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In den Pausen zu laut: Das Lehrerzimmer der Albert-Einstein-Schule wird nach Auskunft der Leitung von einigen Pädagogen sogar gemieden. Foto: Dorndorf

© In den Pausen zu laut: Das Lehrerzimmer der Albert-Einstein-Schule wird nach Auskunft der Leitung von einigen Pädagogen sogar gemieden. Foto: Dorndorf

Laatzen

Lehrer klagen über die Platznot

Zu eng, zu laut, zu voll: Die Albert-Einstein-Schule (AES) klagt über unzumutbare Bedingungen im Lehrerzimmer. Pro Lehrer stünden lediglich 0,8 Sitzplätze und 0,13 Quadratmeter Schreibtischfläche zur Verfügung. Die Stadt kann nur bedingt Abhilfe schaffen.

„Ich weiß, dass Lehrer kein Recht auf einen eigenen Arbeitsplatz haben“, sagt Schulleiterin Renate Kruse. Aber die Zustände im AES-Lehrerzimmer seien inzwischen untragbar. Für Pausen und Freistunden stehen den Lehrern zwei Räume mit zusammen 165 Quadratmetern zur Verfügung. „Es haben nicht einmal alle einen Sitzplatz“, sagt Kruse.

Die durchschnittliche Ablagefläche auf Tischen liege bei der Größe eines Din-A3-Blatts. Verschärft habe sich die Situation durch die Zunahme der Schülerzahlen in den vergangenen Jahren: Unterrichteten 2004 noch 120 Lehrkräfte 1572 Schüler, sind es inzwischen 130 Kollegen und 1698 Schüler. Mit der Umstellung zur Ganztagsschule würden die Pädagogen heute zudem mehr Zeit in der Schule verbringen.

„Ruhige Gespräche mit Referendaren über ihren Unterricht oder mit Kollegen über Schüler sind in dieser Atmosphäre nicht möglich.“ Die Schule habe einmal sogar eine Lärmampel aufgestellt, die sonst für Gruppenarbeitsphasen in Klassenräumen eingesetzt wird. Ergebnis: Im Lehrerzimmer ist es lauter als in den Klassenräumen. „Das geht auch auf die Gesundheit“, sagt Kruse. In den vergangenen Jahren hätten sich die Fälle von Hörschäden im Kollegium gehäuft.

Kruse fordert deshalb einen Anbau mit neuem Mobiliar sowie Schallschutzmaßnahmen. Der Minimalwunsch: Jeder Lehrer soll einen eigenen Tischplatz mit Stuhl bekommen. Die Verwaltung lehnt dies ab. Geplant sei für dieses Jahr lediglich eine Lärmschutzdecke für 10?000 Euro, sagt Stadtrat Arne Schneider: „Wir haben etliche Baumaßnahmen im Bildungsbereich, die wichtiger sind.“ Fürs Korrigieren und Besprechungen stünden den AES-Lehrern ein Konferenz- und Arbeitsraum, zwei Computerräume sowie zeitweise Klassenzimmer zur Verfügung. Ratspolitiker machten sich gestern ein Bild vor Ort. „Ich bin sprachlos“, sagte der SPD-Schulausschussvorsitzende Joachim Ernerth, der sich um Abhilfe bemühen will. Auch Ulrike Harbarth (CDU) sieht Handlungsbedarf.

Lehrern wird ihr Beruf gerne geneidet: Lange Ferien und Jobsicherheit sind nach wie vor attraktive Begleitumstände. Die Arbeitsbedingungen zählen jedoch mit Sicherheit nicht dazu. Wer sich täglich den Lärm im Klassenzimmer und auf dem Schulflur anhören muss, dem ist nicht zuzumuten, auch noch während der Pausen dauerberieselt zu werden. Nicht umsonst gehören Pädagogen zu der Berufsgruppe, die sich früher als andere in den Vorruhestand verabschiedet. Lärm macht krank. Die Stadt als Schulträger ist deshalb in der Pflicht, etwas zu unternehmen – so schmerzlich dies aus Sicht des Kämmerers sein mag. In Privatunternehmen wäre dies ein Fall für Betriebsrat und Gewerbeaufsicht.

von Johannes Dorndorf


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