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Region Laatzen Nachrichten Stadt spart bei Heimbetreiber – trotz Protest
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00:15 25.12.2017
Mahmoud Lahmouni (links) und Abyat Mehdi sind dafür, dass die AWO auch künftig die Gleidinger Unterkunft betreibt.  Quelle: Dorndorf
Gleidingen

  Seit zwei Jahren betreibt die Arbeiterwohlfahrt die Flüchtlingsunterkunft am Immengarten in Gleidingen. Jetzt müssen sich die auf ein neues Sozialarbeiterteam einstellen: Im Januar wird das Haus an einen anderen Betreiber übergeben, der bei der Betreuung der aktuell 51 Bewohner – darunter auch mehrere Familien – wieder von vorne anfangen muss. Grund ist eine Neuausschreibung der Trägerschaft durch die Stadt. Eine Petition der ehrenamtlichen Unterstützer und der Bewohner hatte keinen Erfolg: Bei einer Neuausschreibung des Vertrags hat sich ein anderer Betreiber durchgesetzt. 

 "Wir sind zur Stadt gegangen, um deutlich zu machen, dass die AWO bleiben soll", sagt Mahmoud Lahmoni. Der 29-Jährige lebt seit einem Jahr in der Gleidinger Unterkunft und hat mit den Sozialarbeiterinnen dort gute Erfahrungen gemacht. "Sie helfen uns etwa dabei, beim Jobcenter anzurufen, bei der Wohnungssuche und einen Termin beim Arzt zu machen." Viele Bewohner sprächen noch nicht gut Deutsch, so dass die Unterstützung durch das AWO-Team enorm weiterhelfe. Untergebracht sind in Gleidingen vor allem Geflüchtete aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan, Iran, aber auch von der Elfenbeinküste

 Auch Lili Farshchi bedauert den Wechsel. Die Laatzenerin bietet in der Unterkunft teils ehrenamtlich, teils als Honorarkraft Bastelangebote für Kinder an und bringt Frauen spielerisch bei, Deutsch zu lernen . "Wir waren super zufrieden", sagt sie über die Zusammenarbeit mit der AWO. Entscheidend sei dabei die Vertrauensbasis, die die Geflüchteten und die Sozialarbeiterinnen aufgebaut hätten - gerade mit den Kindern seien die Frauen gut zurechtgekommen. "Man weiß nicht, wer kommt", sagt Farshchi - aber es dauere in der Regel lange, bis ein solches Vertrauen neu entstehe. 

Als die Ehrenamtlichen und die Bewohner vom anstehenden Wechsel erfuhren, wandten sie sich mit einer Petition an die Stadt, um dies doch noch zu verhindern. Vor zwei Wochen besucht sie dann Bürgermeister Jürgen Köhne im Rathaus - ohne Ergebnis. Köhne habe allerdings versprochen, dass die Stadt auch beim neuen Betreiber kontrolliere, ob er gute Arbeit mache, berichtet Lahmoni

 Grund für die Neuausschreibung ist laut Stadtsprecher Matthias Brinkmann das Vergaberecht. "Öffentliche Aufträge, zu denen auch soziale Dienstleistungen gehören, müssen ab einer bestimmten Wertgrenze öffentlich ausgeschrieben werden." 2015 seien die Verträge wegen des damals extremen Zeitdrucks ohne Ausschreibung geschlossen worden. Schon bei der Verlängerung vor einem Jahr habe die Stadt bereits hingewiesen, dass nach zum Jahreswechsel eine Ausschreibung nötig sei. In die Bewertung fließen jeweils zur Hälfte der Preis und das Konzept ein. „Als Stadt sind uns die Hände gebunden, wir müssen uns an die Vergabevorschriften halten", betont Köhne

 Bei welchem Kriterium die AWO in Gleidingen unterlegen war, verrät die Stadt nicht – es ist aber naheliegend, dass die Kosten eine Rolle spielten. "Wir wissen, dass die großen privatwirtschaftlichen Anbieter billiger arbeiten, als wir das tun", sagt AWO-Fachbereichsleiterin Gabriele Schuppe. Die AWO bewerbe sich deshalb bei neuen Objekten nur noch in Hannover. "Das geht anderen Wohlfahrtsverbänden genauso", ergänzt Schuppe. "Wir zahlen nach Tarif und haben bestimmte Ansprüche an soziale Arbeit" – was nicht bedeute, dass andere Anbieter schlechtere Sozialarbeit machen.  

 Wer den Zuschlag für die Gleidinger Unterkunft bekommt hat, hält die Stadt noch unter Verschluss. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen sei, sagt Brinkmann. In den ersten beiden Januarwochen werde die Einrichtung zunächst von städtischen Mitarbeitern betreut, der neue Betreiber übernehme dann am 15. Januar. 

 Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim 

 Bevor die AWO-Mitarbeiter die Gleidinger Unterkunft verlassen, verbrachten Bewohner, Ehrenamtliche und Sozialarbeiter jetzt noch einen gemeinsamen weihnachtlichen Nachmittag in den Räumen. "Auch wenn Weihnachten ein christliches Fest ist und die meisten Bewohner Muslime sind, ist es natürlich präsent in Deutschland. Deshalb wollten wir das auch mit den Bewohnern teilen", sagt AWO-Sozialarbeiterin Freya Schäfer. Mit dabei war auch Bürgermeister Jürgen Köhne, der ein Geschenk überreichte. Hausmeister Albagir Karmella schlüpfte dann in die Rolle des Weihnachtsmanns und beschenkte die Kinder. Außerdem gab es Kaffee und Kekse in den Gemeinschaftsräumen des Hauses. 

Von Johannes Dorndorf

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