Navigation:
Viele müssen hier durch, und viele finden den Bahnhofstunnel düster und unheimlich.

Viele müssen hier durch, und viele finden den Bahnhofstunnel düster und unheimlich.
© Foto: Eggers

Lehrte

Stadt will den Bahnhofstunnel aufhübschen

Viele Lehrter finden ihn finster und furchteinflößend. Jetzt will die Stadt den Bahnhofstunnel ein wenig aufhübschen. Heller und freundlicher soll er werden. 25.000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Lehrte. Täglich passieren ihn Tausende von Lehrtern – und es gibt nicht wenige, die ihn finster, furchteinflößend und gefährlich finden. Jetzt will die Stadt den Bahnhofstunnel aufhübschen. 25 000 Euro haben Lehrtes Kommunalpolitiker im Haushalt für 2018 dafür bereitgestellt. Mehr als ein wenig Kosmetik ist für diese Summe aber vermutlich nicht zu haben.

Während der Haushaltsberatungen Ende vergangenen Jahres gab es keine zwei Meinungen: Am Bahnhofstunnel muss etwas passieren. Wie die etwa 130 Meter lange Unterführung jetzt daherkommt, könne sie nicht bleiben. Insbesondere die SPD in der Kernstadt hatte schon mehrfach betont, dass die Unterfühung eine Schönheitskur und möglicherweise auch technische Nachrüstungen benötigt, etwa Überwachungskameras oder Notrufknöpfe. Dem Vorschlag der Mehrheitsgruppe von SPD, Grünen und Die Linke, Geld in den Haushalt einzustellen, stimmten auch die Vertreter der anderen Parteien im Haushaltsausschuss ohne Debatte zu.

Lesetipp: So häufig kracht es auf der A2 bei Lehrte

Was genau mit den 25 000 Euro passieren soll, ist indes noch unklar. „Es werden gerade erste Ideen erarbeitet“, sagt Fabian Nolting, Sprecher der Stadtverwaltung. Er stellt aber auch klar, dass mit dem eingeplanten Geld „der große Wurf“ kaum möglich sei. Schon für technischen Nachrüstungen dürfte das Geld kaum ausreichen. Nolting spricht von „eher kosmetischen Maßnahmen“. Allerdings wolle man mit dem Geld wenigstens erreichen, dass der Tunnel heller und freundlicher daherkomme. „Zuerst lassen wir vermutlich Malerarbeiten machen“, sagt er.

Der Bahnhofstunnel mit seinen Aufgängen zum Neuen Zentrum und zur Bahnhofstraße sind im Besitz der Stadt, ebeso wie die Rolltreppen und die Aufzüge zu den Bahnsteigen. Die Treppenaufgänge zu den Gleisen gehören indes der Bahn.

Schon bei der Arbeit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vor rund drei Jahren hatte man den Bahnhofstunnel sowie das Viertel an der Bahnhofstraße und dem Rathausplatz besonders genau in den Blick genommen. Im November 2015 beschloss der Rat schließlich als eines der sogenannten ISEK-Starterprojekte ein städtebauliches Entwicklungskonzept für diesen Bereich. Die Arbeit daran solle mit einem Ideenwettbewerb beginnen. Doch in Gang gekommen ist die Sache bisher nicht. Im Jahr 2016 kam die Haushaltssperre der Stadt dazwischen, auch 2017 passierte nicht viel – unter anderem weil komplizierte Abstimmungsverfahren mit der Bahn notwendig sind, der viele der Flächen im Bereich der Bahnhofstraße gehören.

Mittlerweile ist aber ein formelles Bauleitverfahren im Gang, und man werde in diesem Jahr versuchen, die Bahn wieder an den Tisch zu holen, sagt Nolting. „Wir wollen den Ideenwettbewerb vorbereiten. Noch in diesem Jahr solle es dafür die Ausschreiung geben und eine Jury auf die Beine kommen.

Das sagen Reisende und Passanten

Ob Zugreisende oder Passanten, die einfach nur durch müssen – schön findet den Lehrter Bahnhofstunnel niemand. Sie nennen ihn etwa „unheimlich“ und „viel zu düster“. Vor allem Frauen nutzen die Unterführung gar nicht gern. „Ich habe hier Angst“, gesteht eine Lehrterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Damit sie sich im Tunnel sicherer fühle, müssten die Wände und die Decke heller gestaltet werden. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Stadt da was macht“, sagt die 75-Jährige. Wünschen würde sie sich aber vor allem Überwachungskameras. Stefan Falkenstein aus Leipzig muss in Lehrte öfter umsteigen. Dass sich vor allem Frauen im dunklen Bahnhofstunnel unwohl fühlen, kann er verstehen. Für eine Verschönerung der Unterführung schlägt er „helle Natursteine für die Wände“ vor.

Gilda Mohs aus Burgdorf wünscht sich „hellere Farben“ und „Lampen, die mehr Licht spenden“.

Sabine Hippler aus Lehrte hält eigentlich gar nichts von einer Verschönerung des Tunnels. „Das bringt eh nichts, da müssen wieder Videokameras her“, findet die Lehrterin. Wenn die Stadt die Unterführung schon aufhübschen wolle, solle sie die Kindergärten ins Boot holen. „Die Kinder könnten die Wände mit Fingerfarbe gestalten oder ihre selbst gemalten Bilder in Schaukästen ausstellen“, schlägt die 45-Jährige vor.

Von Achim Gückel


Anzeige

Lehrte ist ...

  • ... eine Stadt östlich von Hannover mit mehr als 43.000 Einwohnern.
  • ... 2009 zu Niedersachsens fahrradfreundlichsten Kommune gewählt worden.
  • ... eine Stadt mit langer Eisenbahnertradition.
  • ... Heimat des Blues-Festival, bei dem neben regionalen Bands auch internationale Musiker auftreten.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Lehrte der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
Ihre Region
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h