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Nachrichten Stadt informiert Tochter nicht über den Tod des Vaters
Region Langenhagen Nachrichten Stadt informiert Tochter nicht über den Tod des Vaters
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21:55 14.01.2009
Quelle: Christian Behrens

Die Todesnachricht traf die Tochter völlig unvorbereitet mit einer Nachfrage auf dem Anrufbeantworter, wann denn die Beisetzung des Vaters anstehe, schließlich sei er doch schon vor einer Woche gestorben. „Ich habe sofort recherchiert und bin zu seiner Wohnung gefahren“, sagt die Frau, die regelmäßig Kontakt zu ihrem Vater hatte. Ihre Nachfragen ergaben, dass ihr Vater am 3. Januar in den Keller gegangen und dort zusammengebrochen war.
 
 Zwei Nachbarinnen, ausgebildete Krankenschwestern, versuchten noch, den Senior zu reanimieren. Doch sie kamen zu spät und alarmierten deshalb einen Rettungswagen und die Polizei, die wegen der ungeklärten Todesursache eingeschaltet wurde. Bereits damals wiesen die Nachbarn auf die Tochter hin, wie aus dem Polizeiprotokoll hervorgeht. Diese Information übergaben die Ermittler am Montag, 5. Januar, mit allen anderen Dokumenten an das Langenhagener Ordnungsamt als zuständige Behörde. Dort wiederum wurden die Mitarbeiter erst Ende der Woche aktiv und gingen in die Wohnung.
 
 „Überall lagen Fotos von mir und meiner Familie herum, auch ein Briefumschlag mit meiner Adresse und anderen Familienunterlagen waren mit wenigen Handgriffen zu finden“, sagt die Tochter. Doch all das habe der Mitarbeiter ignoriert, dafür aber bereits die Beisetzung angeordnet. „Hätten mich die Bekannten nicht informiert, wäre mein Vater ohne meine Kenntnis bestattet worden“, nennt sie eine ihrer größten Ängste.

Die Wedemärkerin kommt nicht zur Ruhe: Sie trauert nicht nur um ihren Angehörigen, sondern sieht sich Tag für Tag mit neuen Merkwürdigkeiten konfrontiert. Dabei hätte die Stadt Langenhagen ihr viele Sorgen ersparen können, ist die Hinterbliebene überzeugt.
 
 Denn das kommunale Ordnungsamt informierte sie nicht, obwohl es Hinweise auf ihren Wohnort gab und im Rucksack des Vaters sein Handy mit der Telefonnummer der Tochter lag. Anstatt selbst oder mithilfe eines Nachlassverwalters die Familie ausfindig zu machen, suchte ein Mitarbeiter erst Tage nach dem Tod die Wohnung
 auf.
 
 „Eine Abfrage im Bürgerbüro ergab zunächst keinen Hinweis auf die Tochter, deshalb folgte der Kollege dem Wunsch des Vermieters und kontrollierte die Heizung und leerte den Kühlschrank“, sagt Stadtsprecher Peter Probosch. Seinen Informationen zufolge hat sich der Beschäftigte nur kurz in der Wohnung aufgehalten und deshalb auch nicht nach Unterlagen gesucht, die zur Familie hätten führen können.
 
 Der Darstellung der Stadt widerspricht die Hinterbliebene mit deutlichen Worten. Sie hat seit der Todesnachricht am 10. Januar viele Telefonate geführt: mit der Polizei, mit Bekannten und mit Angehörigen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Beschäftigte des Ordnungsamtes einen Nachbarn und den Vermieter mit in die Wohnung genommen habe. Rund 60 Minuten hielten sie sich in der Wohnung auf.
 
 „Auf Nachfrage berichtete mir einer von beiden von Fotos und Kalendern, die meine Familie zeigen“, sagt die Frau sichtlich erschüttert und fügt hinzu, dass das Trio auch einige Müllsäcke entsorgt habe. Was sich genau darin befunden habe, wisse sie nicht. Den Postkastenschlüssel überreichte der Mitarbeiter dem Nachbarn, der den Kasten regelmäßig leeren sollte. Anschließend, so ergab die Recherche der Tochter, gab das Ordnungsamt die Beisetzung ihres Vaters bei einem ortsansässigen Bestattungsunternehmen in Auftrag und verabschiedete sich ins Wochenende.
 
 „Bei einem solchen Vorgehen fühle ich mich komplett übergangen und hilflos“, sagt sie und kritisiert auch das weitere Verhalten der Stadt. Denn nachdem sie am Montag den zuständigen Mitarbeiter aufgesucht habe, begründete er den Vorgang mit Krankheit und Urlaub der Kollegen. „Er räumte ein, das Ganze sei dumm gelaufen“, zitiert sie aus dem Gespräch und findet diese Bemerkung mehr als ungeheuerlich. Auf den geforderten Rückruf des Vorgesetzten wartete sie bis jetzt vergeblich.
 
 „Der Fachdienstleiter war am Montag und Dienstag nicht im Rathaus, deshalb konnte er sich noch nicht melden“, sagt dazu der Stadtsprecher. Er betont, dass sich der zuständige Mitarbeiter im Gespräch mit der Hinterbliebenen für den Ablauf entschuldigt habe. Nach der Rückkehr des Vorgesetzten werde der Vorgang noch einmal intern diskutiert und anschließend könne er mehr dazu sagen, meint Probosch.
 
 Aus Sicht der Tochter hat die Stadt gegen viele ethische und rechtliche Grundsätze verstoßen. „Ich habe meinen Vater verloren und kümmere mich jetzt um das Fehlverhalten von Angestellten anstatt um ihn trauern zu können“,
 fasst sie die vergangenen Tage zusammen. Deshalb überlege sie jetzt, einen Anwalt einzuschalten, der ihre und die Interessen ihres Vaters wahren soll.
 
von Antje Bismark

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