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Vermittlung des deutschen Rechtssystems: Dirk Schell (von links), Marie Glosa, Doris Lange und die Sozialarbeiterinnen Stefanie Tiede und Johanna Jakubovics haben das Pilotprojekt im MILA gestartet.

Vermittlung des deutschen Rechtssystems: Dirk Schell (von links), Marie Glosa, Doris Lange und die Sozialarbeiterinnen Stefanie Tiede und Johanna Jakubovics haben das Pilotprojekt im MILA gestartet.© petersen

Langenhagen

Polizei erklärt Flüchtlingen Rechtssystem

Wo fängt eine Körperverletzung an? Was passiert eigentlich in einem Gericht und wie arbeiten die Ermittler der Polizei? Mit einem Pilotprojekt wollen der Langenhagener Sozialberatungsdienst und die Polizei Flüchtlinge aufklären und informieren.

Langenhagen. "Wir machen keine Abschreckung, wir erklären nur", stellt der Langenhagener Polizist und Kontaktbeamte Dirk Schell gleich klar. Das deutsche Rechtssystem unterscheide sich meist nur wenig von anderen, doch die Vermittlung sei trotzdem wichtig. Körperverletzungen, Raub, Diebstähle und das zu erwartende Strafmaß - alles Dinge, die man kennen sollte. "Eigentlich sind es Sachen, die man auch im Elternhaus lernt", sagt Doris Lange vom Sozialberatungsdienst der Stadt. In einem fremden Land habe man diese Möglichkeit aber oft nicht. So entstand die Idee für das Pilotprojekt von Polizei und Sozialberatungsdienst.

Die Themen Polizei und polizeiliche Arbeit kommen bei den Geflüchteten gut an: "Es gibt wahnsinnig viele Fragen zum Beruf des Polizisten", sagt Lange. Praktisch für die eingeladenen jungen Männer und Frauen, dass Marie Glosa mit den 15 Jugendlichen im MILA - Menschen in Langenhagen - am Tisch sitzt. Sie ist für die Einstellungsberatung im Polizeikommissariat Langenhagen zuständig. "Wir hätten noch das Dreifache an Interessierten", berichtet Lange. Als so spannend würden die Geflüchteten den Tag mit den Polizisten empfinden.

Und spannend ist das, was Dirk Schell zu erzählen hat allemal. Er erläutert nicht nur die Paragrafen: "Da, wo das Wohlbefinden eines Menschen aufhört, da fängt eine Körperverletzung an", erklärt der Polizist. Spucke man beispielsweise jemandem ins Gesicht, fühle sich derjenige definitiv unwohl. "Für die, die hier ist, soll die Einführung in das deutsche Rechtssystem ein Gewinn sein", gibt Schell das Ziel aus.

"Die Menschen haben ein vertrauensvolles Bild von der Polizei, deshalb ist deren Arbeit für sie sehr interessant", vermutet Lange. Viele Jugendliche seien aber manchmal auch leicht frustriert und deswegen vielleicht anfälliger für Straftaten. "Hier soll aber niemand vorverurteilt werden. Die Infoveranstaltung ist nur ein einzelner Baustein", sagt Lange. Besonders aufregend für die 15 Jugendlichen sei eine Exkursion ins Gericht. "Da dürfen sie einer Verhandlung beisitzen", berichten Sozialarbeiterin Stefanie Tiede, die das Projekt mit der Polizei zusammen leitet. Nach dem Exkursionstag wollen die Sozialarbeiter mit den Flüchtlingen eine Auswertung machen. "Je nach Resonanz können wir dann gucken, ob das Projekt spannend genug ist", sagt Polizist Schell. Weitere Tage mit den Beamten könnten dann folgen.

Von Tomma Petersen


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
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