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Sowohl das gesamte Soziale Rathaus als auch die Stadtbibliothek sind im Stadthaus untergebracht. Zu dem Komplex gehören überdies das Achat-Hotel und das Kino Cinemotion.

Sowohl das gesamte Soziale Rathaus als auch die Stadtbibliothek sind im Stadthaus untergebracht. Zu dem Komplex gehören überdies das Achat-Hotel und das Kino Cinemotion.
© Rebekka Neander

Langenhagen

Stadthaus ist verkauft an Firma in Frankfurt

Das Stadthaus hat einen neuen Eigentümer: Die Frankfurter Firma Gate VI hat es bei der Zwangsversteigerung für 13 Millionen Euro gekauft, wie dessen Geschäftsführer und das Amtsgericht Hannover sagen.

Langenhagen.  In dem Gebäude an der Konrad-Adenauer-Straße zwischen Walsroder und Schützenstraße sind neben einem Hotel, einem Kino und der Stadtbibliothek auch mehrere Abteilungen der Stadtverwaltung untergebracht. Der bisherige Besitzer, ein Immobilienfonds, dessen Eigentümer über die ganze Welt verteilt sind, war in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so dass das Gebäude schließlich versteigert werden musste. Zuvor hatte die Stadt noch vergeblich versucht, es aus der Insolvenzmasse herauszulösen und direkt zu kaufen.

Bei dem Versteigerungstermin gab es nach übereinstimmenden Berichten zunächst nur zwei Gebote, die jedoch mit 6 Millionen beziehungsweise 6,5 Millionen Euro unter dem gesetzlich erforderlichen Mindestgebot von 50 Prozent des Verkehrswertes lagen. Er war auf 14,4 Millionen Euro taxiert worden. Zwar habe es noch mehr ernsthafte Interessenten gegeben, die auch die vorgeschriebene Sicherheitsleistung von in diesem Fall 1,44 Millionen Euro hinterlegt hätten, berichtet ein Sprecher der für das Verfahren federführenden HSH Nordbank. Doch als drei Minuten vor Ablauf der Bieterfrist Gate VI auf 13 Millionen Euro erhöht habe, wollte niemand mehr darüber gehen.

Die Frankfurter Firma gehört zu einem Geflecht von Unternehmen, die "von drei Brüdern und einem Cousin" geführt werden, wie Taylan Anter erläutert, einer der Eigentümer. Zu der Gruppe gehören neben der Kette Gate I bis VIII - alle mit gleicher Adresse und demselben Geschäftsführer - auch die Anter-Group. Sie kauft und verwaltet diverse Immobilien, betreibt außerdem ein Hotel in Dortmund.

Anter kündigte an, dass es Mitte Januar einen Gesprächstermin mit dem Langenhagener Bürgermeister geben werde. Er bat um Verständnis dafür, dass er vor dem Treffen mit Mirko Heuer noch keine Details zu seinen Plänen für das Stadthaus nennen wolle. Doch "damit keine Spekulationen aufkommen" versicherte er, "dass wir an einem nachhaltigen Bestand der Immobilie und der aktuellen Mieterstruktur interessiert sind". Sehr gerne würde er die Stadtverwaltung und die Stadtbibliothek langfristig als Mieter im Stadthaus halten. Ihm sei stark daran gelegen, "einen gemeinsamen Weg mit der Stadtverwaltung zu gehen", erklärte Anter.

Die Stadt hatte zwar einen Beobachter zu der Versteigerung entsandt, aber nicht mitgeboten. Stadtbaurat Carsten Hettwer zeigte sich hinterher verwundert über das Ergebnis: Die Summe von 13 Millionen habe die Stadt den alten Eigentümern zuvor auch angeboten, diese hätten das aber ausgeschlagen. Hettwer bestätigte den Termin des Bürgermeisters mit der Firma, bei dem es um die Zukunft der städtischen Einrichtungen in dem Gebäude gehen wird. Die Mietverträge haben nach Hettwers Angaben unterschiedliche Laufzeiten, aber keiner ende vor Ablauf des Jahres 2019. Wegen der aus Sicht der Stadt zu hohen Mieten wird in Politik und Verwaltung als Alternative auch über einen Anbau an das Rathaus oder einen Neubau nachgedacht. Das ließe sich aber nicht bis 2019 realisieren.

Was wird aus der Stadtbibliothek?

Der Verkauf des Stadthauses hat unmittelbare Konsequenzen für die Stadt: Sowohl das gesamte Soziale Rathaus als auch die Stadtbibliothek sind in dem Gebäudekomplex an der Konrad-Adenauer-Straße untergebracht. „Wir wissen nicht, ob wir in fünf Jahren womöglich sehr schnell eine neue Lösung für die Stadtbibliothek finden müssen“, mahnte Stadtbaurat Carsten Hettwer deshalb am Rande der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses. Eigentlich war es an diesem Abend um eine mögliche Bebauung des Handelshofes zwischen Ostpassage, CCL und Stadtbahnhof Zentrum gegangen. Einhellig (bei einer Gegenstimme) hatte das Gremium den Auftrag an die Verwaltung verabschiedet, das Gesamtgelände inklusive der aufzuwertenden Grünfläche am Südeingang der Markthalle zu überplanen.

Ziel ist, den Schotterparkplatz auf dem Handelshof zu vermarkten. Bevor die Grünfläche jedoch in einen parkähnlichen Platz umgewandelt werden kann, muss darunter unter Umständen eine Tiefgarage entstehen, um den Wegfall der Parkplätze bei gleichzeitigem Zuwachs der Nutzer auffangen zu können. Der Planungsauftrag ist das Ergebnis eines umfänglichen Beteiligungsverfahrens. So hatte die Stadtverwaltung Ende Oktober Anwohner und interessierte Politiker zu einem Workshop samt Innenstadtbegehung eingeladen. Untersucht wurden seinerzeit alle freien Flächen rund um das City Center: Der Handelshof, der Parkplatz an der Schützenstraße sowie das Gelände rund um das Postgebäude. Alle Flächen gehören der Stadt, sind aber nicht alle gleichzeitig entwickelbar. In der späteren Auswertung der Eingaben stellte sich schnell heraus, dass der Handelshof und die Grünfläche an der Markthalle als erstes entwickelt werden sollten. Die Planungen und Ausschreibungsverfahren werden sich über die nächsten Jahre hinziehen, wie Hettwer betonte: „Vor 2019 werden dort keine Bauarbeiten beginnen.“

Von Thomas Böger


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
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