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Kirchenvorstandsmitglied Bodo Messerschmidt blickt sich im Schiff der Kirche um.

Kirchenvorstandsmitglied Bodo Messerschmidt blickt sich im Schiff der Kirche um.
© Benjamin Behrens

Neustadt

Das ist der Namensgeber der St. Osdag-Kirche

Wer war eigentlich St. Osdag und warum tragen so viele Kirchen den heiligen Johannes im Namen? Manche Namenspatrone sind der Öffentlichkeit kaum noch bekannt. Diese Serie soll die Erinnerung auffrischen.

Mandelsloh.  Wer die mit Kopfsteinen gepflasterter St. Osdag-Straße entlangholpert, der wird am Ende von einem monumentalen Backsteinbau empfangen. Die St. Osdag-Kirchen, die sich in ihren Abmessungen vor so mancher Klosterkirche nicht zu verstecken braucht, ist ein beeindruckender Anblick. „Für eine Dorfkirche ist das eigentlich zu groß“, sagt Bodo Messerschmidt, Vorsitzender des Kirchenvorstands. „Es ist eine ungewöhnlich große Kapelle. Viele Menschen kommen am Wochenende, um sich die Kirche anzusehen“, ergänzt Annemarie Bötel vom Kirchenvorstand. 

Sollte einer der Interessierten Kirchenbesucher hoffen, in einem Nachschlagewerk zwischen Petrus und Johannes den heiligen Osdag zu finden – er würde vergeblich suchen. Der Namensgeber ist ein sogenannter Ortsheiliger, also jemand, der nur nach einer örtlichen Tradition verehrt wird. „Es ist ganz wichtig, dass er kein Heiliger war und auch nicht werden wird“, sagt Messerschmidt. Um den Namensgeber Osdag, in den Inschriften und Aufzeichnungen finden sich auch die Schreibweisen Ostdach und Osdacus, rankt  sich eine Legende. Der Herzog aus dem französischen Burgund, soll sich im Jahr 880 bei Lüneburg ein Schlacht mit den damals heidnischen Normannen geliefert haben. Den Kampf überlebte der Heerführer nicht. Als seine Schwester den Leichnam in die Heimat überführen will, soll der Legende nach das Gespann bei Mandelsloh stehengeblieben sein, die Pferde wollten nicht weiter. 

Die Gläubige deutete das als ein himmlisches Zeichen und ließ eine Kirche samt Grabkapelle erbauen. „Das ist ausdrücklich eine Legende“, betont Messerschmidt. Der Historiker und pensonierte Studiendirektor an der KGS Neustadt hat sich mit der Geschichte der Kirche und ihres Namenspatrons beschäftigt. „Den Herzog hat es wohl gegeben“, ist sich der 72-Jährige sicher. Und unter den Grundmauern der heutigen Kirche, sie wurde 1180 erbaut, sind Spuren von zwei kleineren Kirchen aus Holz gefunden worden. Sie wollen aus dem neunten Jahrhundert stammen. 

1974 stießen Archäologen auf einen Fund, der zunächst wie eine Sensation wirkte: das vermeintliche Grab des Herzog Osdag. „Damals hat man die Kirche renoviert“, sagt Messerschmidt. Bei Aushubarbeiten im Chorraum fanden die Arbeiter ein gut erhaltenenes Skelett eines 1,80 Meter großen Mannes. Archälogen untersuchten den Toten. Dass es sich wirklich um Osdag handelt, konnte nicht belegt werden – sein Grab ist bis heute nicht gefunden. 

So oder so: „Die Mandelsloher sind sehr stolz auf ihre Kirche“, sagt Bötel. Neben ihrem Baustil, sind auch die um 1906 freigelegten Wandmalereien aus dem Mittelalter prägend für das Gotteshaus. Und eine weitere Eigenschaft lockt immer wieder Musiker für Konzerte und Aufnahmen nach Mandelsloh. „Die Akustik ist einmalig“, sagt Messerschmidt, laut und deutlich. Er steht mitten vor dem Altar –seine Worte füllen das ganze Kirchenschiff. 

Die einmalige Akustik von St. Osdag

Jahr für Jahr kommen Musiker für Konzerte und Tonaufnahmen in die Kirche nach Mandelsloh. Im vergangenen Jahr traten dort die Singakademie Niedersachsen, die Capella St. Crucis, die Bläser und Orgelmusiker Opus 4 und zuletzt im Dezember vergangenen Jahres der Chor AnySingElse in der Kirche auf. Ohnehin ist Mandelsloh ein beliebter Anlaufpunkt für Musiker. Tonmeister Ingmar Haas lernte den Ort bei Aufnahmen mit dem NDR in der St.-Osdag-Kirche kennen. Heute betreibt Haas mit seiner Frau Stephanie den Haasenhof in Mandelsloh, ein Kulturzentrum mit integriertem Tonstudio.

Von Benjamin Behrens


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