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Region Laatzen Nachrichten So soll Laatzens Zentrum aufgewertet werden
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00:40 03.06.2018
Rund 40 Laatzener sind zur Vorstellung des Verkehrsentwicklungsplans gekommen. Vorschläge werden an Stelltafeln schriftlich festgehalten. Quelle: Dorndorf
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Laatzen

Laatzen-Mitte braucht einen S-Bahn-Anschluss, die Linie 6 könnte von der Expo nach Laatzen geführt werden, das Radwegenetz geschlossen und die Hildesheimer Straße für Autos zwei- statt vierspurig werden: Eine lange Reihe von Vorschlägen führt der neue Verkehrsentwicklungsplan für Laatzen auf, der am Mittwochabend im Erich-Kästner-Schulzentrum präsentiert wurde. Nach drei ähnlichen Veranstaltungen in den übrigen Stadtteilen stellte Verkehrsplaner Heinz Mazur vom hannoverschen Büro PGT diesmal Ideen für Laatzen-Mitte, Alt-Laatzen und Grasdorf vor. Die rund 40 Teilnehmer der Veranstaltung ergänzten die Ideen um eigene Vorschläge, die teils eingearbeitet werden sollen.

Dass sich in Laatzen einiges verändern sollte, erläuterte Mazur unter anderem anhand einiger Beispiele. So liege etwa beim Fahrradnetz in Laatzen einiges im Argen: Rad- und Fußwege hätten etliche Mängel, das Radverkehrsnetz sei nicht durchgängig befahrbar, die Anbindung an die Naherholungsgebiete schlecht und die Wegführung entspreche teils nicht einmal der Straßenverkehrsordnung. Dabei sei das Potenzial groß, betonte Mazur: „Laatzen ist für Radverkehr gut geeignet“ – die Stadt sei flach und das Zentrum selbst für entferntere Stadtteile in 10 bis 15 Minuten zu erreichen. Zählungen hätten ergeben, dass etwa auf der Marktstraße gerade einmal 1000 Fahrräder täglich verkehrten. An einer vergleichbaren Straße in Aurich seien es bis zu 2000 am Tag, sagt Mazur.

Auch beim ÖPNV sehen die Planer Nachbesserungsbedarf. Ortsbürgermeister Alexander Muschal stellte eingangs der Veranstaltung fest, dass die Stadtbahnen schon jetzt zeitweise überfüllt seien. Der eigentliche Zielwert von 80 Prozent sitzenden Üstra-Fahrgästen werde tatächlich nicht erreicht, ergänzte Mazur. Aus seiner Sicht müssten angesichts der wachsenden Bedeutung des ÖPNV Takte verdichtet, Langzüge und zusätzliche Wagen eingesetzt werden und das Liniensystem ausgebaut werden. Dies scheitere bislang oftmals an zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnungen wie aktuell bei der Wasserstadt Limmer, die wichtige Zukunftsprojekte verhinderten.

Konkret schlägt das Büro PGT unter anderem folgende Projekte vor:

Bahnanschluss: Dass Laatzen mit seinen über 40.000 Einwohnern keinen Anschluss an einen Regionalexpress hat, hält Mazur für „sehr schwach“. „Sie sind eine der größten Städte der Region“, sagt der Verkehrsplaner – entsprechend selbstbewusst könne die Stadt dies einfordern. Hohe Priorität habe für ihn auch ein S-Bahn-Halt für Laatzen-Mitte, so wie er bereits am Neuen Schlag in Planung ist. Wichtig wäre dabei ein (Bus-)Anschluss an die übrigen Teile von Laatzen-Mitte.

Stadtbahn: Die Linie 6 müsste dringend vom Expo-Gelände bis Laatzen weitergeführt werden. „Da muss man politisch Druck machen“, schreibt Mazur der Verwaltung und Ratspolitik ins Stammbuch. Auch die seit langem geforderte Verlängerung der Linie 2 bis Gleidingen-Süd sei notwendig.

Stadtbus: Das bestehende Bussystem hält Mazur für zu kompliziert – selbst viele Laatzener wüssten nicht, wann und wo die Busse verkehren. Der Verkehrsplaner schlägt ein Stadtbussystem wie in Barsinghausen und Wunstorf vor: Zwei Busse könnten dann im festen Halbstundentakt die wichtigsten Stationen in Laatzen-Mitte, Grasdorf und Rethen ansteuern.

Durchgängiges Radwegenetz: Eine Mischung aus Radwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen und – bei Platzmangel – sogenannten fahrbahnintegrierten Führungen schlagen die Planer für Laatzens Radwegenetz vor. Vorbildlich ist aus Sicht Mazur etwa die umgebaute Wülferoder Straße, wo es neuerdings Radfahrstreifen auf beiden Seiten gibt. Möglich sei dies etwa für Teile der Hildesheimer Straße und auf den noch zu sanierenden Teilen der Marktstraße. Bei weniger Platz werden Schutzstreifen vorgeschlagen. Wichtig seien auch Querverbindungen – etwa vom Neuen Schlag zum Leine-Center – und eine bessere Anbindung zu Naherholungsgebieten.

Aufstellflächen für Radfahrer: Hannover macht es vor: Dort führen an vielen Kreuzungen rot markierte Schutzstreifen am Fahrbahnrand auf eine Aufstellfläche, auf der sich Radfahrer vor den wartenden Autos positionieren können. Für Laatzen schlägt PGT so etwas an den Kreuzungen Hildesheimer Straße/Am Kamp, Erich-Panitz-Straße/Würzburger Straße sowie Erich-Panitz-Straße-Robert-Koch-Straße vor.

