Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Viele Mieter schauen Weihnachten in die Röhre
Region Langenhagen Nachrichten Viele Mieter schauen Weihnachten in die Röhre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 25.12.2017
Sigrid Betz schaut ohne Gas sprichwörtlich in die Röhre. Quelle: Sven Warnecke
Anzeige
Langenhagen

 Für viele Bewohner der Mehrfamilienhäuser an der Virchowstraße in Langenhagen endet das Jahr mit diversen Unbequemlichkeiten. Den Mietern wurde das Gas abgedreht. In der Folge gibt es für die meisten als Weihnachtsmal nichts aus dem Backofen. Mehr noch: Zum Duschen müssen einige wegen des in den Wohnungen fehlenden warmen Wassers in einen nicht gerade behaglichen, auf der Straße stehenden Duschcontainer ausweichen. Und wirklich sauber sei der beileibe nicht, berichten mehrere Mieter im Gespräch dieser Zeitung.

Mieter sind am Ende

„Ich bin am Ende“, sagt Sigrid Betz genau wie viele ihrer Nachbarn. Dabei hat die Mittsechzigerin Tränen in den Augen – nicht nur wegen des anstehenden Weihnachtsfestes. Seit Mai müssen die Bewohner der Virchowstraße mit Baulärm, Schmutz und vor allem auch fehlenden Informationen über den Ablauf der Arbeiten leben. „Und es ist alles noch schlimmer geworden“, beklagt sich die Rentnerin, die eine 45 Quadratmeter kleine Zweizimmerwohnung seit vielen Jahren bewohnt. Vor allem über die ihren Angaben zufolge mangelhaften Handwerkerleistungen.

Am vergangenen Sonnabend nun sollte bei den Mietparteien eine provisorische Gasleitung verlegt werden, um zumindestens Herd und Backofen wieder in Betrieb nehmen zu können. Auch bei Betz’ Nachbarin Hannelore Edel. Doch dabei habe es eine Stichflamme am Herd gegeben, sämtliche Sicherungen flogen raus, erzählt Edel später. Bis der Defekt behoben werden konnte, waren Stunden vergangen. Die folgende Diagnose: Offenbar war ein Stromkabel am Gerät nicht richtig angeschlossen worden.

Angst vor Explosion

Nach diesen Erlebnissen lehnt es Betz nun ab, überhaupt noch einen von Vonovia entsandten Monteur in ihre Wohnung zu lassen. Weitere Nachbarn haben sich zwischenzeitlich auch dazu entschlossen, keine provisorische Gasleitung einbauen zu lassen. „Ich verlange doch nicht viel“, betont Betz. Es müssten aber qualifizierte Fachfirmen die Arbeiten ausführen, fordert sie. „Ich habe Angst, das hier alles in die Luft fliegt“, ärgert sich die Mieterin über die ihrer Ansicht nach bislang vielfach mangelhaft ausgeführten Arbeiten und spricht von „Pfusch am Bau“. Der hätte schließlich ja auch dazu geführt, dass der Gasversorger auf Anweisung der zuständigen Bezirksschornsteinfegerin die Energiezufuhr abgedreht hat. Dank einer Fernwärmeleitung kann aber zum Glück geheizt werden.

Den Baumangel hatte auch Vonovia-Sprecherin Bettina Benner auf Anfrage bestätigt. „Die Schornsteine, die als Entlüftung für die Warmwasserthermen dienen, wurden leider fälschlicherweise zurückgebaut.“ In der Folge musste das Gas für die Warmwasserbereitung und das Kochen abgestellt werden. Wie lange das alles dauere, kann Benner nicht sagen. Gleichwohl räumte sie jüngst ein, dass die Arbeiten sich infolge von diversen Verzögerungen länger als ursprünglich geplant hinziehen würden. 

Benners Kollege Max Niklas Gille versucht zu beruhigen, dass die bei Mieterin Edel entstandene Stichflamme nach Einschätzung eines Technikers vor Ort ungefährlich gewesen sei. Es habe sich lediglich um eine geringe Restmenge an Gas aus den abgedrehten Leitungen gehandelt. Er räumt aber auch ein, das an der Virchowstraße in der Tat „genug passiert ist, was auch uns ärgert“. „Wir investieren sehr in unseren Bestand und haben daher eine Vielzahl an Projekten. Die meisten laufen ohne Probleme ab“, betont Vonovia-Sprecher Gille.

