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Wer ist dafür und wer dagegen? Der Ortsrat Aligse stimmt über den Fortgang der Planungen für das Aldi-Logistikzentrum ab.

Wer ist dafür und wer dagegen? Der Ortsrat Aligse stimmt über den Fortgang der Planungen für das Aldi-Logistikzentrum ab.
© Achim Gückel

Lehrte

Vier Stunden Debatte um das Aldi-Logistikzentrum

Die heftige Kontroverse um das geplante Aldi-Logistiklager bei Aligse geht weiter. Rund 150 Bürger haben jetzt eine vierstündige Ortsratssitzung erlebt, die mit einer ungewöhnlichen Abstimmung endete.

Aligse.  Der Ortsrat Aligse-Kolshorn-Röddensen hat am Dienstagabend eine denkwürdige Sitzung erlebt. Rund 150 Bürger waren in die Aligser Sporthalle gekommen, um den Fortgang der Diskussionen zu dem südwestlich vom Dorf geplanten Aldi-Logistikzentrum mitzuerleben. Dabei prallten einmal mehr die konträren Meinungen zu dem Projekt hart aufeinander. Viele Aligser sowie Otto Lüders von der Bürgerinitiative gegen das Logistikzentrum warfen Politikern und Stadtverwaltung vor, mit unsachlichen Argumenten zu hantieren und den Willen der Bürger nicht zu hören. SPD-Ratsfraktionschef Bodo Wiechmann, der selbst Aligser und beratendes Mitglied im Ortsrat ist, warb hingenen für ein „klares Ja zum Wirtschaftsstandort Lehrte“. Sage man zu dem Aldi-Projekt nein, werde ein solider Arbeitgeber und Steuerzahler, der an der Gewerbestraße in Sievershausen nicht mehr genug Platz hat, der Stadt gänzlich den Rücken kehren.

Grundsätzlich ging es an dem Abend darum, die Empfehlung des Ortsrats für den Fortgang zweier Verfahren einzuholen – zur Änderung des Flächennutzungsplans, durch den die potenzielle Aldi-Fläche zu einem Industriegebiet umgewidmet wird, und über die Auswertung der bisher eingebrachten Anmerkungen zum Bebauungsplan. Projektplaner Georg Böttner erläuterte den Bürgern in zwei Vorträgen die aktuellen Änderungen und ging dabei auf die Hauptkritikpunkte vieler Bürger ein. Der durch Aldi zu erwartende zusätzliche Verkehr bringe bei rund 200 Fahrten pro Tag keine nennenswerten Probleme für Verkehrsknoten oder Ortsdurchfahrt. Der durch den Betrieb des Logistikzentrums zu erwartende Feinstaubausstoß sei ebensowenig ein Problem wie die Lärmentwicklung. Beim Lärm sei vielmehr die Autobahn das Problem.

Der Planer hob auch hervor, welche Änderungen in den Plänen es bisher gibt. Etwa die Auflage für Aldi, zusätzliche sogenannte Ausgleichsmaßnahmen in der Gemarkung Röddensen vorzunehmen und ein strenges Monitoring, also eine Überwachung der Umweltdaten, anzustreben.

All das überzeugte die Aligser nicht. Mehrere betonten, dass sie das Aldi-Logistikzentrum einfach nicht in der Nachbarschaft haben wollten. Mehrmals hörten die Mitglieder des Ortsrats die Aufforderung zu sagen, welche Vorteile denn das Dorf von dieser Ansiedlung haben werde. Mehrere Besucher appellierten eindringlich an die Mandatsträger, allein zum Wohle der Bürger des Dorfs abzustimmen. Und diese hätten in der mehr als 1000-fach unterzeichneten Unterschriftensammlung gegen das Logistikzentrum ihren Willen klar zum Ausdruck gebracht.

Letztlich gaben fast alle Ortsratsmitglieder Statements ab. Ulrike Erdmann (SPD) betonte, es sei schwierig, die Aligser Belange von denen der gesamten Stadt zu trennen. „Nur wenn es Lehrte gut geht, kann auch Aligse gut leben“, sagte sie und stimmte ebenso wie Axel Siemon (SPD) dem Fortgang beider Verfahren für Flächennutzungsplan und Bebauungsplan zu. Gaby Hesse (SPD) bewertete die Lage anders. Für sie als eine von Aligsern gewählte Mandatsträgerin stehe der Ort im Vordergrund. „Ich sehe weniger Vorteile als Nachteile für unser Dorf, daher kann ich nur dagegen sein“, sagte sie und stimmte gemeinsam mit Ortsbürgermeister Frank Seger (SPD) gegen beide Beschlussvorschläge.

„Vorteile für uns gibt es keine“, sagte auch Hendrik Thiele (CDU), man müsse aber auch „ans große Ganze“ denken. Christdemokrat Martin Schiweck hielt den Zuhörern entgegen, es dürfe nicht allein „der laute Bürgerwille“ zählen. Es werde mitunter nicht sachlich diskutiert, stattdessen würden unbegründete Ängste geschürt. Beim Votum zur Änderung des Flächennutzungsplans stimmten die drei CDU-Ortsratsherren mit Blick auf den Bürgerwillen trotzdem mit Nein, bei jenem zum Bebauungplan jedoch mit Ja. In letzterem müsse im weiteren Verfahren noch nachgebessert werden, sagte Schiweck.

Das Votum des Ortsrats ist nur eine Empfehlung. Die Debatte geht in der kommenden Woche weiter. Am Montag, 4. Dezember, steht das Thema auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Umweltausschusses. Deren öffentliche Sitzung im Kurt-Hirschfeld-Forum in Lehrte beginnt um 17 Uhr. Am Mittwoch, 6. Dezember, kommt um 18 Uhr an derselben Stelle der Rat der Stadt zusammen und fällt seine Entscheidung. Danach folgt eine weitere Auslegungsfrist der Pläne, in denen auch die Bürger Einwände vorbringen können. Endgültig grünes (oder rotes) Licht für die Aldi-Pläne wird es frühestens im März kommenden Jahres geben.

Von Achim Gückel


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