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Region Laatzen Nachrichten FDP will mehr Kulturförderung durch die Stadt
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17:29 24.09.2018
Jürgen Vollmer (links) und Gerhard Klaus wünschen sich eine Aufwertung der Kunst und Kultur in Laatzen - auch mit mehr Veranstaltungen im Leine-Center. Quelle: Dorndorf
Laatzen

Werden Kunst und Kultur von der Stadt Laatzen stiefmütterlich behandelt? Die Laatzener FDP ist genau dieser Auffassung – und hat ein 14-Punkte-Programm mit Vorschlägen, Missständen und Fragen zur Kunst- und Kulturförderung in Laatzen zusammengetragen. Unter anderem wünschen sich die Freidemokraten eine stärkere politische Würdigung der Kultur, aber auch eine Aufwertung des Themas in der Stadtverwaltung.

„Wenn man die Homepage der Stadt Laatzen öffnet, findet man das Wort Kultur nicht einmal – das hat mich schon ein bisschen erschrocken“, klagt der FDP-Ratsfraktionschef Gerhard Klaus. „Sucht man zum Beispiel nach dem Kunstkreis Laatzen, muss man sich über die Vereine dorthin klicken.“ Tatsächlich verbirgt sich Kulturelles auf www.laatzen.de unter der Rubrik „Freizeit“, wo zwar Einrichtungen wie die Stadtbücherei, die Musikschule und der Park der Sinne als eigene Unterrubriken aufgeführt sind, Kulturinstitutionen wie der Kunstkreis und der Musikkreis jedoch nur in der (langen) Liste der Vereine und Verbände auftauchen. „Das spiegelt die geringe Wertschätzung für Aktivitäten im Kunst- und Kulturbereich wider“, glaubt Klaus.

Ähnliches gelte für die Stadtverwaltung und die politischen Beratungen: Politisch ist der Kulturbereich dem Ausschuss für Wirtschaft und Vermögen zugeordnet. Bis 2010 gehörte der Bereich noch zum Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Gesellschaft, dann wurde er neu zugeordnet und der Begriff „Kultur“ aus den Ausschussnamen verbannt. „Das kommt gar nicht mehr vor“, bemängelt Klaus. Ein Kulturamt oder ein Stadtmarketing gibt es in Laatzen ebenfalls nicht mehr unter diesen Namen: Teamverantwortlicher für den Bereich ist Laatzens Wirtschaftsförderer und Stadtplaner Jörg Schmidt. Nach Angaben der Verwaltung ist eine Stelle hauptamtlich mit dem Haushaltsprodukt „Kulturpflege“ befasst, allerdings sei der Übergang zu Projekten wie „Demokratie leben“, dem Angebot der Stadtbücherei und der Jugendarbeit fließend, heißt es im Rathaus.

Auch bei den Kulturveranstaltungen gebe es viel Luft nach oben, meinen die Freidemokraten – etwa mit mehr Theater und Musik im Park der Sinne: „Nach unserer Kenntnis gab es 2018 nur eine Veranstaltung, die die Stadt im Park der Sinne durchgeführt hat: das Fest der Sinne. Warum macht man nicht mehr? Wir hatten schließlich einen einen tollen Sommer“, fragt Gerhard Klaus. Er erinnere sich an gelungene Beispiele aus der Vergangenheit – etwa als 2006 Shakespeares „Sommernachtstraum“ dort aufgeführt wurde.

