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Region Lehrte Nachrichten Gegengutachten: Aldi-Streit spitzt sich zu
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17:07 12.08.2018
Der Streit um das geplant Aldi-Logistikzentrum spitzt sich immer mehr zu. Quelle: Archiv
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Aligse

Paukenschlag kurz vor der Einwohnerversammlung zum Thema Aldi-Logistikzentrum: Die Bürgerinitiative (BI), die sich gegen das Projekt wendet, hat jetzt ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zu der zu erwartenden Verkehrsbelastung öffentlich gemacht. Darin werden die bisherigen Berechnungen zu dem Thema angezweifelt. Die tatsächlichen Belastungen durch das Logistikzentrum seien sehr viel höher als angenommen, die bisherige Machbarkeitsstudie, auf die sich auch die Beratungen zum Bebauungsplan stützen, sei „unbrauchbar“ und ein „reines Gefälligkeitsgutachten für Aldi“, meint BI-Sprecher Otto Lüders. Vor diesem Hintergrund sei eine Ausweisung eines Industriegebiets an der vorgesehenen Stelle ausgeschlossen. „Hieran kann kein Zweifel bestehen“, meint der BI-Sprecher.

Die für die Beratungen bislang maßgebliche Expertise zum Verkehrsaufkommen ging anfangs von 400 Lastwagen- und 250 Pkw-Fahren pro Tag aus, die durch das Aldi-Lager hinzu kommen würden. Diese Zahl wurde später nach oben korrigiert. Sie sei aber noch immer deutlich zu tief gegriffen, heißt es jetzt in dem Gutachten, welches die BI in Auftrag gegeben hat. Darin ist von einem Mittelwert von 1222 Pkw- sowie 1680 Lastwagenfahrten pro Tag die Rede. Und das sei noch eine „defensive Abschätzung“. Bei einer Maximalbelastung sei von 5305 Fahrzeugen pro Tag auszugehen. Und diese Zahl habe dann auch Einfluss auf alle bisher vorgelegten Berechnungen zur Lärmentwicklung, meint die BI.

Neues Gutachten liegt seit einer Woche vor

Die das neue Gutachten stammt vom Unternehmen RegioConsult Verkehrs- und Umweltmanagement in Marburg. Auftraggeber der Expertise ist BI-Sprecher Lüders. Am 27. Juni erteilte er den Auftrag, am selben Tag gab es einen Ortstermin in Aligse. Mitte vergangener Woche lang die 36-seitige Expertise aus Marburg vor. Das darin postulierte Fazit: Die bisher genutzte Verkehrsuntersuchung „entspricht nicht dem Stand der Technik“.

Die Fachleute aus Marburg zweifeln unter anderem Verkehrszählungen an, die zu dem bisherigen Gutachten führten. Nur eine von sechs Zählungen habe in einem relevanten Tageszeitraum stattgefunden. An manchen, für eine Verkehrsbetrachtung wichtigen Stellen sei gar nicht gezählt worden. Darüber hinaus seien Berechnungsmodelle verwendet worden, die nicht dem Stand der Technik entsprächen und der üblichen Praxis widersprächen. Mangelhaft sei es auch, die zu erwartenden Verkehrsbelastungen vom Megahub bei Ahlten und Autohof bei Lehrte nicht zu berücksichtigen. Das bisherige Verkehrsgutachten sei also nicht mit der erforderlichen fachlichen Sorgfalt erstellt worden.

Zu ihren eigenen Zahlen kommt die RegioConsult unter anderem, indem sie ein Zalando-Logistikzentrum bei Leipzig zum Vergleich nutzt, in dem auf 20,4 Hektar Hallenfläche mindestens 2500 Mitarbeiter beschäftigt seien. Es sei also ein Maximalwert von bis zu 125 Mitarbeitern pro Hektar möglich. Diese Relation für das Aldi-Lager vorausgesetzt, komme man auf die berechnete Anzahl von Verkehrsbewegungen zusätzlichen bei Aligse.

Noch keine Stellungnahme aus dem Rathaus

Ob die Berechnungen aus Marburg stichhaltig sind und tatsächlich, wie von Lüders erwartet, die bisherigen Planungen für das Aldi-Zentrum stoppen können, ist unklar. Eine Stellungnahme aus dem Lehrter Rathaus gibt es bislang nicht. Eingegangen sei das Gutachten aber, hieß es Ende vergangener Woche. Wenn es bis Ende August, also innerhalb der Frist für die Bürgerbeteiligung, offiziell als Einwendung eingereicht werde, werde es fließe es in die Abwägungen ein.

BI-Sprecher Otto Lüders (vorn) bei einer früheren Sitzung zum Thema Aldi-Logistikzentrum. Quelle: Archiv

Lüders indessen setzt voll auf das von ihm beauftragte Gutachten. RegioConsult sei ein deutschlandweit renommiertes Sachverständigenbüro, die jetzt vorliegenden Daten markierten aus Sicht der BI die entscheidende Wende im Bebauungsplanverfahren für Aldi. Man gehe davon aus, dass das das bisherige Verkehrsgutachten im Auftrag der Firma Aldi gefertigt worden sei, „um die Voraussetzungen für die Zulässigkeit eines Industriegebiets in Aligse zu schaffen“, heißt es in einem Schreiben Lüders’ wörtlich. Dadurch seien in Lehrte Politik und Verwaltung hinters Licht geführt und die schlimmsten Befürchtungen der Bürgerinitiative belegt worden.

Lüders, selbst Rechtsanwalt, kündigt außerdem an, dass ein Sachverständiger aus Marburg bei der Einwohnerversammlung am Dienstag ab 19 Uhr in der Aligser Sporthalle das Gutachten erläutern wird. Es sei denn, „der Bürgermeister als vorgeblicher Leiter dieser Einwohnerversammlung versucht, dieses zu verhindern“, schreibt der Aligser. Die Stadt hatte erst in der vergangenen Woche verdeutlicht, dass es laut Niedersächsischem Kommunalverfassungsgesetz die Pflicht von Bürgermeister Klaus Sidortschuk ist, die vom Ortsrat mehrheitlich geforderte Versammlung zu leiten. Reichlich Zündstoff für den Dienstagabend.

Von Achim Gückel

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