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Region Langenhagen Nachrichten Schüler und Lehrer zeigen Politik rote Karte
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00:17 01.10.2018
1200 Schüler des Gymnasiums protestieren für den raschen Bau der neuen Schule. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Silke Kaune machte es als stellvertretende Leiterin des Gymnasiums Langenhagen deutlich: „Das erklären Sie den Schülern und Eltern“, forderte sie in der jüngsten Sitzung des Rates, in der wieder einmal mehr klar wurde, dass offenbar nicht die gesamte Kommunalpolitik hinter den Plänen steht. Es geht um den Neubau des Gymnasiums auf dem Areal an der Pferderennbahn. Kostenpunkt gut 65 Millionen Euro.

Trotz mittlerweile fertigen Raumprogramms und entsprechendem Architekturentwurfs samt erster Auftragsvergaben bestehen in der Kommunalpolitik offenbar Zweifel, ob das die Stadt angesichts schwindender Gewerbesteuereinnahmen stemmen kann. Zumal nach Aussage von Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt Raumprogramm und Kosten für das Gymnasium bei den anderen Langenhagener Schulen Begehrlichkeiten wecken könnten. „Wir müssen abspecken“, betonte er. Damit nicht andere Schulen dafür dann zurückstecken müssten. Unterstützung erfuhr er bei SPD-Fraktionschef Marc Köhler. „Der Standard kann so nicht gehalten werden“, betonte er.

SPD und Grüne fordern Einsparungen

Für Dirk Musfeldt bedeutet das als Konsequenz: Neue Planungen. Der Grünen-Ratsherr haderte zudem damit, dass die Politik aktuell von der Verwaltung keine Details zum Stand der Planungen bekomme und kritisierte fehlende Transparenz. Seine grüne Fraktionskollegin Ulrike Jagau monierte den Verlust einer Kaltluftschneise für das Zentrum, wenn der Baukörper des Gymnasiums, so wie jetzt geplant, in der Anordnung an der Rennbahn gebaut werden würde.

Langenhagens Stadtbaurat Carsten Hettwer warnte indes davor, die zuvor vom Rat abgestimmten Raumplanungen für das neue Gymnasium noch einmal anzufassen. Denn das zöge angesichts der bereits ausgeschriebenen Arbeiten Konventionalstrafen nach sich. Und schlimmer wiege der daraus resultierende Zeitverlust, argumentierte er.

Verwaltung warnt vor Zeitverlust und Strafen

Auch BBL-Ratsherr Jens Mommsen hatte zuvor für seine Partei einen flammenden Appell an all jene gesandt, die vielleicht nicht so ganz hinter den Schulneubau-Plänen stehen – obwohl allesamt politisch beschlossen sind. Gleichwohl kritisierte er die Stadtverwaltung, dass sie seinen Angaben zufolge noch keinen Masterplan für den Neubau der IGS erstellt haben. „Wie lange müssen wir noch warten“, forderte er in der Ratssitzung die Verwaltung zu Antworten auf. Denn jeden Tag, der verloren ginge, koste die Stadt angesichts permanent steigender Baukosten mehr Geld.

Bürgermeister Mirko Heuer dementierte indes, dass bei den Planungen zu den Schulneubauten etwas „hinter verschlossenen Türen“ ablaufen würde. Vielmehr sei man auf einem guten Weg, sowohl beim weit voran geschrittenen Gymnasium wie auch bei den Plänen für die neue IGS. Auch Heuer warnte davor, das „gymnasiale Raumprogramm noch einmal aufzumachen“. Denn an der IGS könne erst etwas geschehen, „wenn das Gymnasium tatsächlich ausgezogen ist“. Wegen der nun erneut aufflammenden Debatte drohe unter anderem auch ein gehöriger Zeitverlust.

Angesichts dieser Diskussion und sich in der Stadt mehrender Gerüchte über die negativen Signale aus der Politik will das Gymnasium nicht stillhalten. Im Gegenteil. Nicht nur Kaune äußerte sich kritisch in der Ratssitzung, auch Schüler- und Elternvertreter meldeten sich eindringlich zu Wort. Sie alle forderten unisono eine rasche Umsetzung der bereits beschlossenen Pläne.

Dazu sind am Freitag Gymnasiasten und Lehrer aus Protest gegen die aktuellen kommunalpolitischen Bedenken vor dem Rathaus erschienen. Sie haben der Kommunalpolitik nicht nur die sprichwörtliche rote Karte gezeigt, sondern auch einen offenen Brief formuliert. „Sicher, es ist die Aufgabe des Rates genau hinzusehen, Anträge zu prüfen und abzustimmen, er scheint aber auch das Anliegen zu haben, persönliche Animositäten mit politischen Angelegenheiten zu vermischen, bereits erfolgte Abstimmungen wiederkehrend zur Wahl zu stellen und somit für noch mehr mangelnde Transparenz im ,Ratsdschungel’ zu sorgen“, heißt es darin.

Schulleiter: Demokratischen Beschluss umsetzen

Nach Meinung von Schulleiter Matthias Brautlecht darf es keine Verzögerungen mehr geben. Nicht nur angesichts der von seinem Team im Vorfeld geleisteten immensen Arbeit in Sachen Raumprogramm. Denn das würde auch den Zeitplan für die neue IGS durcheinanderbringen.

Die Gymnasiasten selbst warnen davor, pädagogische Interessen mit ökologischen ausspielen zu wollen. Schließlich sei das etwa bei Neubauten im Brinker Park nicht einmal hinterfragt worden. Schlimmer noch das Urteil der Schüler: „Ganz offenbar werden im Rat aber die ,pädagogischen Interessen’ des Gymnasiums gegen die Interessen der Stadt ausgespielt“, heißt es in dem offenen Brief. Und weiter: „Eine Zeit lang war die schulische Situation in Langenhagen lästig und störte, doch zunehmend wird es peinlich und einfach nur noch lächerlich.“

Und Schulleiter Brautlecht setzt noch einen drauf: „Wie sollen Schüler Demokratie erlernen, wenn es auf der einen Seite einen mehrheitlichen Ratsbeschluss gibt, der dann kurze Zeit später aus welchem Grund auch immer revidiert wird“, fragt er.

Von Sven Warnecke

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