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Region Lehrte Nachrichten Stadtrat sorgt für stehende Ovationen
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00:17 01.08.2018
Der Erste Stadtrat Uwe Bee gibt seiner Rede einen karnevalistischen Anstrich. Quelle: Michael Schütz
Lehrte

Die Politik spielt während des Lehrter Schützenfestes eigentlich eine untergeordnete Rolle. Zwar werden regelmäßig die lokalen Mandatsträger aus dem Rathaus abgeholt, aber im Grunde sind sie nur schmückendes Beiwerk – bis auf den Sonnabendmorgen. Wenn im Festzelt das Königsfrühstück ansteht, kommt auch die Politik zu ihrem Recht, und zwar nicht nur die lokale - wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth an diesem Sonnabend bewies. Angesichts sprachlicher Fehltritte einiger Bundes- und Landespolitiker, vor allem aus dem christsozialen Süden der Republik, kommentierte die Christdemokratin: „Wir Niedersachsen sind in der Sprache ein bisschen gemäßigter.“ Sie komme mit ihrem sozialdemokratischen Wahlkreiskollegen Matthias Miersch bestens aus. „Auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind.“ In Lehrte werde das gelebt mit den „tollen Flüchtlingsinitiativen“, die es hier gebe.

Bei Hitze wird das Hemd häufiger gewechselt

Ein vorherrschendes Thema gab es beim Schützenfest. Den Schützen machte die enorme Hitze zu schaffen. Besonders erschwerten Bedingungen sah sich Bernd Finkhausen ausgesetzt. Der Bürgerschütze ist der Fahnenträger seines Vereins bei den Umzügen. „Das Ding ist ganz schön schwer“, sagte der völlig nassgeschwitzte BSGler. „Aber die Uniformjacke bleibt an“, gab er sich unnachgiebig. „Das ist Tradition.“ Das gebe sonst ein schlechtes Bild.

Jungschützenkönig Marvin-Moe Jux ging hart an die Grenzen seines Kleiderschranks. „Zwei bis drei Mal am Tag muss man das Hemd wechseln“, gab die Majestät vom Schützen-Corps zu. Und um das Fest zu überstehen, trinke er eher Wasser statt Bier.

Diesen Trend hat auch Festwirt Peter Lindemann ausgemacht. „Es wird mehr Wasser getrunken.“ Dass wegen der großen Hitze aber weniger Gäste zum Fest kämen, könne er nicht feststellen. „Tagsüber gehen die Leute sicher lieber ins Freibad“, meinte der Hambürener. „Aber abends kommen sie dann.“tz

Das Königsfrühstück mit seinen 700 Besuchern stand nicht nur wegen des Besuchs aus Berlin in einem politischen Licht. Regelmäßig werden dabei auch die Erst- und Letztplatzierten des Rats- und Gästeschießens geehrt. Sieger und Verlierer des Wettkampfs soll dann eine möglichst launige Rede halten. Der Sieger des Schießens, der Linkenpolitiker Christoph Lokotsch, ging dabei aber zunächst ebenfalls auf das in den letzten Wochen allgegenwärtige Flüchtlingsthema ein: „Die einen, wie Bundesinnenminister Seehofer, freuen sich über Abschiebungen wie über ein Geburtstagsgeschenk“, ging er auf eine umstrittene Äußerung des CSU-Politikers ein. „Die anderen, zu denen auch ich mich zähle, blicken mit großer Sorge und auch Angst auf ein Deutschland, in dem wieder offen darüber geredet wird, Menschen in Lager einzusperren.“

Christoph Lokotsch nimmt sich die Bundespolitik zur Brust. Quelle: Michael Schütz

Aber auch die Lokalpolitik streifte der Linke, als er auf die umstrittene und inzwischen zurückgenommene Schließung des Freibads im Sommer einging. Die tatsächliche Schließung des Bades vor einigen Tagen wegen eines Chlorgasaustritts nahm er zum Anlass, Bürgermeister Klaus Sidortschuk einen Rat zu geben: „Wenn Sie das nächste Mal einen Ihrer Masterpläne umgesetzt sehen wollen, müssen Sie nicht zu Chlorgas greifen.“ Man könne auch wie Seehofer androhen zurückzutreten, um es dann doch nicht zu tun.

Hohe Erwartungen gab es beim Gewinner der Roten Laterne, dem Ersten Stadtrat Uwe Bee. Bekannt für sein rhetorisches Talent, machte sich Spannung breit, als er ans Pult trat. Bee hatte sich für die launige Variante entschieden und hielt seine Rede mit kölschem Akzent im Stil einer Büttenrede. Den Rundumschlag des aus Ostwestfalen stammenden Hannoveraners trafen die Spielkünste der Mannen von Fußballbundestrainer Jogi Löw bei der Weltmeisterschaft in Russland (“1000 Mal den Ball berührt, und 1000 Mal ist nichts passiert), wie auch die Situation auf der Autobahn 2, als er reimte: „Die Baustell´ lang / die Spur sehr schmal / neben dir der LKW aus Portugal / doch Arbeiter, die siehst du nicht / nur ein Dixi-Klo im Gegenlicht“. Kritik an der Arbeit im Rathaus gab es naturgemäß nicht vom stellvertretenden Verwaltungschef. Aber für die Karnevalsrede im trockenen Norden waren Bee stehende Ovationen sicher.

Seit 60 Jahren auf dem Festplatz

Hätte Karin Stieg nicht kürzlich den Blick in ihrem Büro herumschweifen lassen, wäre dem Lehrter Schützenfest ein seltenes Jubiläum entgangen. Der Seelzerin fiel auf, dass ihr Bäckereibetrieb vor 20 Jahren einen Ehrenteller zur 40-jährigen Teilnahme am Schützenfest in Lehrte bekommen hatte. „Dann sind wir ja dieses Jahr schon 60 Jahre dabei“, stellte sie fest. Das Schützencollegium nahm dieses Jubiläum zum Anlass, den am längsten auf dem Fest vertretenen Schaustellerbetrieb mit einem weiteren Teller zu ehren.

Das Fest habe sich in den sechs Jahrzehnten schon verändert, sagte Stieg. Sie erinnere sich noch an die Schlacke, die anfangs auf dem Platz gelegen hat. „Das war ein fürchterlicher Dreck.“ Das Fest habe sich zum Besseren gewandelt. Die nächsten 15 bis 20 Jahre werde ihr Betrieb wohl noch Schmalzkuchen und Artverwandtes auf dem Fest verkaufen, denn ihre Tochter Katja mache weiter. „Aber danach wird wohl Schluss sein“, meinte sie.tz

Von Michael Schütz

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