Gutenbergstraße: Immer wieder diskutiert wird in Laatzen eine Sperrung der Gutenbergstraße für den Verkehr zwischen Messe und Laatzen. Mazur rät ab: Eine solche Sperrung würde erhebliche Umbauten – darunter eine zusätzliche Abbiegerspur an der Karlsruher Straße – nach sich ziehen, die Würzburger Straße stärker belasten und Umwegen verursachen. Stattdessen sollte die Gutenbergstraße auf beiden Seiten Fußwege und auf mindestens einer Seite einen Fahrrad-Schutzstreifen bekommen.

Fußwegenetz und Kommunalachsen: Bei der Barrierefreiheit hat Laatzen Nachholbedarf. Dafür ist aus Sicht Mazurs eine Priotitätensetzung nötig – gut erreichbar sein müssen insbesondere zentrale Einrichtungen, Nahversorger und Haltestelle. Für Alt-Laatzen müssten Teile der Hildesheimer Straße, die Neue Straße, Eichstraße und der zwischen beiden Straßen liegende Abschnitt der Alten Rathausstraße aufgewertet werden. In Laatzen-Mitte gilt das Gleiche für die Wege rund ums Leine-Center, die Verbindung entlang der Würzburger Straße zum Expo-Gelände sowie die Verbindungen vom Zentrum zum Park der Sinne und zum Neuen Schlag nach Grasdorf. Diese zentralen Wegeverbindungen, die auch für Radfahrer wichtig sind, nennt Mazur „Kommunalachsen“.

Mehrzweckspur auf der Hildesheimer

Die Hildesheimer Straße in Alt-Laatzen sollte aus Sicht der Verkehrsplaner umgebaut werden. „Man kann mit Ausnahme des Messeverkehrs immer einstreifig fahren“, sagt Mazur. Die jeweils rechte Fahrspur könnte dort in beide Fahrtrichtungen durch Mehrzweckstreifen ersetzt werden, die sowohl von Fahrradfahrern als auch von haltenden Lieferfahrzeugen genutzt werden können, die die Radfahrer dann umfahren müssten. Während der Messezeiten wären diese Spuren dann – ähnlich wie bei der Maßnahme A auf dem Messeschnellweg – auch für den Autoverkehr freigegeben. Das Büro PGT schlägt diese Lösung für den Abschnitt zwischen der Stadtgrenze und Kronsbergstraße vor, gegebenenfalls sogar bis zum Abzweig Erich-Panitz-Straße. „Wenn man das macht, gewinnt man eine vernünftige Parkplatzsituation, freie Gehwege für die Anrainer und Platz für Außengastronomie.“

Erich-Panitz-Straße als Spielstraße?

Laatzens Stadtmitte ist städtebaulich als Zentrum kaum zu erkennen. Der Entwurf für den Verkehrsentwicklungsplan sieht auch deshalb einen Umbau der Erich-Panitz-Straße vor dem Leine-Center vor. Zu den Ideen gehören eine besondere Pflasterung auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle, Tempo 30, die Umwandlung der rechten Fahrspur in eine Mehrzweckspur für Radfahrer sowie einen barrierefreien Umbau der Bushaltestelle. In Duisburg etwa wurde die Straße vor der Oper ähnlich umgestaltet. „Da fahren 15.000 Autos auf einer Spielstraße lang – das ist die gleiche Menge wie bei Ihnen.“ Überprüft werden müsse zudem die jetzige Ampellösung. „Wenn Sie hier stehen und es kommt kein Auto, ist trotzdem rot. Und wenn die Ampel umspringt, sind die meisten schon rübergelaufen“, stellt Mazur fest. „Das kann man auch anders machen“ – etwa mit Zebrastreifen und einem Signalgeber für Stadtbahnen, wie sie in Holland bereits verwendet würden. Mit all dem ließe sich untermauern: „Wir sind eine Stadt, die Mobilitätseingeschränkten und nicht Motorisierten etwas bietet.“

Ein Netz von Fahrradstraßen

Fahrradstraßen sind in Städten wie Hannover und Göttingen gängige Praxis, Laatzen würde damit hingegen Neuland beschreiten. Auf diesen Straßen gilt generell Tempo 30. Zudem können Radfahrer nebeneinander fahren, Autos müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden. Mazur schlägt ein solches Fahrradstraßennetz für alle Stadtteile mit Ausnahme von Ingeln-Oesselse vor. Im Norden beginnt eine Trasse bei der Kreuzung Hildeheimer Straße/Alte Rathausstraße, von wo es über die Wiesenstraße am Aqualaatzium entlang zum Hohen Ufer in Grasdorf geht. Die Strecke führt weiter durch den Langen Brink und den Rethener Kirchweg an der Bahnlinie entlang bis zur B443-Brücke. Weitere Trassen führen von der Marktstraße in Laatzen-Mitte quer durch das Wohngebiet Lange Weihe bis zur Einmündung Beethovenweg/Lange Weihe. In Rethen könnten die Straßen Zum Holzfeld, Lehrter Straße und Braunschweiger Straße zu einem Netz gehören, das bis zur Gleidinger Triftstraße reicht.

Von Johannes Dorndorf

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