Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Ortsrat will Dachfarben und Co. freigeben
Region Laatzen Nachrichten Ortsrat will Dachfarben und Co. freigeben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 01.09.2018
Gleidinger Baugebiet Leinkamp: Dachneigungen zwischen 30 und 48 Grad erlaubt. Quelle: Dorndorf
Gleidingen

Mehr Freiheiten für Bauherren? Oder doch lieber eine Einheitlichkeit des Ortsbilds? Die Vorgaben für Bauherren in Laatzens Wohngebieten sind in den vergangenen Jahrzehnten in Laatzen mal strenger, mal liberaler ausgefallen. Entsprechend unterschiedlich sind die Regelungen in den verschiedenen Baugebieten. Sind im einen Gebiet Zaunformen und Dachfarben exakt vorgegeben, können Bauherren andernorts ganz legal blau-glänzende Dachziegel verlegen lassen oder ihre Gärten einmauern.

Der Gleidinger Ortsrat will jetzt einen großen Schritt in Richtung Lockerung machen: Das Gremium sprach sich am Montagabend einstimmig für einen Antrag von SPD und Linken aus, die sogenannten örtlichen Bauvorschriften im Ortsteil aufzuheben. Die Gruppe verweist darauf, dass bei neuen Bebauungsplänen zuletzt Einschränkungen von Dachfarben, Einfriedungen und Fassadengestaltungen weggefallen seien. „Um auch in bereits bestehenden Baugebieten diese Flexibilität zu erhalten, beantragen wir die Aufhebung aller Einschränkungen dieser Art“, heißt es im Antrag. Davon auszunehmen seien lediglich Flächen, für die es gesetzliche Vorgaben oder städtebauliche Gründe wie bestehende Gestaltungssatzungen gebe.

Tatsächlich schwang bei der Grundsatzfrage der Bauvorschriften das Pendel in Laatzen zuletzt eher in Richtung Liberalisierung: Für die Alt-Laatzener Leinetalsiedlung etwa hat die Stadt in diesem Jahr ein Gestaltungssatzung aus dem Jahr 1950 gekippt, die unter anderem Satteldächer, Kalkmörtelzementputz und bestimmte Gebäudegrundrisse vorschrieb – Vorgaben, die längst nicht mehr der Realität dort entsprachen, so dass der Status Quo jetzt legalisiert wurde.

Zu den Auslösern der Diskussion dürfte der Streit im Baugebiet Vor dem Laagberg in Ingeln-Oesselse vor zwei Jahren gehören. Die Stadt hatte damals einen Hausbesitzer zwingen wollen, sein Dach komplett neu einzudecken: Die grau-braunen Ziegel wichen leicht vom vorgeschriebenen rot-braunen RAL-Farbspektrum ab. Der Bauherr setzte sich schließlich vor Gericht wegen formaler Mängel gegen die Stadt durch, später schaffte der Rat die Farbvorgaben am Laagberg sogar komplett ab. Schon damals plädierten die Parteien im Rat dafür, auch künftige Baugebiete weniger strikt zu reglementieren.

Die Stadtverwaltung tut sich allerdings schwer, auch die bestehenden Bebauungspläne anzufassen, wie es der Gleidinger Ortsrat wünscht. „Festsetzungen in alten Bebauungsplänen können nur in sehr aufwendigen Verfahren aufgehoben werden und sollten deshalb auf Einzelfälle beschränkt bleiben“, argumentiert die Verwaltung. Denn für eine Aufhebung müssten die jeweiligen Bebauungspläne komplett neu aufgestellt werden – mit entsprechendem Verwaltungsaufwand. Bau-Fachbereichsleiter Jürgen Pagels verwies gegenüber dem Ortsrat auf die zahlreichen laufenden Projekte, mit denen die Mitarbeiter ohnehin schon befasst sind.

