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Nachrichten Spahn: Nicht jede Klinik kann alles machen
Region Lehrte Nachrichten Spahn: Nicht jede Klinik kann alles machen
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00:21 25.02.2019
In der Städtischen Galerie Lehrte spricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (links) auch über das Krankenhaus Lehrte, CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Prüße über Zuschüsse für Sportvereine. Quelle: Foto: Antje Bismark
Lehrte

Großer Bahnhof für den Bundesgesundheitsminister: Mehr als 200 Lehrter wollten am Freitagnachmittag in der Städtischen Galerie den Auftritt von Jens Spahn (CDU) als Wahlkampfhelfer sehen – für den CDU-Bürgermeisterkandidaten Frank Prüße. Den Kontakt hatte die örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth als „Wahlkampfgeschenk“ vermittelt. Beim Thema „Sport und Gesundheit“ ging es auch um den Bestand des Lehrter Krankenhauses. Spahn erklärte zwar, dass er für eine flächendeckende Grundversorgung sei, andererseits aber Schwerpunkte gesetzt werden müssten: „Nicht jedes Krankenhaus kann alles machen.“ Ziel müsse es sein, „regionale Verbünde“ zu gründen, die miteinander kooperierten. Diesen Weg geht das Klinikum Region Hannover bereits mit ihrer Medizinstrategie 2020.

Eine zentrale Frage in der Gesundheitspolitik sei für ihn, wie man das Vertrauen der Pflegekräfte zurückgewinnen könne: „Da gibt es viel Frust“, räumte Spahn ein. Für die Menschen selbst sei Prävention mit Sport und einer gesunden Lebensführung eine Grundlage für Gesundheit im Alter. Dabei müssten sich aber auch die Krankenkassen bei Kooperationen mit Betrieben, Kitas und Schulen stärker einbringen.

Einen konkreten Wunsch überreichte die fünfjährige Eva aus Ahlten, die am Undine-Syndrom, einer Störung der Atemregulation, leidet: „Wir brauchen mehr Krankenschwestern.“ Was Spahn von seinem Wahlhelfertermin mit nach Berlin nehme, wollte die diese Zeitung vom Bundesgesundheitsminister wissen. „Es hat mich beeindruckt, dass sich die Lehrter sehr engagiert für ihr Krankenhaus einsetzen.“

Jens Spahn im Interview: „Qualität hängt mit Erfahrung zusammen“

Herr Spahn, können Sie den Wunsch der Kommunalpolitiker nachvollziehen, jedes Krankenhaus an jedem Standort zu erhalten?

Ja, das kann ich nachvollziehen. Es ist für jeden Bürgermeister ein gutes Gefühl zu wissen: ,Wir haben ein Krankenhaus vor Ort und können unseren Bürgern lange Wege ins nächste Krankenhaus ersparen.’ Das ist vor allem in ländlichen Regionen wichtig. Die Entscheidung über einen Krankenhausstandort trifft aber das Land und muss dafür auch die notwendigen Investitionen bereitstellen. Dabei ist zu entscheiden, ob die gesundheitliche Versorgung ausreichend ist , oder es Versorgungslücken gibt. Oder ob es Strukturen gibt, die viel Geld kosten, aber wenig zur weiteren Verbesserung der Versorgung beitragen. Und dann kann auch eine Entscheidung gegen die Fortführung eines Krankenhauses richtig sein.

Wie sinnvoll erscheinen Ihnen kleinere Krankenhäuser in einer komplexer werdenden Medizinwelt? Ist die Spezialisierung von Kliniken der richtige Weg?

Wir brauchen beides. Die wohnortnahe Versorgung und die Spezialisierung, also Krankenhäuser die sich um sehr komplexe Behandlungen, um Schlaganfallpatienten oder schwierige Eingriffe kümmern. Denn die Qualität einer Behandlung hängt stark mit der Erfahrung des Krankenhauses zusammen. Wichtig ist vor allem, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Kompliziertere Fälle gehören in ein Krankenhaus, das in der Behandlung Routine hat. Die Geriatrie in Lehrte neu einzurichten, ist eine zukunftsweisende Entscheidung. Denn spezielle Versorgungsangebote für Senioren werden in unserer älter werdenden Gesellschaft eine immer größere Rolle spielen.

Das Land Niedersachsen will sich nach bisherigem Stand nicht an den Investitionen für das Krankenhaus in Lehrte beteiligen. Kann an diesem Standort denn mit Zuschüssen vom Bund gerechnet werden?

Nein, dafür gibt es keinen Automatismus. Für die Förderung von Krankenhausinvestitionen sind die Länder zuständig. Der Bund will aber den Ländern helfen und hat einen Krankenhausstrukturfonds gebildet, aus dem beispielsweise Maßnahmen zur Umstrukturierung von Krankenhäusern finanziert werden können. Hierfür stehen jedes Jahr 500 Millionen Euro zur Verfügung. Die Voraussetzung für eine Förderung ist, dass das Land Mittel in gleicher Höhe bereitstellt.

Interview: Antje Bismark

Von Oliver Kühn

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