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Die Mitarbeiterinnen der drei Kitas tauschen sich regelmäßig über ihre Erfahrungen aus.

Die Mitarbeiterinnen der drei Kitas tauschen sich regelmäßig über ihre Erfahrungen aus.© Oliver Kühn

Lehrte

Drei Kindergärten sind jetzt Sprach-Kitas

In vielen Kindertagesstätten steigt der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung - während das Sprachniveau sinkt. Dem will das Bundesprogramm "Sprach-Kitas" in Einrichtungen mit mehr als 50 Prozent Migrantenkindern entgegensteuern. In Lehrte nehmen drei Kindergärten am Projekt teil.

Lehrte. "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" heißt denn auch der Untertitel des Programms. Es sei aufgelegt worden, weil die bisherige Sprachförderung in Kleingruppen nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sagt Susanne Westphal, die den Kitas als Fachberaterin bei der Umsetzung zur Seite steht. "Deshalb wollen wir jetzt die Sprechfreude stärken", sagt sie. Das könne durch Vorlesen in einer Bücherstube genauso gut geschehen wie durch Toben im Bewegungsraum. Dafür müssten auch die Kita-Mitarbeiterinnen ständig weiter geschult werden. "Das Interesse ist sehr groß", meint Westphal. In jeder der drei Kitas gibt es zusätzlich eine Fachkraft für Sprache, die der Bund jeweils mit 25.000 Euro fördert.

"Wir haben unseren Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit Eltern gelegt und dafür einen Leitfaden entwickelt", sagt Sprachfachkraft Bianca Engelke von der Kita Marktstraße. Diesen biete man eine "Bildungs- und Erziehungspartnerschaft" an. Neu dabei seien etwa Hausbesuche. "Das läuft sehr gut, so entsteht bei Eltern und Kinder Vertrauen", ergänzt Leiterin Cornelia Selant. Schon beim ersten Schnuppergespräch werde Deutsch gesprochen, nur bei Bedarf komme auch ein Dolmetscher mit. Bei den Eltern spiele das Thema Grenzen setzen und gleichzeitig Halt geben in einem für sie fremden Kulturkreis eine große Rolle. Sprachanlässe gebe es etwa in der Schreibwerkstatt, der Mathe-Ecke oder der Rollenspielwohnung.

Auch die städtische Kita Drosselweg setzt den Fokus auf Elternarbeit - der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund liegt dort bei 65 Prozent. "Das ist eine große Herausforderung", sagt Leiterin Ulrike Wulfes. Das Vorlesen gehe deutlich zurück, zudem gebe es in vielen Sprachen wie etwa Kurdisch überhaupt keine Kinderbücher. Man wolle deshalb eine "Erziehungspartnerschaft" aufbauen, denn viele Eltern fragten oft nach, wie sie ihr Kind beim Lernen unterstützen könnten. "Wenn wir die Eltern mit ins Boot holen, fühlen sich auch die Kinder wohl." Weiteres wichtiges Thema für die Eltern sei auch der Umgang mit den neuen Medien. 

In der evangelisch-lutherischen Kita Matthäus steht die sogenannte alltagsintegrierte Sprachbildung im Vordergrund. "Wir wollen eine positive Gesprächskultur schaffen", nennt es Sprachfachkraft Ronja Weigelt. In Matthäus liege der Migrationsanteil bei 40 Prozent, beim Nachmittagsangebot allerdings bei 100 Prozent. Man müsse deshalb die Sprachebene und den Wortschatz der Kinder wertschätzen und habe deshalb durch Zufall etwa das türkische Wort "çanta" für Tasche in einer Gruppe ganz selbstverständlich in den Sprachgebrauch übernommen. Weigelt plant auch, Videos vom Sprachalltag zu machen und hinterher mit den Kolleginnen auszuwerten.

Von Oliver Kühn


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Lehrte ist ...

  • ... eine Stadt östlich von Hannover mit mehr als 43.000 Einwohnern.
  • ... 2009 zu Niedersachsens fahrradfreundlichsten Kommune gewählt worden.
  • ... eine Stadt mit langer Eisenbahnertradition.
  • ... Heimat des Blues-Festival, bei dem neben regionalen Bands auch internationale Musiker auftreten.
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