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Heide Grill sitzt in ihrem Wohnzimmer und friert - trotz warmer Jacke und Decke.

Heide Grill sitzt in ihrem Wohnzimmer und friert - trotz warmer Jacke und Decke.
© Zerm

Heizung defekt

100 Hochhausbewohner in Laatzen frieren seit Wochen

Mehr als 100 Bewohnern im Hochhaus an der Würzburger Straße 14 ist kalt. Die Heizung funktioniert seit rund drei Monaten nicht mehr. Schuld ist ein defektes Teil, das nicht mehr lieferbar ist. 

Laatzen-Mitte.  Heide Grill sitzt auf ihrem Sofa und friert. Daran ändern auch die dicke Jacke und die warme Decke nichts, die die 74-Jährige um ihre Beine gewickelt hat. „Seit dem 26. September funktioniert im Haus die Heizung nicht mehr“, berichtet sie und schnieft. „Kein Wunder, dass ich schon seit sechs Wochen dauererkältet bin.“

So wie der 74-Jährigen geht es vielen der mehr als 100 Bewohner in dem 15 Stockwerke hohen Haus. „Meine zwei Kindern waren schlimm erkältet“, klagt eine junge Mutter. „Und jetzt hat es mich mit Schüttelfrost und Fieber erwischt.“ Von dem Heizungsausfall sind fast alle der 78 Parteien in dem Hochhaus betroffen. Die Wohnungen sind Eigentumswohnungen und werden größtenteils von den Besitzern selbst bewohnt. „Daher können wir jetzt noch nicht einmal die Miete kürzen“, sagt Heide Grill.

„Unter den Bewohnern sind auch viele ältere Menschen, die unter Rheuma leiden“, berichtet Silke Opitz von der Hausverwaltung WVG Lehmann, bei der zurzeit die Telefone heiß laufen. „Wir bekommen täglich Beschwerden.“ Daran ändern könne sie aber leider nichts. „Wir haben alles getan, was wir konnten, um die Reparatur zu beschleunigen.“ Regelmäßig habe die Firma hinter den Handwerkern her telefoniert. Allerdings vergeblich.

Grund für den Heizungsausfall ist ein defekter Wärmetauscher. „Er hat ein Leck, so dass die Drucksäule nicht mehr aufgebaut werden kann, die die Wärme in die einzelnen Heizkörper transportiert“, erklärt Silke Opitz. Und ein Ersatz sei auf die Schnelle nicht zu beschaffen. Die 1973 eingebaute Heizungsanlage sei so alt, dass das Ersatzteil nicht mehr lieferbar sei. „Es gibt in ganz Deutschland nur einen einzigen Hersteller und der hat das Ersatzteil nicht mehr auf Lager, so dass er es neu anfertigen muss. Und da er noch mehrere Aufträge hat, müssen wir warten, bis wir dran sind“, sagt Opitz.

Eine provisorische Reparatur sei nicht möglich – und auch der Einbau einer komplett neuen Heizungsanlage sei sinnlos: Das würde laut Silke Opitz mit mehr als fünf Monaten, in denen die Mieter nicht heizen könnten, noch länger dauern. Zumal die Anlage trotz ihres hohen Alters bis jetzt nie größere Probleme bereitet habe. 

Bereits am 26. Oktober hatte die Eigentümergemeinschaft in einer extra dafür einberufenen außerordentlichen Versammlung beschlossen, für rund 13 000 Euro ein hannoversches Unternehmen mit der Reparatur zu beauftragen. „Es hieß, dies würde nur rund drei Wochen dauern“, sagt Heide Grill. Doch das war offensichtlich zu optimisch kalkuliert. Denn das Unternehmen kann nicht mit der Reparatur beginnen, da es immer noch auf das Ersatzteil vom Hersteller wartet. „Der Betrieb hat uns aber zugesichert, dass er sofort mit dem Einbau beginnt, wenn das Teil da ist“, sagt Opitz. Als Termin wird Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche genannt. „Wir hoffen, dass es dabei bleibt und die Heizung dann repariert werden kann.“ 

Bis dahin versucht der Hausmeister weiterhin täglich für etwas Restwärme im Haus zu sorgen. „Er füllt jeden Tag neues Wasser in die Heizung, so dass zumindest die Bewohner in den unteren Etagen ein wenig heizen können, wenn sie ihre Heizkörper entlüften“, sagt Silke Opitz. Die Wärme komme allerdings nur bis in die achte Etage. Heide Grill nützt das in ihrer Wohnung im zwölften Stock nur wenig, ebenso wie den Bewohnern in der Etagen darüber. Bis das Ersatzteil da ist, heißt es für sie weiter frieren. 

Von Stephanie Zerm


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