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Nachrichten Streife gehen mit Schlagstock und Dienstuniform
Region Langenhagen Nachrichten Streife gehen mit Schlagstock und Dienstuniform
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12:48 19.02.2018
Zusammen mit Abteilungsleiter Boris Ehrhardt (rechts unten) stellen die Mitarbeiter des Ordnungsamts Markus Villwock (von rechts oben), Anja Herrmann, Thomas Wolf und Dennis Dolz die neue Dienstbekleidung vor. Quelle: Stadt Langenhagen
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Langenhagen

 Die fünf städtischen Mitarbeiter im städtischen Verkehrsaußendienst und die zwei Parkranger sind künftig mit Dienstkleidung weithin erkennbar. Und nicht nur das: Die beiden Parkranger, die in Grünanlagen Aufsicht führen sollen, tragen im Dienst auch einen Schlagstock, Handfesseln und eine Art von gelbasiertem Pfefferspray mit sich. Zum Selbstschutz, wie die Stadt betont: Die Utensilien sollen ihnen den Umgang mit „renitenten Mitbürgern“ erleichtern. 

„Dank einheitlichem Erscheinungsbild, Stadtlogo etwa auf den Ärmeln und dem Schriftzug Stadt Langenhagen kann künftig jeder gut sehen: Dieses ist ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes“, teilt Bürgermeister Mirko Heuer mit. Damit wechselt die Bekleidung vom bisherigen Grundsatz „Hauptsache dunkelblau“ zu einer Kollektion einheitlicher Jacken, Hosen und Pullover, für die die Stadt einen „mittleren vierstelligen Betrag“ investiert hat. Der jetzt vorgestellten Winterkollektion soll beizeiten noch eine Sommerversion folgen. 

Park-Ranger haben bei der Polizei hospitiert

Neu im Dienst sind insbesondere die beiden neu eingestellten Parkranger: Markus Villwock und Dennis Dolz haben ihren Dienst zwar schon vor geraumer Zeit angetreten, bislang aber vornehmlich die Kollegen im Verkehrsaußendienst begleitet. Mit Beginn der Freiluftsaison sollen sie versuchen, etwa den wilden Müllablagerungen in den Parks und am Silbersee Herr zu werden. In Vorbereitung für diese auch für die Stadtverwaltung neue Aufgabe haben Villwock und Dolz je eine Woche bei der Polizei Langenhagen hospitiert, wie Ordnungsamtsleiter Boris Ehrhardt berichtet. „Von der Polizei haben sie auch Brennpunkte gezeigt bekommen, auf die sie achten sollten.“ 

Tipps hat es offenkundig auch für die Ausrüstung der Parkranger gegeben. „Den Schlagstock und das Pfefferspray dürfen sie allerdings erst mitführen, nachdem sie im März ein spezielles Deeskalations- und Sicherheitstraining absolviert haben“, betonte Ehrhardt. Hintergrund für diese dramatisch wirkenden Gegenstände sei eine mögliche „Eigensicherung“ im „allergrößten Notfall“. Alexander Zimbehl, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Langenhagener Polizei, war zwar über die Hospitation der Parkranger nicht informiert, riet aber auf Nachfrage dieser Zeitung ausdrücklich zum Einsatz von Handschuhen zur Eigensicherung. Vornehmlich, so Ehrhardt, sei die Aufgabe der Parkranger, Auskünfte zu erteilen oder auch einmal Hilfe zu leisten. Deshalb führten sie auch ein Erste-Hilfe-Set mit sich sowie eine Taschenlampe. 

Auf eine derart eskalierende Situation, dass Abwehr- oder Fixierungs-Ausrüstung nötig werde, könne sich aber niemand in der Stadtverwaltung erinnern. „So etwas hat es bislang nicht gegeben“, sagte Ehrhardt nachdrücklich. Gleichwohl sei klar, dass der Umgang mit alkoholisierten, „womöglich renitent aggressiven“ Mitbürgern, die etwa spät abends am Silbersee illegal grillten, Risiken berge. Grundsätzlich aber sei kein höheres Aggressionspotenzial in Langenhagen zu beobachten. Im Zweifel, so Ehrhardt, seien beide Parkranger gehalten, die Polizei zu rufen. Überdies sollten sie Patrouillen immer zu zweit durchführen.

Das falsche Signal

Es waren zunächst nur zwei dürre Stichworte in einer städtischen Mitteilung: „Handfesseln“ und „mit der Polizei abgestimmt“. Erst auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte Ordnungsamtsleiter Boris Ehrhardt, was es mit der Ausrüstung der neuen Parkranger auf sich habe. Auch wenn dieses Gespräch nichts an Klarheit vermissen ließ, muss sich der unbeteiligte Parkbesucher doch fragend an den Kopf greifen: Meinen die das ernst? Handfesseln, Schlagstock und Pfefferspray, um in Langenhagens Parkanlagen Müllfrevlern und beratungsresistenten Wild-Grillern Manieren beizubringen? Geht’s noch?!

Richtig ist: Die Aggressionen auf der Straße steigen. Auch und gerade gegen Polizei und Behördenbedienstete, sogar Rettungskräfte und Feuerwehrleute werden heute im Dienst angegriffen, weil sie vernunftsberaubten Mitbürgern womöglich im Weg oder vor der Smartphone-Linse stehen. Und doch ist das Signal der Stadt fatal. Gar nicht so sehr, weil sich der ordnungsliebende Spaziergänger von den beiden zweifelsohne sorgsam ausgebildeten und redlich agierenden Parkrangern bedroht fühlen müsste. Sondern weil die martialische Ausrüstung vermuten lässt, dass es in Langenhagens Grünanlagen weit unsicherer ist, als viele annehmen. Von dieser diffusen Angstmacherei sind die Stammtisch-ersetzenden, angeblich sozialen Medien schon voll genug. Wenn es aber wirklichen Grund zur gesteigerten Vorsicht gibt, muss die Stadt, vor allem aber die Polizei dies sagen – mit mehr als einem Halbsatz.

Von Rebekka Neander

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