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Region Laatzen Nachrichten Vereine sehen neue EU-Datenschutzvorgaben gelassen
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00:41 27.05.2018
Die neue Datenverordnung gilt nicht für die elektronische Erfassung, auch Akten und Karteien müssen Vereine, Selbständige und Unternehmen datenschutzkonform aufbewahren. Quelle: dpa
Laatzen

„Sie möchten weiter Post von uns erhalten?“ Derzeit vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens eine E-Mail ins Postfach flattert, die so oder so ähnlich beginnt. Unternehmen, Vereine, Betreiber von Webseiten – sie alle müssen umsetzen, was die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) von ihnen verlangt. Die Verordnung trat bereits am 24. Mai 2016 in Kraft, doch die Europäische Union (EU) gewährte eine Übergangszeit. Diese endet nun, am heutigen Freitag wird die Regelung wirksam.

Monika Gorbuschin vom Laatzener Kunstkreis wühlt sich bereits seit Monaten durch die Informationen, die sie im Internet zum Datenschutz gefunden hat. „Man fühlt sich da schon etwas allein gelassen“, sagt die Vorsitzende des Vereins, der unter anderem das Kaleidoskop im Frühjahr und Herbst organisiert. „Ich hoffe, dass wir nichts falsch gemacht haben.“ Mehrere hundert Menschen hat der Kunstkreis im Verteiler, Mitglieder, Künstler, Interessierte. Sie alle hat Gorbuschin angeschrieben und informiert, zu welchem Zweck der Verein welche Daten speichert. Ein paar haben schon zurückgemeldet, dass sie keine weiteren E-Mails mehr bekommen möchten. Als nächstes muss der Kunstkreis noch seine Webseite anpassen, auch da muss eine Datenschutzerklärung veröffentlicht werden.

Das hat Ingo Vetter bereits erledigt. Der Schriftführer des Kleingärtnervereins Rethen hat sich in einer Computerzeitschrift informiert. Darin standen auch Mustertexte, die für Leser freigegeben waren. Die Datenschutzerklärung für die Webseite ist seit Mittwoch online, Vetter hat die Texte an den Vereinsbedarf angepasst. Das betrifft etwa das Speichern von Kontaktanfragen. Der Verein mit seinen rund 150 Mitgliedern hat eine lange Warteliste mit Interessenten, die einen freiwerdenden Garten pachten möchten. Deren Daten werden länger gespeichert als üblich, schließlich fällt der Zweck der Datenverarbeitung erst weg, wenn aus Interessenten Pächter und Mitglieder geworden sind. „Einziges Manko ist noch, dass das Versenden des E-Mail-Formulars noch nicht verschlüsselt ist“, so Vetter. Das fordern die EU-Datenregeln. Doch technisch sei das nicht so leicht zu lösen, sagt der Schriftführer, der auch Webseiten für Unternehmen betreut: „Oder es kostet Geld, und das muss ich erst mit dem Verein absprechen.“

Wenn die Vereine, aber auch alle anderen von der DSGVO Angesprochenen die neuen Regeln nicht einhalten, drohen hohe Bußgelder. Die Zeit drängt also, auch wenn der Aufwand gerade für kleine Vereine mit ehrenamtlichen Vorständen die ohnehin schon knappe Freizeit beschränkt. Da haben es die Ableger von großen Verbänden deutlich leichter. Beim Sozialverband Niedersachsen (SoVD) sitzen die Verantwortlichen auf Landesebene. Die vier Ortsverbände Gleidingen, Laatzen, Rethen und Ingeln-Oesselse müssen sich um die Umsetzung vorerst nicht kümmern, heißt es beim Kreisverband Hannover Land.

Auch Hannelore Flebbe ist eher gelassen: „Es gab ja einen langen Vorlauf“, so die Vorsitzende des TSV Rethen. Der Verein nutze für die Mitgliederverwaltung eine Software, deren Betreiber gute Tipps gegeben habe, was zur DSGVO zu beachten sei. Dieter Voigtländer, Flebbes Stellvertreter, sei Datenschutzbeauftragter für den TSV. Man habe sich in einer Internetkonferenz und auf der Webseite der Landesbeauftragten für den Datenschutz informiert – dort gibt es etwa eine Checkliste speziell für Vereine. Für die sei auch gar nicht so viel zu machen, schließlich gäben sie kaum personenbezogene Daten weiter. Der Landessportbund etwa bekomme nur Mitgliederzahlen und Altersangaben gemeldet, sagt Flebbe: „Den ganzen Wirbel habe ich nicht verstanden.“

Wie schnell überhaupt Bußgelder verhängt werden, muss sich erst zeigen. Zuständig für die Aufsicht ist die niedersächsische Datenschutzbeauftragte. Und die hat noch andere Instrumente wie Hinweise und Warnungen, bevor es an die Vereinskasse geht.

Das ist für Vereine wichtig

Was ist neu an der DSGVO? Zunächst: Das Bundesdatenschutzgesetz galt schon vorher. Jens Thurow, Pressesprecher der niedersächsischen Datenschutzbeauftragten, ist daher zuversichtlich, dass Vereine, die bisher schon Wert auf Datenschutz legten, kaum Probleme bei der Umsetzung haben werden. Vereine müssen ihre Mitglieder, Kunden, Nutzer und Beschäftigten aber fragen, ob sie mit der Datenerhebung einverstanden sind und genauer informieren. Welche Daten speichern sie zu welchem Zweck? Werden sie weitergegeben, wenn ja, an wen? Weiteres steht in Artikel 13 und 14 DSGVO.

Müssen Vereine einen Datenschutzbeauftragten haben? Ja, wenn in der Regel mehr als zehn Menschen personenbezogene Daten verarbeiten, etwa Zugriff auf die Mitgliederdatei haben. Das bezieht sich nicht nur Vorstandsämter, sondern auch auf Übungsleiter.

Wie müssen Daten aufbewahrt werden? Digital sollten Daten durch Passwörter und Verschlüsselung geschützt werden. Doch auch Akten mit Daten dürfen künftig nicht mehr in einem unverschlossenen Raum gelagert werden.

Weitere Infos sind auf der Webseite der Landesbeauftragten für den Datenschutz zu finden, etwa eine Checkliste spezielle für Vereine: http://www.lfd.niedersachsen.de/themen/vereine/datenschutz-im-verein-56043.html

Von Katharina Kutsche

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