Vom Leine-Center erhofft sich die FDP ebenfalls Impulse. So könnten in den aktuell leerstehenden Läden Ausstellungen gezeigt werden, schlägt FDP-Vorstandsmitglied Jürgen Vollmer vor. Ein solcher Shop könnte zugleich Anlaufpunkt für ein weiteres Projekt werden: Vollmer möchte ein Kulturtafel initiieren (siehe Text unten), die dort ihren festen Anlaufpunkt bekommen könnte. Auch im Rathaus wünscht sich der 67-Jährige wieder Ausstellungen – so wie bis vor kurzem im Bürgermeisterbüro. „Dass vermissen die Laatzener Künstler“, glaubt Vollmer, der auch Mitglied des Kunstkreises und der Künstlergruppe Akzente ist.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Richtig ärgerlich findet das Duo die bestehende Metallskulptur auf dem Marktplatz. „Das möchte ich nicht mal als Kunst bezeichnen“, sagt Vollmer. „Das muss weg. Es ist eine Schande für Laatzen“, findet auch Klaus, der abfällig vom „Rostnagel“ spricht. Die Skulptur mit dem Namen „Zeitschild I“ war 1981 von dem Bildhauer und Zeichner Hannes Meinhard errichtet worden, der 2016 in Barsinghausen verstarb. Tatsächlich gab es in Laatzen 2010 Pläne, die Skulptur zu versetzen und zum Teil eines Laatzener Skulpturenpfads zu machen. Die Idee, die seinerzeit vom Laatzener Künstler Udo Hetmeier stammte, wurde nie umgesetzt.

Das neueste Kunstwerk im Stadtbild ist das Graffiti an der Betonmauer an der Hildesheimer Straße. Aus Sicht der FDP ist es technisch gut gemacht, dennoch gibt es Kritik. „Bei der Motivauswahl wurden keine Laatzener Künstler mit einbezogen und konnten auch nicht bei der Auswahl mitwirken“, sagt Vollmer, der selbst seit längerem um eine Gestaltung der Fläche bemüht ist. „Eine Entscheidung des Ortsrates alleine über die Motivauswahl reicht nicht aus“, findet auch Klaus, der sich eine Diskussion im zuständigen Ausschuss oder sogar einen Wettbewerb hätte vorstellen können. „Was hat die Stadtmauer mit dieser Stadt zu tun“, fragt Klaus hinsichtlich des gewählten Motivs.

Auf die Frage, wie sich ihre Ideen personell umsetzen lassen, bleibt die FDP vage. „Vielleicht müssen wir Geld in die Hand nehmen. Aber das wäre gut angelegtes Geld“, glaubt Klaus. Er erhoffe sich Personaleinsparungen durch die Digitalisierung, so dass personelle Ressourcen frei würden. Auf jeden Fall müsse ein Kulturbeauftragter in der Verwaltung „mit Herzblut“ dabei sein – so wie der 2004 in Ruhestand gewechselte frühere Kulturamtsleiter Peter Blobel.

Vollmer sucht Mitstreiter für Kultur-Tafel

Vor zehn Jahren wurde die Laatzener Tafel gegründet, bei der Bedürftige von Märkten aussortierte Lebensmittel gegen ein geringes Entgelt erhalten. Der Laatzener Jürgen Vollmer schlägt vor, ein ähnliches Konzept im Kulturbereich umzusetzen: Eine solche „Kulturtafel“ könnte es einkommensschwachen Menschen ermöglichen, Konzerte und Aufführungen zu besuchen. „Personen, die von Hartz IV oder Sozialhilfe leben, könnten dann nicht verkaufte Tickets für bestimmte Veranstaltungen kostenlos erhalten“, sagt der 67-Jährige, der das Projekt initiieren möchte und nun Mitstreiter sucht.

Für Vollmer ist klar, dass eine solche Kulturtafel nicht auf Laatzen beschränken sollte. „Man könnte den bauhof in Hemmingen, aber auch Veranstalter in Hannover mit einbeziehen“, sagt Vollmer. „Der bauhof wäre eventuell bereit, bei nicht ausverkauften Veranstaltungen ein gewisses Kontingent an Karten zu Verfügung zu stellen.“ In Laatzen könnte das Konzept auf städtische Veranstaltungen, aber auch auf Konzerte anderer übertragen Veranstalter werden.

Die Idee der Kulturtafel ist nicht neu: Ähnliche Konzepte gibt es bereits in anderen, vornehmlich größeren Städten wie Lübeck, Würzburg und Bamberg. Wer mitmachen möchte, kann unter Telefon (0511) 54558879 oder per E-Mail an jrgenvollmer@aol.com Kontakt mit Vollmer aufnehmen. jd

Von Johannes Dorndorf

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