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Nachrichten DGB: Betriebsratswahlen behindern ist kriminell
Region Lehrte Nachrichten DGB: Betriebsratswahlen behindern ist kriminell
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01:47 10.03.2018
Betriebsratswahlen sind ein Stück gelebte Demokratie, meinen die Gewerkschafter Reinhard Nold (von links), Michael Turowski, Norman Happatz, Hartmut Völger, Uwe Holzmann, Susanne Bühmann, Dunja Borges und Christoph Schrader. Quelle: Oliver Kühn
Lehrte

 Noch bis Ende Mai werden in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten neue Beriebsräte gewählt. Was in großen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist, ist in kleinen Firmen oft schwierig. Betriebsratsgründungen würden oft von Arbeitgebern behindert, Kandidaten eingeschüchtert und bedroht, sagt Reinhard Nold, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Lehrte: „Die Angst vor Kündigungen ist groß.“ In Lehrte gebe es rund 120 Handwerksbetriebe, von denen aber nur rund 13 Prozent einen Betriebsrat haben. Gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern und Betriebsräten, die mehr als 10 000 Arbeitnehmer in Lehrte und Sehnde repräsentieren, ruft der DGB dazu auf, wählen zu gehen und sich zur Wahl zu stellen. „Wer Betriebsratswahlen behindert ist kriminell, das verstößt gegen das Betriebsverfassungsgesetz“, sagt Nold.

Gegen die zunehmende Arbeitsverdichtung und Stress helfe nur Mitbestimmung in Form von Betriebsvereinbarungen. „Bei einer Insolvenz gibt es ohne Betriebsrat keinen Sozialplan“, nennt Nold ein Beispiel. Dieser könne etwa auch Videokameras in Sozialräumen verhindern, sorge für gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung. „Betriebe und Verwaltungen dürfen keine demokratiefreie Zone sein“, betont der Betriebsratsvorsitzende von Hellmann Worldwide Logistic, Michael Turowski, der in Lehrte 420 Mitarbeiter vertritt.

Deshalb werde es immer schwerer, Kandidaten zu finden. Im Klinikum Wahrendorff mit rund 1500 Mitarbeitern habe es bei der letzten Betriebsratwahl vor vier Jahren noch 57 Kandidaten gegeben, bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Hartmut Völger – jetzt seien es nur noch 30. „Bei jungen Leuten gibt es kein Interesse, weil das Thema weder in der Schule noch im Elternhaus geprägt wird“, meint er. 

Das zeigt auch die Wahlbeteiligung: Sie liegt, je nachdem wie viele Mitarbeiter in Gewerkschaften organisiert sind, etwa bei 54 Prozent im Klinikum Lehrte, 58 Prozent bei Wahrendorff und 92 Prozent bei K+S in Sehnde. Dort seien 85 Prozent der rund 150 Mitarbeiter organisiert, sagt Hartmut Happatz, Vorsitzender der IGBCE und Betriebsratskandidat.

Zudem stimme das häufig vorgebrachte Argument von Arbeitgebern nicht, dass Mitbestimmung schädlich für die Wirtschaft sei. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Nold. „Sie hebt Arbeitsmoral und Motivation, es geht in diesen Betrieben humaner zu und die Arbeitsleistung ist höher.“ Das bestätigt Happatz: „Seit wir bei K+S Lebensarbeitszeitkonten eingerichtet haben, ist die Stimmung besser.“

Für Susanne Bühmann, Betriebsratsvorsitzende im Klinikum Lehrte, geht es bei den Wahlen vornehmlich darum, bessere Arbeitsbedingungen für die 400 Mitarbeiter zu schaffen. „Nur so bekommen wir wieder Fachkräfte, gerade im Pflegebereich.“ 

Von Oliver Kühn

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