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Nachrichten Heuer: Wir stopfen keine Löcher
Region Langenhagen Nachrichten Heuer: Wir stopfen keine Löcher
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14:57 29.11.2018
In Krähenwinkel investiert die Stadt gut 4,6 Millionen Euro in die neue Kita Krähennest. Die Einrichtung bietet künftig Platz für 105 Kinder. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Ihr fällt es nach eigenen Angaben nicht leicht, die richtigen Worte zu finden, bekannte die Grünen-Ratsfrau Maren Rietschel in der jüngsten Langenhagener Ratssitzung. Doch dann hagelte es von ihrer Seite heftige Kritik in Richtung Stadtverwaltung ob der ihrer Ansicht nach verfehlten Bedarfsplanung in Sachen Kinderbetreuung. Sie stellte gar den Anspruch der Stadt, eine kinderfreundliche Kommune zu sein, in Frage. In jüngster Zeit sei von Seiten der Verwaltung nie agiert, sondern immer nur reagiert worden, monierte sie und sprach von mehr als 100 Familien, die aktuell keinen Betreuungsplatz hätten. Um auf die Nachfrage besser eingehen zu können, forderte sie künftig mehr zeitnahe Informationen, um die Politik stärker einzubeziehen. Die Grünen hatten dafür eigens eine aktuelle Stunde unter dem Motto „Kita-Bedarfsplanung: Wie stopfen wir die Löcher ?“ einberufen. Zudem warnte Rietschel davor, sich in Fragen der Kinderbetreuung zu sehr auf die am Markt befindlichen freien Träger zu verlassen.

Wo bleibt die eigene Erzieherschule?

Unterstützung erhielt sie unter anderem vom SPD-Ratsherrn Frank Stuckmann, der an geänderte gesellschaftliche Verhältnisse erinnerte. So gebe es immer mehr Doppelverdiener in den Familien. Auch weil viele auf das doppelte Gehalt angewiesen seien, argumentierte der Sozialdemokrat. Deshalb werde seinen Angaben zufolge perspektivisch die Nachfrage nach Betreuungsplätzen weiter stark steigen. Darum sei es wichtig, „jetzt zusätzliche Einrichtungen aus dem Boden zu stampfen“. Dabei sollten sich aber auch zeitgleich Gedanken über eine Nachnutzung der Räume gemacht werden, wenn diese irgendwann nicht mehr benötigt würden. Um eine adäquate Betreuung aber zu gewährleisten, sei eine ausreichende Zahl an Betreuern notwendig, meinte er und fragte zugleich nach, wie denn die Situation bei der vom Rat einst beschlossenen Erzieherschule sei.

In das gleiche Horn stieß CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky. Er bezeichnete die Kinder als Zukunft für das Land. Der Christdemokrat ist nach eigenen Angaben aber zuversichtlich, dass die Verwaltung entsprechende Pläne präsentieren werde, wie Betreuung in künftigen kommunalen Haushalten dargestellt werden könnte. Auch er mahnte in Sachen Erzieherschule an, dass die Verwaltung aktiver werden müsste. Andres Eilers (WAL) fragte ebenfalls nach der Schule, die doch politisch beschlossen sei, aber immer noch nicht umgesetzt worden ist, kritisierte er. CDU-Chefin Jessica Golatka sprach unter anderem gar von sich breit machender „Frustration“, dass es in Sachen Erzieherschule nicht weitergehen würde.

Mirko Heuer lässt Kritik nicht unberührt

Während dieses verbalen Ritts seiner Parteifreundin gegen die Verwaltung verließ Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer dann vorübergehend den Sitzungssaal. Er überließ Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch das Feld, um die eine oder andere aufgeworfene Frage zu beantworten. Dabei erläuterte sie auch, warum die vom Rat beschlossene Erzieherschule noch nicht umgesetzt worden ist. Ihren Angaben zufolge plane die rot-schwarze Landesregierung angesichts des Erziehermangels eine entsprechende Novellierung der Ausbildung. Zeitgleich habe die Landesschulbehörde der Stadt signalisiert, dass es derzeit ausreichende Ressourcen für die Erzieher-Ausbildung gebe. Und genau dieser Sachverhalt wurde Mitte November im zuständigen Langenhagener Jugendhilfeausschuss so auch mitgeteilt. Offenbar sei das aber nicht an alle Kommunalpolitiker weitergegeben worden, ärgern sich Gotzes-Karrasch und Heuer ob der ihrer Ansicht nach unberechtigten Kritik. Schließlich sei dort dann auch beschlossen worden, die Ergebnisse abwarten zu wollen, bevor die Stadt weiter aktiv werde.

Angesichts des Vorwurfs, die Verwaltung würde sich mangelhaft um mehr Betreuungsplätze bemühen, belegte diese ihre Arbeit mit Fakten: So wurde die Zahl der Betreuungsplätze seit 2002 nahezu verdoppelt. Wenn die weiteren Planungen von der Politik genehmigt würden, gebe es in der Stadt bis zum Jahr 2023 2900 Krippen- und Kita-Plätze, erklärte Gotzes-Karrasch auf Anfrage dieser Zeitung. In dieser Zeit seien etwa 180 Millionen Euro in die Kita-Betriebskosten investiert worden. Und in den Neu- und Umbau von Kitas wurden circa 22 Millionen Euro gesteckt. „Wir stopfen keine Löcher“, unterstreicht dann auch Heuer auf Nachfrage. Der Verwaltungschef schiebt noch weitere interessante Zahlen nach: „Bereits im Jahr 2002 lagen wir bei ungefähren Betriebskosten von 7 Millionen Euro für die städtischen und nichtstädtischen Kitas zusammen.“ In diesem Jahr muss die Verwaltung inzwischen circa 17,2 Millionen Euro aufwenden. Heuer ist sich allerdings sicher, dass Langenhagen dank des Engagements der Mitarbeiter eine „familienfreundliche Kommune“ bleiben wird und stehe regionsweit vergleichsweise gut da. Und Gotzes-Karrasch wirbt bei den Langenhagenern bei der Kita-Bedarfsplanung um ein wenig mehr Vertrauen in die Verwaltung. Schließlich habe die Stadt auch einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.

Kommentar: Kritik ist nicht angebracht

Das hat gesessen: Die Langenhagener Verwaltung hat von nahezu allen politischen Seiten in Sachen Kinderbetreuung heftig auf die Ohren bekommen. Doch berechtigt? Daran darf man Zweifel haben.

Denn so überrascht, wie die Ratspolitiker jetzt erscheinen, dürften sie eigentlich nicht sein. Schließlich liegen die Zahlen und Fakten seit langem auf dem Tisch. Sie wurden in den Fachausschüssen behandelt, es gab entsprechende Beschlüsse. Speziell in Sachen Kinderbetreuung belegen die Zahlen eindrucksvoll das kommunale Engagement. Man muss diese nur lesen – und vor allem verstehen können.

Vielleicht hakte es in den Parteien an der internen Kommunikation – doch dafür kann man nicht die Verwaltung verantwortlich machen. Das lässt vermuten, dass hinter den Attacken eher ein politisches Kalkül steckt, weil so mancher versucht, auf Distanz zu dem Desaster zu gehen. Doch wer die Verwaltung in derartiger Weise attackiert, trifft nicht nur deren Spitze, sondern sämtliche Mitarbeiter. Das sorgt für Frust – löst aber in nicht das Problem des Fachkräftemangels.

Von Sven Warnecke

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