Verständigungsprobleme mit Handwerkern

Das sieht Inka Riedel, Betz Nachbarin von gegenüber. Die von der Vonovia ausgegebenen provisorischen Warmwasserspeicher seien bei ihr nach der Montage in der Küche gleich wieder von der Wand gekracht, schildert sie. Was sie besonders ärgert ist die Tatsache, dass die von der Vonovia geschickten Handwerker überhaupt kein Wort Deutsch sprechen könnten. „Deshalb gibt es auch keine Einweisung in die Technik“, moniert sie angesichts des riesigen Speichers in ihrer kleinen Küche. 

Als Riedel darüber berichtet, wird sie von einem steten „Klack, Klack, Klack“ immer wieder unterbrochen. Das Geräusch stammt von dem provisorisch eingebauten Warmwasserspeicher – und ist 24 Stunden am Tag zu hören, erzählt die Mieterin, die sich ob des gesamten Ärgers inzwischen in ärztlicher Behandlung befindet. „Ich glaube, die wollen uns hier raushaben“, mutmaßt Riedel traurig, die nach Rücksprache mit dem Mieterbund genau wie viele andere Betroffene an der Virchowstraße die Mietzahlungen an die Vonovia vorerst gekürzt hat.

Seit Ende Mai lässt die Vonovia die 27 Einheiten an der Virchowstraße in Langenhagen modernisieren. Insgesamt besitzt das Unternehmen bundesweit 355.000 Wohnungen, davon 128 in Langenhagen. Mit den Arbeiten solle langfristig der Wert der Wohnungen erhalten und für eine stetig wachsende Kundenzufriedenheit gesorgt werden, heißt es von der Firma auf Anfrage weiter. Dabei handele es sich aber nicht etwa um Luxussanierungen. Vielmehr achte Vonovia nach eigenen Angaben darauf, „effizient zu modernisieren, um weiterhin bezahlbare Wohnungen zu gewährleisten“.

Angst vor Preissteigerung

Speziell viele ältere Anwohner haben trotz der Beteuerungen von Vonovia nun Angst, dass sie die Miete bald nicht mehr bezahlen können. Auch Sigrid Betz geht das so. Sie zahlt bislang 249 Euro kalt und kommt auf eine Warmmiete von 391 Euro. Diese konnte sich Betz – sie lebt von einer bescheidenden Altersversorgung in Höhe von etwa 600 Euro – gerade noch leisten. Mit der Post von Vonovia kam dann aber der Hammer, erzählt sie. Denn der Vermieter kündigte an, nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten ihre Miete um knapp 185 Euro im Monat zu erhöhen. Zu viel für Betz. „Ich kann das nicht zahlen“, stellt sie deprimiert fest. Die 65-Jährige betont aber auch, „kein Fall für das Sozialamt“ werden zu wollen. Die Angst ihrer Nachbarn kennt auch Inka Riedel aus diversen Gesprächen von Tür zu Tür. „Es ist ja gut, wenn alles schön wird, aber doch nicht so“, sagt sie mit Blick auch auf das anstehende Weihnachtsfest. 

Vonovia spricht bislang aber eher von einer „Richtgröße für die Kostenentwicklung“. Eine endgültige Preiserhöhung könne erst nach Ende der Arbeiten exakt ermittelt werden, heißt es aus dem Unternehmen, „selbstverständlich an den gesetzlichen Vorgaben“ orientiert. Ferner solle mit Mietern, die die Mieterhöhung aus sozialen Gründen nicht tragen können, eine Lösung gesucht werden, etwa eine Anpassung in Raten, hieß es auf Anfrage. Und weiter. „Wir können den Unmut der Mieter verstehen. Wir wollen aber ausdrücklich nicht, dass hierdurch der Eindruck entsteht, wie würden gegen die Mieter arbeiten“, betont Gille. „Insofern weisen wir diese Vermutung entschieden zurück“, sagt der Vonovia-Sprecher angesichts der Entmietungs-Vorwürfe.

Von Sven Warnecke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Feuerwehr ist zu zwei eher ungewöhnlichen Einsätzen nach Krähenwinkel und Godshorn gerufen worden. Ein weiterer routinemäßiger Alarm ging bei der Ortsfeuerwehr Langenhagen am Donnerstag ein.

22.12.2017

50 Kinder aus Engelbostel und Schulenburg haben über Wochen geübt. Nun bringen sie an Heiligabend die Weihnachtsgeschichte  in der Martinskirche zur Aufführung.

25.12.2017

Traditionelle Dienstbesprechung: Timo Heiken, Leiter der IGS Langenhagen, hat sein Kollegium nach einer letzten Zusammenkunft vor der Weihnachtspause in die Ferien verabschiedet. Ebenfalls Tradition zu Weihnachten, nicht nur an der IGS: der Wunschzettel, die die Lehrer ausfüllen durften.

25.12.2017
Anzeige