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Region Lehrte Nachrichten Die Chemische Fabrik gibt es seit 130 Jahren
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11:44 27.08.2018
Aus der Luft gesehen: Die Chemische Fabrik an der Köthenwaldstraße. Quelle: privat
Lehrte

 Die Chemische Fabrik an der Köthenwaldstraße ist eines der ältesten Lehrter Traditionsunternehmen. Seit 130 Jahren gehört sie zur Stadt. Trotz aller Widrigenkeiten – vom Bombenangriff bis zur geplanten Schließung – existiert sie noch immer. Und sie wird als weltweit agierendes Unternehmen für ihre hochwertigen Produkte geschätzt.

Alteingesessene Lehrter mögen sich noch an den Geruch von Essig erinnern, der der Fabrik zu früheren Zeiten entströmte. „Aber das ist schon lange her“, sagt Vertriebsleiterin Regine Höft. Die Sehnderin gehört seit 1979 zur Belegschaft, hat aber die Produktion von Essigsäure – denn daher stammte der typische Geruch – nicht mehr selbst erlebt. „Neben der Qualität unserer Waren ist die Flexibiliät, auf Marktansprüche zu reagieren, wohl einer der Gründe, warum die Chemische Fabrik auch heute noch besteht“, sagt Höft.

Gegründet wurde der Betrieb an der Köthenwaldstraße 1888. Am 1. August ließ der Lehrter Apotheker Johannes Heinrich Martini seine Firma Leonhardt und Martini im Handelsregister Burgdorf eintragen. Nicht nur pharmazeutische Präparate ließ er herstellen. Es wurden auch Chemikalien zu anderen Zwecken verarbeitet. So entstand in Lehrte auch das sogenannte Wäscheblau zum Bleichen der Wäsche – was der Firma im Volksmund auch zum Namen Blaufabrik verhalf.

Während des Ersten Weltkriegs erwarb Hugo Bamberger das Lehrter Unternehmen, im Juni 1926 wurde es in Chemische Fabrik umbenannt. Und ach die Produktion wurde umgestellt: Die rohen und abfallenden Salze aus dem Kaliabbau wurden zu reinen Salzen verarbeitet, Konservierungsstoffe entwickelt und Fotochemikalien hergestellt. Im Oktober 1937 übernahm der Geheimrat Andreas Kossel die Fabrik. Es wurde angebaut, ein Maschinenhaus für die Stromerzeugung entstand. Doch der Aufschwung wurde durch den Zweiten Weltkrieg gebremst. Bei Bombenangriffen auf Lerhte wurde auch die Fabrik neben den bahgleisen schwer beschädigt, Angestellte fanden den Tod. Nach dem Tode Kossels führte sein Sohn Gustav das Unternehmen weiter.

So sah die Chemische Fabrik Lehrte im Jahre 1965 aus. Quelle: privat

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich die Chemische Fabrik wegen knapper Rohstoffe und neu zu erschließender Absatzmärkte erneut umorientieren. Die Nachfrage nach chemischen Produkten wuchs, die Kristallisation, das Herzstück der Fabrik, wuirde ausgebaut. Neben Konservierungsstoffen stellte man an der Köthenwaldstraße auch Pflanzenschutz- und Reinigungsmittel her. Rund 50 Prozent der Produktion wurden exportiert. Am 1. Januar 1975 übernahm die Raab Karcher AG Essen die Chemische Fabrik . Das Unternehmen, das sich mittlerweile bereits einen Namen inner- und außerhalb Deutschlands gemacht hatte, blühte weiter auf. Von 1985 an gehörte Die Chemische Fabrik durch interne Umfirmierungen zum Brenntagkonzern.

Das Kerngeschäft mit hochwertigen reinen Salzen, vor allem mit Calcium- und Magnesiumchlorid, die für Dialyse- und Infusionslösungen genutzt werden, wurde in den Achtizger- und Neunzigerjahren ausgebaut. 1999 erwirtschaftete die Fabrik mit 58 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 12 Millionen Euro – und wurde dadurch interessant genug für den Pharmagiganten Merck. Der übernahm den Betrieb rückwirkend zum 1. Januar 2000. Im Herbst 2012 gab Merck jedoch bekannt, die Chemische Fabrik Mitte 2014 schließen und das betreffende Geschäft aus Darmstadt heraus fortzuführen. Ein Schlag ins Kontor für Lehrte und die Mitarbeiter, die dem Unternehmen zum Teil jahrzehntelang die Treue gehalten hatten. Mit dem Betriebsrat wurde ein Sozialplan vereinbart. Die Produktion lag ein halbes Jahr lang brach.

Doch sollte die Geschichte des Traditionsunternehmens so nicht enden. Mit dem Unternehmen Schüssler Novachem aus Halle fand sich ein Interessent, der erst Grundstück und Gebäude, dann auch Produktionsanlagen und Laboreinrichtungen erwarb, mehrere Milionen Euro investierte und die „Chemische“so wieder auf Kurs brachte. Mehr als 40 Mitarbeiter gehören aktuell zur Belegschaft, der Umsatz ist bei 45 Prozent dessen, was vor der Schließung erwirtschaftet wurde. Exportiert wird in 45 Länder.

„Was die Qualität angeht, sind wir unter den ersten drei Unternehmen weltweit“, sagt Höft: „Was den Umsatz betrifft, sind wir da noch nicht angekommen. Die letzten Jahre waren hart, da es keine Übernahme im klassischen Sinne war, bei dem sich nur der Name ändert. Wir haben alle Zertifikate neu erwerben müssen und befinden uns immer noch in der Phase der Kundengewinnung.“

Vom Schippen mit Schaufel zum hochtechnischen Labor

Die Herstellungsprozesse in der Chemischen Fabrik Lehrte haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. „Als ich hier angefangen habe, war ich froh, dass ich eine elektrische Schreibmaschine hatte. Heute läuft ganz viel über das Internet“, sagt Vertriebsleiterin Regine Höft. Auch in der Produktion schlage sich das nieder. „Die Zeiten, in denen die Rohstoffe noch mit der Schaufel umgeschippt wurden, sind längst vorbei“, sagt Höft. Da es für die hergestellten Produkte strenge Vorgaben gebe, seien Qualitätmanagement und -kontrolle mittlerweile besonders wichtige Bestandteile des Unternehmens. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Die Darstellung gegenüber den Kunden. Das geschieht in sogenannten Audit, die mitunter auch zwei Tage umfassen. Dabei können sich die Kunden selbst von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens aus Lehrte überzeugen.

Von Sandra Köhler

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