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Region Laatzen Nachrichten Neue Förderung bringt Langzeitarbeitslose in Jobs
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17:30 16.04.2019
Der gelernte Maler Michael Bäsecke an seinem neuen Arbeitsplatz in der Lagerlogistik. Hier verpackt er etwa Adapter für den Versand. Quelle: Katharina Kutsche
Arnum/Gleidingen

„Nach 50 oder 70 Bewerbungen glaubst Du nicht mehr daran, dass es klappt“, sagt Michael Bäsecke. Jahrelang hatte der gelernte Maler im Akkord auf dem Bau gearbeitet. Dann machte sein Arbeitgeber die Firma dicht und Bäsecke suchte einen neuen Job. Aus einer Bewerbung wurden viele, aus Wochen Monate und mehr. Rund zehn Jahre hatte der Gleidinger keine Arbeit, jedenfalls nie länger als drei Monate. Doch seit dem 11. Februar ist das anders. Der frühere Handwerker ist nun Hilfsarbeiter in der Industrie – und überglücklich.

Neues Programm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“

Bäsecke, 50, ist einer der Langzeitarbeitlosen in der Region Hannover, die von einem neuem bundesweiten Förderinstrument namens „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ profitieren. Seit dem 1. Januar können die Jobcenter Arbeitssuchende direkter vermitteln und die Arbeitgeber finanziell unterstützen. Das beinhaltet einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 100 Prozent, ein Coaching für die Arbeitnehmer und Zuschüsse für Weiterbildungen. Die Regelung richtet sich an Menschen, die älter als 25 Jahre sind und seit mehreren Jahren Sozialleistungen beziehen.

So wie Bäsecke, der sich nach all der Zeit kaum Chancen ausrechnete, als er Anfang dieses Jahres zu seinem üblichen Termin im Jobcenter ging. Doch wenige Tage später hatte er ein Vorstellungsgespräch bei der Arnumer Firma Erich Uhe Feinmechanik. Deren Geschäftsführer Hermann Strathmann war der Bewerber so sympathisch, dass er ihn zur Probe arbeiten ließ, acht Tage lang. Am 11. Februar dann unterzeichneten beide den Arbeitsvertrag.

Für Strathmann war das selbst eine Überraschung. Seine Mutter hatte ihn schon vorher auf das Programm aufmerksam gemacht. Er aber sorgte sich, dass jemand, der lange Zeit ohne Arbeit war, unzuverlässig sein könnte und ungenau arbeitet. In einem Feinmechanik-Betrieb, in dem es nicht nur auf Millimeter, sondern auf Zehntel-Millimeter ankommt, wäre das ein zu großes Risiko. „Ich war extrem voreingenommen“, sagt Strathmann. Letztlich ließ er sich bei einer Veranstaltung von der Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit überzeugen, die so euphorisch von der neuen Förderung sprach. Und Tage später saß Michael Bäsecke vor ihm. „Es hat von Anfang an gepasst“, sagt Strathmann. „Er will nicht mehr weg, und ich gebe ihn nicht mehr her.“

Hilfsarbeiter entlasten die Fachkräfte

Uhe-Geschäftsführer Hermann Strathmann ist mit seinem neuen Mitarbeiter sehr zufrieden. Quelle: Katharina Kutsche

Thomas Güllner, Teamleiter im Jobcenter Laatzen, freut sich über den Erfolg. „Wir erleben immer wieder, dass manche Menschen über Jahre hinweg nicht dauerhaft in Arbeit kommen“, sagt er. Hinzu kämen noch negative Erwartungen bei Arbeitgebern, die die Vermittlung weiter erschweren. Mit dem neuen Instrument, nach dem Paragraphen im Sozialgesetzbuch „16i-Förderung“ genannt, werden Chefs ermutigt, Menschen für einfachere Aufgaben einen Job zu geben. Eine sogenannte Win-Win-Situation, denn die Hilfsarbeiter entlasten und unterstützen die Fachkräfte. So sieht es auch Bäsecke: „Ich möchte eine Bereicherung sein, dementsprechend strenge ich mich an.“

Seit zwei Monaten fährt er nun morgens mit dem Bus von Gleidingen nach Arnum, 40 Minuten ist er unterwegs zum Betrieb am Hohen Holzweg. Er arbeitet in der Lagerlogistik, verpackt Teile so sicher wie möglich und schickt die Pakete raus. Von selbst hätte er sich nicht getraut, eine Bewerbung an Uhe Feinmechanik zu schicken, schließlich hatte er mit der Industrie bisher nichts am Hut. Doch nun darf es für den Vater zweier Kinder gern bis zur Rente so weitergehen.

Auch Strathmann ist zufrieden mit seinem Mitarbeiter. Deswegen habe er die Förderung beim Innungstreffen weiterempfohlen – und dem Jobcenter signalisiert, dass man gern noch jemanden vermitteln dürfe.

Von Katharina Kutsche

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