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Region Laatzen Nachrichten Krätze: Schüler darf nicht zur Schule wegen unklarer Gesetze
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15:41 17.03.2019
Immer öfter diagnostizieren Hautärzte in Niedersachsen Fälle von Krätze. Quelle: Daniel Naupold
Laatzen-Mitte

In der Region Hannover und Niedersachsen häufen sich die Fälle von Krätze. „Wurde die Diagnose in Niedersachsen im ersten Quartal 2010 nur in 3289 Fällen genannt, hat sich die Zahl zum 1. Quartal 2018 mit 24.251 Fällen um das Siebenfache gesteigert“, schreiben die Dermatologen Wolfgang Lensing und Elke Mertens vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in einem Bericht.

Da die meist stark juckende Hautkrankheit ansteckend ist, dürfen Erkrankte öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten nicht mehr besuchen. Das hat jetzt auch ein Laatzener Schüler erfahren. Er hatte ordnungsgemäß seine Schule über seine Erkrankung informiert. Diese hat den Krätzefall anschließend an das Gesundheitsamt der Region Hannover gemeldet. „Dazu sind wir verpflichtet“, erklärt der betreffende Schulleiter. Schüler dürfen erst dann wieder zur Schule gehen, wenn sie ein ärztliches Attest darüber vorlegen, dass ihre Krankheit nicht mehr ansteckend ist.

Ein solches Attest wollte der behandelnde Hautarzt dem Schüler jedoch nicht ausstellen. „Insgesamt konnte er eine Woche lang nicht zur Schule gehen, weil das Attest fehlte“, berichtet der Schulleiter. Dabei hätte der Schüler bereits einen Tag nach der Behandlung wieder im Unterricht sitzen können.

Das Problem: Es gibt unterschiedliche Vorgaben dazu, was in einem solchen Attest stehen soll. Laut Paragraph 34 des Infektionsschutzgesetzes, wie das Landesgesundheitsamt auf seiner Homepage ausführt, müssen Ärzte den betreffenden Patienten die „Abwesenheit befallsfähiger Krätzemilben“ bescheinigen. Genau das ist aber kaum möglich, sagt Lensing, der Landesvorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) ist. „Das Gesetz ist lebensfremd“, kritisiert der Dermatologe. „Man müsste den komplett entkleideten Patienten gegebenenfalls 30 Minuten lang mit der Lupe begutachten und dabei in jeder Körperfalte nachsehen.“

Und selbst dann könnten auch Experten die Milben leicht übersehen. Denn Erkrankte hätten manchmal nur sieben bis zehn mikroskopisch kleine Krätzemilben auf dem gesamten Körper. Daher sei auch die Diagnose der Krankheit eine Herausforderung. „Oft beruht sie nur auf einem Verdacht.“ Eine nach dem Infektionsschutzgesetz erforderliche Bescheinigung könne daher formal gar nicht ausgestellt werden. Da aber eine einmalige korrekt durchgeführte Behandlung mit 98-prozentiger Sicherheit die Milben restlos beseitigt, könne man das Attest durchaus verantworten.

So beurteilt es auch das Gesundheitsamt. Laut Regionssprecherin Sonja Wendt reicht es, wenn der Arzt die Durchführung der Behandlung bestätigt. „Denn nach einer richtig durchgeführten Behandlung ist in der Regel keine Ansteckung mehr zu befürchten.“ Bereits einen Tag danach hätte der betreffende Schüler wieder zur Schule gehen können.

„Das ist nicht gut geregelt“, kritisiert der Schulleiter. Die Bestimmungen seien widersprüchlich, so dass bei Hautärzten offenbar große Unsicherheit darüber bestehe, was in einem solchen Attest stehen solle. Daher habe der Schüler, der im Unterricht sehr motiviert sei und gerne zur Schule gehe, nun statt einem Tag eine ganze Woche Unterricht versäumt.

Der betreffende Hautarzt wollte sich unter Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht nicht dazu äußern, warum er dem Schüler kein Attest ausgestellt hat.

Ansteckung erfolgt durch längeren Hautkontakt

Krätze wird durch Skabiesmilben verursacht und tritt häufig in Einrichtungen auf, in denen viele Menschen aufeinandertreffen: Schulen, Kindergärten, Alten- und Pflegeheime und Gemeinschaftsunterkünfte. Um sich anzustecken, bedarf es eines großflächigen Hautkontaktes über 5 bis 20 Minuten. Gefährdet sind besonders enge Kontaktpersonen wie Familienmitglieder, enge Freunde und Sexualpartner. In der Schule kann die Krankheit durch längeres Rangeln übertragen werden. Händeschütteln, kurze Umarmungen oder eine medizinische Untersuchung reichen laut Dermatologen bei gewöhnlicher Krätze nicht für eine Ansteckung aus.

Krätze ist meldepflichtig: Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Seniorenheime, Notunterkünfte und Gefängnisanstalten müssen das Gesundheitsamt der Region informieren, wenn bei ihnen ein Fall von Krätze auftritt.

Die Krankheit kann mit Cremes oder Tabletten gut behandelt werden. Kleidung von Infizierten muss mit mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden, Gegenstände, die nicht desinfiziert werden können, sollten vier Tage lang bei Raumtemperatur in Plastik eingeschlagen oder in einen Plastiksack gesteckt werden. Denn ohne menschlichen Kontakt sterben die Milben innerhalb dieser Zeit ab. Enge Kontaktpersonen sollten mitbehandelt werden.

Von Stephanie Zerm

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