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Region Lehrte Nachrichten Politiker sind im Streit: Schulkita ja oder nein?
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02:38 09.03.2018
Der Schulausschuss in Lehrte debattiert über das Thema Schulkindergarten. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

 Ist es sinnvoll, wenn Lehrte künftig wieder Schulkindergärten hat? Diese Frage entzweit zurzeit Lehrtes Politiker und Bildungsexperten. Während Grundschul- und Kitaleitungen sowie die Opposition im Rat klar für eine wenigstens zeitlich befristete Wiedereinführung von Schulkitas sind, votiert die rot-rot-grüne Mehrheit dagegen. Sie möchte, dass das Prinzip der Inklusion im Vordergrund steht und will dafür auch den Kindergärten zusätzliche Hilfestellungen zukommen lassen.

Das Thema schwelt schon seit einem Jahr. Seinerzeit hatte die Schulleitung der Grundschule An der Masch gebeten, dass die Stadt ihren Schulkindergarten auflöst. Dieser befand sich auf dem Gelände der katholischen St.-Bernward-Grundschule an der Feldstraße, in ihm wurden 17 Kinder mit Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachproblemen zusammengefasst, die zwar schon schulpflichtig, aber noch nicht schulfähig waren. Die Situation in der Einrichtung war am Schluss jedoch unhaltbar, das Personal mit den Nerven am Ende, es regierte das Chaos – wovon sich Lehrtes Ratspolitiker selbst überzeugten. Man war sich einig, den Schulkindergarten aufzulösen. Seit Sommer 2017 gibt es ihn nicht mehr.

Wie es jetzt weitergehen soll, ist aber unklar. Die Kindergärten, in denen die noch nicht schulfähigen Kinder nun betreut werden, klagen mittlerweile, den vielfältigen Herausforderungen vor allem personell nicht mehr gewachsen zu sein. Siebenjährige, die vom Alter her in die Schule gehören, neben Dreijährigen sinnvoll zu beschäftigen und zu fördern, sei so gut wie unmöglich. Inklusion könne nur dann gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Daher brauche man wieder eine Schulkita, in der Kinder verpflichtend vier Stunden an jedem Vormittag auf die Anforderungen des Schulalltags vorbereitet werden. Lehrtes Grundschulleiterinnen sehen das ebenso, hat Beate Forgber, Chefin der Albert-Schweitzer-Schule, jetzt im Schul- sowie im Jugendhilfeausschuss nachdrücklich betont.

Die Ratsmehrheit vertritt eine andere Linie. Ekkehard Bock-Wegener (SPD) und Ronald Schütz (Grüne) betonten in beiden Gremien, man könne sich „nicht vorstellen, dass es besser wird, wenn wir so viele Kinder mit Problemen zusammenfassen“ (Bock-Wegener) und dass es nun Zeit sei, eine „klare Politik der Inklusion“ (Schütz) zu betreiben. Inklusion sei gesetzlich verbrieft und Völkerrecht, sagte auch Lehrtes Erster Stadtrat Uwe Bee. Er betonte aber auch, dass Bund und Land die Sache nicht richtig angingen, es nicht genug Personal an Kitas und Schulen gebe und die Lösung der Probleme letzlich in den Kommunen hängen blieben. Am Beispiel der Lehrter Schulkitas kristallisiere sich „ein Grundproblem der Gesellschaft“ heraus, schimpfte Bee.

Sprecher der Opposition beriefen sich indes auf die Expertisen aus den Kindergärten und Schulen. „Sie hören die Rufe der Pädagogen nicht und nehmen den betroffenen Kindern die Basis für eine gute Bildung“, schmetterte Reneé Friedrich (CDU) der Ratsmehrheit im Jugendhilfeausschuss entgegen.

Während es jedoch im Schulausschuss vor einigen Tagen noch zu Kampfabstimmungen kam, bei denen sich rot-rot-grün durchsetzte, gab es im Jugendhilfeausschus am Montagabend eine Annäherung. Am Mittwoch, 7. März, wolle man dann im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss über einen Kompromiss befinden, hieß es dort. Der könnte besagen, dass Lehrte doch wieder Schulkindergärten einführt, das aber nur zeitlich befristet und mit der Maßgabe, die Kindergärten in den nächsten Jahren für ihre neuen Aufgaben massiv zu stärken.

Einig ist man sich immerhin darüber, dass der Schulkindergarten der Grundschule An der Masch nicht neu belebt wird. Wo neue Einrichtungen entstehen könnten, ist ebenfalls schon in der Diskussion. Die Albert-Schweitzer-Schule könnte sich solch eine Gruppe im Müllerhaus neben dem Schulgebäude vorstellen und hat laut Forgber dafür auch schon Personal ausgemacht, die Grundschule Lehrte Süd hat dafür ebenfalls Raumkapazitäten ausgemacht.

Der Betrieb einer Schulkita ist finanziell und personell Landessache, für die Kitas ist die Stadt zuständig. Ob Lehrte tatsächlich neue Schulkitas einrichten darf, ist außerdem Sache eines förmlichen Antrags und einer Genehmigung durch die Landesschulbehörde. Redner der Ratsmehrheit haben bereits gewarnt: An einer Stelle in der Stadt eine Schulkita zu schließen und an anderen Stellen zwei neue zu eröffnen, wäre schon ein seltsamer Vorgang. 

Von Achim Gückel

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