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00:15 01.12.2017
Von Thomas Böger
Erstmal ausschütteln: Am Beginn der Musikstunde mit Hesam Asadi stehen Lockerungsübungen. Quelle: Böger
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Godshorn

Musikunterricht einmal anders: Die Viertklässler der Grundschule Godshorn schütteln erstmal Arme und Finger gründlich aus. So gelockert fällt es ihnen leicht, ein paar Worte Farsi, der iranischen Hauptsprache, zu lernen. Hesam Asadi, ein aus dem Iran geflüchteter kurdischer Musiker, schreibt sie an die Tafel: Yek do sse, Mirim Madreße (eins zwei drei, wir gehen zur Schule). Dann wird der Text mit weiteren Zeilen gesungen, durch ein rhythmisches cha cha cha aha ergänzt, und nach nicht mal einer halben Stunden klappt das auch schon zweistimmig. Asadi ist beinahe noch begeisterter als die Kinder, die mit einem lauten einstimmigen "Ja!" auf die Frage antworten, ob ihnen die Melodie gefällt. Erst nachdem die Schüler selbst aktiv gewesen sind, greift Asadi zu Kamanche und Daf, asiatischer Geige und Trommel. Konzentriert lauschen die jungen Zuhörer dem Spiel und klatschen spontan heftigen Beifall, kaum dass der letzte Ton verklungen ist.

Der kurdische Musiker ist seit zwei Jahren in Deutschland, lebt jetzt in Uelzen und studiert am Center for World Music an der Universität Hildesheim. Nach Godshorn ist er im Rahmen des Programms "Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer" gekommen. Das hat die Gesellschaft Musikland Niedersachsen entwickelt, und die Godshorner Musiklehrerin Petra Jacobsen hat daran mitgearbeitet. Mehrere Musiker aus verschiedenen Ländern besuchen in diesen Wochen rund 30 Schulklassen, um ihnen intensive Begegnungen mit ihrer Musik und ihren Instrumenten, aber auch mit ihren Biografien zu ermöglichen und von der Kultur ihrer Heimat zu erzählen. So geht es bei Asadi nicht nur um Musik, sondern er zeigt den Jungen und Mädchen auch Bilder von traditioneller kurdischer Kleidung. "Die gibt es schon seit mehreren tausend Jahren und wir tragen sie heute noch", sagt er.

Von den Umständen seiner Flucht berichtete der 36-Jährige nicht. Aber er erzählte von einem regimekritischen Video, das er gedreht habe. Und dass er Frauen öffentlich singen ließ, was im Iran verboten ist. Nun sei er "glücklich und dankbar", dass er in einem demokratischen Land leben dürfe. Selbst das kalte norddeutsche Wetter störe ihn nicht, erklärte Asadi auf die Frage eines Kindes. In dem überwiegend hochgelegenen Kurdistan sei es auch kalt: "In einem warmen Land könnte ich nicht leben."

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