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Nachrichten „Nichts bleibt auf dem Pferd unbewegt”
Region Langenhagen Nachrichten „Nichts bleibt auf dem Pferd unbewegt”
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11:26 27.09.2018
Karin Heinrich (von links), Josephine (11), Falk Weiser und Tanja Kötting freuen sich über die Zusammenarbeit mit Therapiepferd Merry. Quelle: Stephan Hartung
Kaltenweide

Seit 40 Jahren gibt es in der Region Hannover die „Erlebniswelt“ Therapeutisches Reiten. Auf dem Hof Münkel in Twenge ist das mit einem Herbstfest gefeiert worden. Bereits seit 1986 ist das Therapeutische Angebot ein Verein und hat mit Jutta Eichhorst die erste Geschäftsführerin. Alles begann 1978 mit einer Privatinitiative in Bothfeld. Die Idee dazu brachte Karin Heinrich aus ihrer bayrischen Heimat mit, ein neues und zu diesem Zeitpunkt in Norddeutschland unbekannte Förderangebot. Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Handicaps sollen auf Pferden reiten, um so ihre körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten zu fördern. Und das war zu dieser Zeit neu in Norddeutschland.

Heute wird von Inklusion gesprochen, wenn es darum geht, für benachteiligte Menschen deren Lebenssituation zu verbessern und ihnen so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. „Wir haben damals schon Inklusion gemacht, da hat das noch niemand gekannt“, sagt Karin Heinrich im Gespräch mit dieser Zeitung. Für ihr besonderes Engagement erhielt sie bereits am 15. September 2011 eine Ehrung: Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Das Therapeutische Reiten gibt es nun schon 40 Jahre, 39 Jahre davon auf dem Hof Münkel in Twenge beheimatet. Quelle: Stephan Hartung

Schnell fand sich zu Beginn des Vereins eine kleine Gruppe von Kindern, ein geeignetes Pferd und eine Helferin. Heute sind 80 Teilnehmer, so heißen die Nutzer der Angebote, in der Kartei vertreten – und zwar nicht nur Kinder. Die Teilnehmer sind drei bis 80 Jahre alt und kommen aus der gesamten Region Hannover. Dabei muss es sich nicht ausschließlich um geistige oder körperliche Behinderungen handeln. „Ängste oder Traumata in jeglicher Form – alles, was blockiert und koordinativ beeinträchtigt, kann therapiert werden“, sagt Karin Heinrich.

Die Anzahl der Teilnehmer ist jedoch in den vergangenen Jahren gesunken. „Wir hatten auch schon einmal 130. Es macht sich bemerkbar, dass die Kinder länger in der Schule sind und dadurch keine Zeit mehr bleibt“, sagt Jutta Eichhorst. Die Geschäftsführerin berichtet von Gesprächen mit Lehrern. „Wenn es nach ihnen geht, könnten sie ihre ganze Klasse zu uns schicken. Die Schüler sind immer weniger belastbar.“ Personell ist der Verein mit sechs Therapeuten und zehn Betreuern heute gut aufgestellt, hinzu kommen rund 20 Praktikanten im Jahr. Zum Team gehören natürlich auch vier Therapiepferde und ein Ausbilderpferd. „Man muss unglaublich viel planen, das sind fast Rund-um-die-Uhr-Einsätze“, sagt Heinrich und betont, „dass es ohne die gute Koordination unserer Kollegin Angelika Ostermann nicht klappen würde“.

Gibt es Wünsche für die Zukunft? „Unser Teilnehmerbetrag ist sehr moderat. Damit wir auch weiterhin nicht mehr als 30 Euro pro halbe Stunde verlangen, geht es wie bislang nur über Spenden“, sagt Eichhorst und verweist darauf, „dass die Teilnehmer Selbstzahler sind“.

40 Jahre alt, seit 39 Jahren in Twenge

Im Jahr 1979, und damit ein Jahr nach der Gründung, zog das Therapeutische Reiten auf den Hof Münkel um. Dort ist der Verein bis heute auf einer Fläche von 4,5 Hektar beheimatet. Der Reiterhof ist in Twenge idyllisch gelegen zwischen Wiesen, Äckern, Fachwerkhäusern und einem kleinen Teich. Dieses Umfeld sowie das ganze Hofleben wird zu allen Jahreszeiten voll in das therapeutische Angebot mit einbezogen. Ebenso befinden sich in und vor der kleinen Reithalle verschiedene Hilfsmittel und Aufsteigehilfen. Um die Reithalle herum wuchs eine kleine Landschaft mit Spielgeräten, Bänken und großen Schaukeln zum Entspannen – damit auch das Warten kurzweilig sein kann. Wer mehr über den Verein und die Therapieangebote wissen will, findet ausführliche Informationen unter www.therapeutisches-reiten-hannover.de auf der Vereinshomepage im Internet. Per E-Mail ist die Geschäftsführerin unter der Adresse jutta.eichhorst@therapeutisches-reiten-hannover.de erreichbar.

Von Sven Warnecke und Stephan Hartung

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