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Nachrichten Schüler schneiden für Krebs-Patienten ihre Haare ab
Region Langenhagen Nachrichten Schüler schneiden für Krebs-Patienten ihre Haare ab
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00:17 07.12.2017
Noch sind die langen Haare dran: Ein bisschen aufgeregt nimmt Maribel auf dem Stuhl von Friseurmeisterin Judith Vogt Platz. Quelle: Böger
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Langenhagen

 Damit hatte Laura Paldino nicht gerechnet: Schon um 9 Uhr drängen sich die ersten Mädchen im zum Friseursalon umfunktionierten Raum B 011 der IGS. Ihre Haare reichen zum Teil bis zum verlängerten Rücken, aber die meisten wollen sich nicht mehr als die mindestens erforderlichen 25 Zentimeter abschneiden lassen. Sie sei "schon ein bisschen traurig", räumt Sonja ein und streicht mit etwas wehmütigem Blick über ihre schwarze Haarpracht. Dennoch will auch sie sich an der Spendenaktion beteiligen - Haare wachsen ja wieder nach.

Die Zehntklässlerin Laura hatte in den letzten Monaten mehrfach Kontakt zu Krebskranken. Auch ein Mitschüler sei im vergangenen Jahr an einem Tumor gestorben, berichtet sie. Ein Mädchen, das im Krankenhaus eine Chemotherapie bekam, vertraute Laura an, dass es für sie "das Schönste wäre, wieder lange Haare zu haben". Bei der Suche nach Hilfe stieß die Schülerin im Internet auf auf die Perücken-Manufaktur Rieswick. Die sammelt Haarspenden, fertigt daraus Perücken und stiftet sie kostenlos Menschen, die ihre eigenen Haare verloren haben. Mit der Schulleitung überprüfte Laura die Seriosität der Firma, mit der auch die MHH zusammenarbeitet.

Auch ganz alte Zöpfe sind dabei

Auch Karin Eichhof beteiligt sich an der Haarspende der IGS - allerdings nicht mit dem eigenen Schopf, der wäre auch zu kurz. Doch die Langenhagenerin übergibt Initiatorin Laura Paldino zwei prachtvolle blonde Zöpfe. Sie stammen von Eichhofs Tochter Inken, einer ehemaligen IGS-Schülerin. Die Mutter hatte sie der heute in Österreich lebenden 44-Jährigen vor 30 Jahren abgeschnitten und sorgfältig aufbewahrt. "Als ich in der Zeitung von der Spendenaktion las, habe ich sofort beschlossen: da kommen die Zöpfe hin", sagt Eichhof. "Ist doch eine tolle Idee", lobt sie die Initiatorin, die sich über diese ungewöhnliche Spende besonders freut.

Nach dem positiven Ergebnis ging es los: Als Aktionstag musste es ein Montag sein, damit sich Friseurmeisterin Judith Vogt vom Friseursalon Glückssträhne und ihre Mitarbeiterin Mirella Rogin - beide haben Kinder an der IGS - ehrenamtlich zum Schneiden zur Verfügung stellen konnten. Info-Blätter wurden gedruckt, Arbeitsgerät und Plastiktüten zum Aufbewahren der Haare beschafft. Laura habe das ganz alleine auf die Beine gestellt, sagt Schulassistent Niels Thomsen. "Das ist schon bewundernswert, mit welcher Energie sie das durchgezogen hat", lobt er.

Als nächste ist die 13-jährige Mirabel an der Reihe. "Ich war schon ganz lange nicht mehr beim Friseur", erzählt sie, "meine Mama hat nur manchmal die Spitzen nachgeschnitten." Auch sie beschränkt den Schnitt auf 25 Zentimeter, so dass sie hinterher immer noch recht lange Haare hat. Aber Vogt schneidet noch ein bisschen nach: "Sonst sieht das nachher aus wie Kraut und Rüben." 

Insgesamt 30 Spenderinnen stutzen die beiden Friseurinnen an diesem Vormittag den Schopf. Dafür arbeiten sie drei Stunden ohne Pause durch. "Machen wir gerne - ist doch eine gute Aktion", sagt Vogt.

Vertrauen zahlt sich aus 

Diese Aktion hat großes Lob verdient. Weil sie viel weiter reicht, als es manchem Teilnehmer auf den ersten Blick erscheint. Denn es geht hier nicht (nur) um Hilfe für schwer erkrankte Menschen. Es geht um Vertrauen, besser: Zutrauen in junge Menschen und ihr Urteilsvermögen. Ein junges Mädchen macht eine persönliche Erfahrung und geht damit zu ihrer Schule. Dort erntet sie allerdings nicht, wie viel zu oft an viel zu vielen Schulen, die üblichen Bedenken: Geht nicht aus Versicherungsgründen, passt nicht in den Lehrplan oder überfordert termingeplagte Lehrkräfte. Sie bekommt die Ansage: Mach’ mal! 

Und wie sie gemacht hat! Von dem Effekt profitieren nicht nur die künftigen Nutzer der Echt-Haar-Perücken. Derartiges Zutrauen in Heranwachsende ist die perfekte Investition: Sie steigert die Identifikation und Wertschätzung der Schüler in ihre Institution und sie stärkt die Jungwähler in ihrer Mündigkeit. Vor allem macht sie Lust auf ein inzwischen so rares Gut: Die Lust, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen.

Von Thomas Böger

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