Navigation:
Schulleiterin Ursula Starker würde die seit April in Kaltenweide lagernden Computer gerne im Unterricht einsetzen.

Schulleiterin Ursula Starker würde die seit April in Kaltenweide lagernden Computer gerne im Unterricht einsetzen.© Böger

|
Langenhagen

Neue Computer stehen unbenutzt in der Schule

In der Grundschule Kaltenweide liegen seit einem halben Jahr Computer ungenutzt herum, an denen eigentlich die Schüler längst lernen sollten. Die Langenhagener Stadtverwaltung und die Schulleitung geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Kaltenweide. Vier betagte, technisch längst überholte Rechner stehen im Computerraum der Grundschule Kaltenweide. Gleich daneben liegen 18 neue, weitaus aktuellere Modelle noch in ihren Kartons verpackt - und zwar seit Ende April. Sie habe die Stadt rund ein halbes Dutzend Mal aufgefordert, die Geräte anzuschließen, sagt Schulleiterin Ursula Starker. Lange habe es keine Reaktion gegeben, dann sei schließlich die Aufforderung gekommen, einen Termin vorzuschlagen. Daraufhin habe sie fünf mögliche Daten genannt, doch wieder sei nichts passiert.

Für die Stadt stellt sich der Ablauf anders dar: Es sei mehrfach versucht worden, Kontakt zur Schule aufzunehmen. Von dort sei jedoch keine Rückmeldung gekommen, erklärt Stadtsprecherin Juliane Stahl. Eine Terminvereinbarung sei auch daran gescheitert, dass das IT-Team nur in Anwesenheit von Starker arbeiten durfte. Außerdem habe nur nach Ende des Unterrichts gearbeitet werden können, so dass es "immer nur ein Zeitfenster von etwa 45 Minuten" gegeben habe. Bei einer Fahrtzeit von 30 Minuten wäre das sehr ineffizient gewesen und hätte mehrere Wochen in Anspruch genommen.

Die nicht installierten Schüler-PCs sind jedoch nicht der einzige Streitpunkt zwischen Schule und Stadtverwaltung. Es geht außerdem noch um einen nicht arbeitsfähigen Laptop der stellvertretenden Schulleiterin, auf dem nach Starkers Angaben ein Windows-Update und ein Office-Paket fehlen. "Sie kann nicht mal einen Brief schreiben", empört sich die Rektorin. Windows-Updates installierten sich automatisch, heißt es dazu aus dem Rathaus. Und das Office-Paket sei auf dem Laptop installiert, nur die Aktivierung sei fehlgeschlagen. 

Ein drittes Problem bildet der Computer im Lehrerzimmer. Auf ihm werden Elternbriefe ebenso hinterlegt wie die Zeugnisse. Er werde von allen 19 Lehrkräften genutzt, berichtet Ulrike Stoellger vom Personalrat. Doch seit Monaten fehlt eine Verbindung zum neuen Drucker. Vorübergehend sei man auf den alten ausgewichen, aber für den Druck von 400 Zeugnissen sei der nicht geeignet. "Wir haben schon überlegt, ob wir einfach keine Zeugnisse drucken", macht Stoellger das Dilemma deutlich. Dem Team IT lägen derzeit keine Meldungen über eine Störung vor, erklärt Stadtsprecherin Stahl auf Anfrage dazu.

Grund für die offensichtlichen Kommunikationsstörungen zwischen Stadt und Schule könnte eine Auseinandersetzung über den Datenschutz sein. Starker hatte im Zusammenhang mit der Installation des Fernwartungsprogramms TeamViewer danach gefragt und keine für sie befriedigende Antwort bekommen. Daraufhin forderte sie die vorläufige Löschung des Programms und entfernte das entsprechende Icon. Bei einem Suchlauf entdeckte sie später jedoch drei weitere Varianten des Programms und vermutet, dass diese ohne ihr Wissen installiert worden seien und die Stadtverwaltung damit auf ihren Computer zugreifen könne.

Florian Alfert, Leiter der Abteilung IT und Innere Dienste, bestreitet das entschieden. Seine Abteilung habe keineswegs etwas installiert, sondern beim Löschen des Programms seien lediglich die Dateien auf drei Desktop-Oberflächen übersehen worden. Aber auch mit diesen könne von außen nur jemand auf den Rechner zugreifen, wenn der jeweilige Nutzer das Programm starte, dem Externen einen neunstelligen Zugangscode sowie das Passwort mitteile, versichert Alfert.

Nach Angaben eines Fachmanns können in EDV-Netzwerken die Administratoren sich immer auf die einzelnen Rechner schalten - auch ohne TeamViewer oder ähnliche Programme. Aber das sei in den meisten Fällen verboten und könne den Arbeitsplatz kosten. 

Der Kommentar

Über den eigenen Schatten springen

Es dürfte im Nachhinein schwierig sein, festzustellen, an wem es denn nun gelegen hat, dass den Kaltenweider Schülern die Computer vorenthalten werden. Die Erfahrung lehrt, dass bei solchen Konflikten meist beide Seiten dazu beitragen. Die Ursache ist nun aber auch völlig egal: Stadtverwaltung und Schulleitung haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die PCs endlich für den Unterricht zur Verfügung stehen. Und wenn das auf dem üblichen Dienstweg nicht funktioniert, dann müssen die bürokratischen Pfade eben verlassen werden. 

Notfalls müssen die Beteiligten man dafür auch mal über den eigenen Schatten springen. So könnte der Bürgermeister mit seinem IT-Chef einmal nach Kaltenweide fahren und sich mit der Schulleiterin an einen Tisch setzen. Oder sich auf neutralem Gelände zu einem Kaffee treffen. Aber irgendwie muss die Geschichte zu einem Ende gebracht werden – und zwar schleunigst.


Anzeige

Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
Ihre Region
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h