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Region Laatzen Nachrichten Handy am Steuer: Pistorius kündigt gezielte Kontrollen an
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00:18 15.07.2018
Innenminister Boris Pistorius steigt unter großem Medienaufgebot in den Testwagen des ADAC. Quelle: Stephanie Zerm
Rethen

Ein kurzer Blick aufs Handy, und schon ist es passiert: Laut Boris Pistorius sind Smartphones zur Zeit das Unfallrisiko Nummer Eins. „Rund 90 Prozent der Autofahrer nutzen die Geräte und viele sehen auch während der Fahrt drauf“, erklärte der niedersächsische Innenminister am Donnerstagvormittag auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums. Dort setzte sich Pistorius selbst ans Steuer und testete im Beisein von ADAC-Fahrtrainer Uwe Klöppel, wie sich der Blick aufs Handy auf die Fahrweise auswirken kann. „Obwohl ich das Hindernis vorher gesehen hatte, war ich nach dem Blick aufs Smartphone komplett überrascht, als es plötzlich vor mir war“, berichtete Pistorius. In diesem Fall war das Hindernis zum Glück nur eine Wasserfontaine auf dem ADAC-Gelände. Durch diese fuhr der Innenminister nach entsprechender Ablenkung jedoch mehrmals – statt ihr wie geplant auszuweichen.

„Wer bei Tempo 100 auf der Landstraße nur zwei Sekunden auf sein Smartphone sieht, fliegt fast 60 Meter im Blindflug über die Straße“, sagt Pistorius, der zwar dienstlich einen Fahrer hat, aber privat sehr gerne Auto fährt. „Auch in den Urlaub“, wie er verriet.

Nach Schätzungen des ADAC spielt bei jedem zehnten Verkehrsunfall Unachtsamkeit eine entscheidende Rolle. „Damit bewegt sich die Unfallursache Ablenkung bei Unfällen mit Getöteten in der gleichen Größenordnung wie Alkohol am Steuer“, sagte Bernward Franzky, Vorstandsmitglied des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

Um Autofahrer auf die Problematik hinzuweisen, kündigte Pistorius gezieltere Polizeikontrollen an. In den nächsten Wochen und Monaten sollten die Beamten in Niedersachsen Autofahrer verstärkt auf Ablenkungen am Steuer kontrollieren. Dazu zählten neben Smartphones unter anderem auch Multimedia- und Navigationsgeräte.

Ein höheres Bußgeld sei zur Zeit jedoch nicht geplant, ergänzte der Innenminister. Dieses ist erst im Oktober 2017 erhöht worden. Fürs Telefonieren, SMS-Schreiben oder auch nur den Blick aufs Display, während das Handy in der Hand ist, zahlen Autofahrer seitdem 100 statt 60 Euro. Außerdem bekommen sie einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg. „Wir müssen zunächst abwarten, wie sich die Erhöhung des Bußgelds auswirkt“, erklärte Pistorius.

Geräte dürfen nicht in die Hand genommen werden

Ob Telefonieren oder das Tippen von Kurznachrichten: Laut Straßenverkehrsordnung (Paragraf 23, Absatz 1a) sind während der Fahrt alle Aktivitäten verboten, bei denen mobile Endgeräte und Autotelefone in die Hand genommen werden. Aber auch das Lesen von SMS sowie der Blick aufs Display, um die Uhrzeit zu kontrollieren, fallen unter das Verbot. Bei laufendem Motor sind diese Aktivitäten sogar beim Halten an einer roten Ampel untersagt. Ebenso müssen Fahrradfahrer ein Bußgeld von 55 Euro zahlen, wenn sie während der Fahrt mit einem Smartphone oder Handy in der Hand erwischt werden.

Autofahrer, die unterwegs ihr mobiles Endgerät nutzen wollen, sollten rechts ran fahren und den Motor abstellen oder eine Freisprechanlage verwenden. Diese kann die gesamte Fahrt über ohne Angst vor einem Bußgeld benutzt werden.

Um genaue Zahlen zur Unfallursache Handynutzung zu erhalten, hat das niedersächsische Innenministerium bereits im Januar mit einer großflächigen Studie in den Polizeidirektionen Hannover, Braunschweig und Osnabrück begonnen. Dabei werden Verkehrsunfälle gründlich analysiert, bei denen vermutet wird, dass Ablenkung die Unfallursache war. Denn bislang liegen bundesweit noch keine polizeilichen Daten zur Verkehrsunfallanalyse vor, die den Zusammenhang zwischen der Nutzung von mobilen Endgeräten für Verkehrsunfälle nachweisen.

Von Stephanie Zerm

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