Navigation:
Die Norta-Fabrik wird bis Ende des Jahres abgerissen.

Die Norta-Fabrik wird bis Ende des Jahres abgerissen.© Rebekka Neander

Langenhagen

Gegenwind für Studie auf dem Norta-Gelände

Die Stadtverwaltung ist mit der von ihr in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für die spätere Nutzung des Geländes der ehemaligen Tapetenfabrik Norta überraschend auf heftigen Gegenwind gestoßen. Das ist jetzt im Sanierungsbeirat für die Kernstadt Nord und Walsroder Straße deutlich geworden.

Langenhagen. Mehrere Mitglieder des Beirates warfen der Stadt am Dienstagabend vor, dass die vorgeschlagenen Szenarien zu sehr in die Pläne von Investor Sebastian Cramer passen würden, der auf dem Gelände einen großen Supermarkt errichten möchte und bereits den Abriss der alten Fabrikgebäude in die Wege geleitet hat. Mit dem Mit-Gesellschafter der Kaufmannsfamilie aus Burgdorf war eine Besichtigung des Geländes vor knapp zwei Monaten noch recht harmonisch verlaufen.

Nun fürchten die Beiratsmitglieder aber, dass ein großer Einzelhandelsmarkt nicht in das Stadtbild passe. Auch von den Gästen gab es deutliche Kritik an den vorgestellten Möglichkeiten. Von einem "Eiertanz", den hier die Stadt veranstalten würde, sprachen gleich mehrere Anwohner. "Ungelegte Eier werden mit heißer Nadel gestrickt", kritisierte ein Zuschauer. Nur mit viel Überredungskunst gelang es Stadtplanerin Christine Söhlke, dass die Diskussion über die Machbarkeitsstudie nicht auf einen späteren Termin vertagt wurde. Denn nur so kann die Studie einschließlich der Empfehlungen des Sanierungsbeirates noch in diesem Jahr im zuständigen Bauausschuss sowie im Rat beraten werden.  

Die von der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft erstellte Studie sieht vier Szenarien der Nachnutzung des Norta-Geländes vor. In drei Möglichkeiten ist im Nordwesten eine große Fläche für einen Supermarkt vorgesehen. Das übrige Areal soll je nach Szenario als Parkanlage genutzt oder das Wohnen sowie die Ansiedlung von nicht "störenden Gewerbe" wie Dienstleistungsunternehmen oder Praxen ermöglichen.

Das vierte Szenario sieht eine Mischnutzung aus Einzelhandel, Gewerbe und Wohnen vor und wird in der Machbarkeitsstudie ausdrücklich empfohlen. Dass dieser Entwurf sich durchsetze, hält ANP-Planer Markus Staedt jedoch für unwahrscheinlich. "Das ist eher Theorie", machte er deutlich. Denn das Norta-Gebiet befinde sich im Bereich der Einflugschneise des Flughafens - und dort verbietet das Landesraumordnungsprogramm Wohnbebauung. Darüber müsse mit dem Land Niedersachsen noch verhandelt werden. Zudem müsste der gültige Bebauungsplan von 1968 aufgehoben und neu aufgestellt werden. "Es ist mutig von der Stadt, sich überhaupt auf dieses Szenario einzulassen", sagte Staedt.

Die Beiratsmitglieder warfen der Stadt jetzt vor, dass sie mit der Machtbarkeitsstudie zumindest teilweise vor vollendete Tatsachen gestellt worden wären. Denn ein weiteres realistisches Szenario ohne Supermarkt sei gar nicht vorgesehen. "Es scheint mir, als wenn hier etwas fixiert werden soll, damit dort schnell ein Einzelhandel platziert werden kann", sagte Matthias Ziefle. Ulrike Bodenstein-Dresler fragte, warum der Sanierungsbeirat nicht in die Machbarkeitsstudie mit einbezogen wurde: "Wo bleibt die Kreativität dieser Runde. Warum sitzen wir hier eigentlich?" Der Sanierungsbeirat schlug daher vor, dass alle Szenarien im politischen Prozess gleichwertig beraten werden müssten.

Sebastian Cramer gelang es anschließend nicht, die Gemüter zu beruhigen. Auch nicht dem von ihm beauftragten Thomas Eckert vom Planungsbüro Schöne aus Minden. Er konnte lediglich einen Grundriss für den rund 4.000 Quadratmeter großen Edeka vorlegen, für den bisher weder eine Bauvoranfrage noch ein Bauantrag gestellt wurde. Wie das Gebäude von außen aussehen könnte, konnte er nicht sagen. Bei den Beiratsmitgliedern erhöhte das die Skepsis, dass dort künftig ein austauschbarer "Schuhkarton" entstehen könnte. Zudem sind in den Planungen westlich des Supermarktes nur Parkplätze und keine Bebauung vorgesehen, wie von vielen Beiratsmitgliedern gewünscht: "Das passt hier nicht hin", sagte Patricia Nestvogel. Sie befürchtet darüber hinaus, dass Läden im Umfeld des Supermarkts schließen müssten.

"Das wird nicht passieren", beruhigte Cramer, "wir werden Frequenz schaffen, von dem auch die umliegenden Geschäfte profitieren." Auch andere Supermärkte in der Nähe werden nicht schließen müssen, sagte Cramer mit Blick auf Rewe-Inhaber Arkadius Jodlowiec, der ebenfalls im Sanierungsbeirat sitzt. 

In den Beiträgen der Beiratsmitglieder wurde mehrfach deutlich, dass  Cramer als normaler Investor gesehen und ihm dessen regionales Engagement nicht abgekauft werde. Im Rathaus ist man indes froh, dass Cramer einen Teil des Norta-Geländes gekauft habe und nicht ein in der Region unbekannter Investor. Ein Anlieger monierte, dass die Stadt nicht mit aller Macht den Verkauf des Firmengeländes an Cramer verhindert habe, um so ihre Einflussmöglichkeiten zu wahren.

Nach einer mehr als dreistündigen Debatte konnte sich der Sanierungsbeirat doch noch auf einen stark abgewandelten Beschluss einigen, der nun an den Bauausschuss und den Rat weitergegeben wird. Dass die vorgestellten Ideen für das Norta-Gelände so durch die politische Gremien gehen, daran äußerte der anwesende SPD-Ratsherr Matthias Gleichmann seine Zweifel: "Was die Stadt hier vorgestellt hat, ist nicht wirklich zufriedenstellend."

Von Sascha Priesemann


Anzeige

Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
Ihre Region
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h