Auch gebe es rechtliche Bedenken: So schreibe das Baugesetzbuch vor, dass Bebauungspläne nur dann aufgestellt oder geändert werden dürfen, falls es städtebaulich erforderlich ist. Auch fürchte die Verwaltung Normenkontrollklagen, die auch bei Änderungen möglich seien. „Manch einer ist vielleicht in ein Baugebiet gezogen, weil es dort prägende Dachziegel gibt“, sagt Pagels. „Dass nicht alle Dachfarben gleich sein müssen, ist zugestanden. Aber gewisse Vorgaben muss man schon machen.“

Der Ortsrat setzte sich jedoch über die Bedenken hinweg und stimmte einstimmig für die Aufhebung der Bauvorschriften. „Ich hätte mir mehr Kreativität von der Verwaltung gewünscht“, begründete Michael Cobau (SPD) diese Haltung – und Miriam Friedrichs-Seidel sah im Status Quo sogar den Allgemeinen Gleichheitsgrundsatz beeinträchtigt, da nicht alle Bauherren die gleichen gestalterischen Möglichkeiten hätten.

Die Verwaltung will den Antrag nun an den Rat weiterleiten und auch dort ihre Einwände geltend machen. Aber selbst bei einem positivem Ratsbeschluss wäre wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen: „Möglicherweise wäre ein gleichlautender Beschluss zu beanstanden, da er gegen geltende Vorschriften verstoßen würde“, heißt es auf Anfrage im Rathaus.

Stadt kann Dachneigungen, Höhen und Farben festschreiben

In der sogenannten örtlichen Bauvorschrift können Kommunen gestalterische Vorgaben für Baugebiete machen. Laut Baugesetzbuch ist dies möglich, „um bestimmte städtebauliche, baugestalterische oder ökologische Absichten zu verwirklichen oder um die Eigenart oder den Eindruck von Baudenkmalen zu erhalten.“ Die Vorgaben können dabei sehr weitgehend sein. So dürften die Kommunen Gebäude- und Geschosshöhen genauso festlegen wie die verwendeten Baustoffe, die von außen sichtbaren Farben und die Neigung der Dächer. Möglich sind auch Vorgaben für Einfriedungen wie Zäune, Antennen und die Begrünung.

In Laatzen sind die Vorgaben der Baugebiete sehr unterschiedlich gehandhabt –beispielsweise in Gleidingen: Auf der ehemaligen Hanno-Fläche am Leinkamp schrieb die Stadt 2014 vor, dass Hauptdächer mit einer Neigung von 30 bis 48 Grad zulässig sind – eine Ausnahme gibt es für Gründächer. Ähnliche Regeln gibt es für Garagen und Carports, festgesetzt sind auch Sockel- und Traufhöhen der Gebäude. Auch Einmauern ist verboten: Bauherren haben dort die Wahl zwischen „vertikal gegliederten Holzzäunen“ und Hecken aus heimischen Hölzern, Mauern sind nur als Sockel oder Pfeiler zulässig. Erheblich laxer sind die Regeln im neuen Baugebiet Erdbeerfeld, das gerade erschlossen wird: Dort gibt es lediglich Vorgaben für Sockel- und Traufhöhen.

Von Johannes Dorndorf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Gleidinger St.-Gertruden-Kirchengemeinde lädt für Sonntag, 2. September, zum Gemeinde- und Stiftungsfest ein. Zum Programm gehören Musik, Führungen und das Murmiland für Kinder.

29.08.2018

Ab Dienstag, 4. September, gibt es im Rahmen der Woche der Diakonie mehrere Veranstaltungen in Laatzen, Hemmingen und Pattensen. Motto der Veranstaltungsreihe ist das „Unerhörte“.

29.08.2018

Im Rahmen eines sogenannten Azubi-Talks sind am Dienstag Schüler der Laatzener Erich-Kästner-Oberschule mit Auszubildenden ins Gespräch gekommen. Die Konversation klappte allerdings nicht immer.

31.08.2018