iskariot, dem Jünger, der Jesus für dreißig Silberlinge verriet, soll eine Kirche benannt sein? „Das würde man glaube ich nie machen“, sagt Mondorf. 

Für die Kirche in Basse standen wahrscheinlich andere Heilige Pate. „Es handelt sich um die Apostel Simon und Judas“, erläutert Mondorf. Simon der Zälot, auch bekannt als Simon Zelotes, sei ein Jünger Jesu gewesen. Den Beinamen Zelotes erhielt er aufgrund seiner ursprünglichen Zugehörigkeit zur radikalen Zelotenpartei, die sich zum Ziel setzte, die römischen Besatzer gewaltsam zu vertreiben. 

Auch der Name Judas taucht demnach mehrfach in der Bibel auf. Ein Apostel Judas Thaddäus, wird unter anderem im vierzehnten Kapitel des Johannesevangelium an Vers 22 erwähnt. 

Soviel das Gemeindeoberhaupt auch über die Hintergründe der Namenspatrone zu sagen hat, auf die Frage warum sie zusammen genannt werden, kann auch Mondorf nur mutmaßen. „Das lässt sich nicht genau klären.“ Eine mögliche Erklärung sei, dass die gemeinsame Missonierungsarbeit im Raum Babylon, dem heutigen Irak, die Anregung lieferte. „Die zweite Erklärung ist, dass es zwei Brüder Jesu sind“, sagt Mondorf. In der Bibel würden sie im Vers drei des sechsten Kapitel des Markus-Evangeliums erwähnt. 

Vielleicht wurde die Kirche auch schlicht am 28. Oktober, dem gemeinsamen evangelischen Gedenktag der beiden Apostel, geweiht. „Angeblich ist sie Mitte des 12. Jahrhunderts fertiggestellt“, sagt Küster Holger Märten. Von dem ursprünglichen Gebäude steht nur noch der Turm, der Rest wurde im dreißigjährigen Krieg zerstört. Lange musste Basse ohne eigene Kirche auskommen, das Kirchenschiff wurde erst 1689 wiedererrichtet. Den Kirchturm beherbergen drei Glocken, die älteste aus dem Jahr 1650. Die Basser hätten dem Geläut Namen gegeben. Der größte der drei Klangköper heiße Anna, der mittlere Susanna, der kleinste Elisabeth. „Bis jetzt habe ich noch keinen gefunden, der mir dass erklären konnte“, sagt Märten. Beim Stöbern in der von Pastor Friedrich Georg Heinrich Kühnholt, er war von 1901 bis 1922 im Amt, verfassten Dorfchronik stieß Märten auf ein weiteres Phänomen ohne Erklärung. In dem 1909 erschienen Buch wurde der ursprüngliche Name der Kirche erwähnt: Simon, Judas und Cyriacus. Cyriacus war ein Missionar, der in der katholischen Kirche als Märtyrer gilt. Warum der Name verschwand ist nicht nachvollziehbar. Mondorf hat eine Idee: „Es ist ja einfach leichter zu sprechen.“

Von Benjamin Behrens


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