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Nachrichten Fledermaus-AG kartografiert Tiere in Laatzen
Region Laatzen Nachrichten Fledermaus-AG kartografiert Tiere in Laatzen
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00:24 02.06.2018
Bernd Hermening, Corinna John und Stefanie Bartke (v.l.) auf der Suche nach Fledermäusen. Quelle: Robin Wehe
Laatzen

An jedem dritten Donnerstag im Monat, kurz vor Dämmerung trifft sich die Fledermaus-Arbeitsgruppe des Naturschutzbundes Laatzen an der Alten Feuerwache in Grasdorf. Diesmal ist es kurz vor 21 Uhr, als sich Bernd Hermening, Stefanie Bartke und Corinna John bei windig-kühlem Wetter vor dem Haus versammeln. Hermening trägt eine blaue Outdoor-Jacke des Naturschutzbundes und einen mit zahlreichen Aufnähern bedeckten Rucksack. Als er ihn öffnet, fällt der Blick auf eine Taschenlampe, einen Ordner mit Informationen zu Fledermäusen und zwei Detektoren.

Vielleicht liegt es an dieser Ausstattung und an der Tageszeit, dass alles an eine Nachtwanderung erinnert. Vielleicht liegt es aber auch an dem Anlass, für den sich die Gruppe hier trifft: Die drei Ehrenamtlichen werden gleich losziehen, um Fledermäuse zu suchen. Ziel der Exkursion ist es, Fledermaus-Karten zu erstellen und zu bestimmen, wo welche Arten leben.

Dass Fledermäuse häufig mit etwas Gruseligem verbunden werden, sei vor allem kulturell bedingt, sagt Hermening, während die drei loslaufen. In anderen Ländern sei das durchaus anders: „In Kuba zum Beispiel sind Fledermäuse Glücksbringer. Deshalb ist auf der Bacardi-Flasche eine Fledermaus“, erzählt er. Hermening kennt eine Reihe von solchen Anekdoten und Details, denn er ist – wie seine zwei Mitstreiterinnen Stefanie Bartke und Corinna John – Fledermausbotschafter. Alle drei haben an einer entsprechenden vom Nabu Niedersachsen angebotenen Fortbildung teilgenommen.

Ausbildung zum Fledermausbotschafter dauert zwei Jahre

An fünf Sonnabenden und in sieben Regionen Niedersachsens wurden die Teilnehmer zu solchen Botschaftern ausgebildet. Für die jeweiligen Exkursionen, die Teil der Ausbildung sind, muss der richtige Zeitpunkt abgewartet werden. Deshalb dauert die Ausbildung insgesamt zwei Jahre. „Wir mussten mit dem nächsten Treffen immer auf die richtige Jahreszeit warten“, berichtet John. Auf dem Programm standen Biologie und Ökologie der Fledermäuse, Artbestimmung, Artenschutzmaßnahmen, rechtliche Grundlagen und Öffentlichkeitsarbeit. Ziel der Schulungen ist es, Fachleute auszubilden, die zwischen Fledermausfachleuten und Bürgern vermitteln und die Öffentlichkeit für den Fledermausschutz sensibilisieren. John, Bartke und Hermening lernten sich bei der Ausbildung kennen und beschlossen, die Fledermaus-AG Laatzen ins Leben zu rufen. Seitdem veranstalten sie als Botschafter regelmäßig Exkursionen, Vorträge und setzen sich gemeinsam mit Fachleuten für den Fledermausschutz ein.

Während sich die Gruppe von der Alten Feuerwache in Richtung Würzburger Straße bewegt, wo Bewohner von Fledermäusen berichtet haben, ist die Stimmung gelöst: Es wird gescherzt, man unterhält sich über Singvögel und Alltägliches. „Die Fledermaus ist ein sehr interessantes Tier, das leider vom Aussterben bedroht ist“, sagt Bartke, die Handlungsbedarf sieht. „Die Lebensräume werden immer weiter zerstört“, fügt Hermening hinzu, „die Leute bauen ihre Häuser und Gärten eben nicht so, dass darin Fledermäuse Quartiere einrichten können.“ Aufklärung sei deshalb gefragt: „Wir möchten den Leuten erklären, wie man fledermausfreundliche Gärten anlegt.“ Perfekte Quartiere seien beispielsweise Brücken, sagt er, als die Gruppe eine solche passiert.

Doch hier bleiben die Detektoren heute still. An diesem Abend scheinen nicht viele Tiere unterwegs zu sein. Erst als die Würzburger Straße erreicht ist, schlagen die Geräte an: ein Klackern, das wie das Schnalzen der Zunge klingt. Mit dem Geräusch schauen alle nach oben: Über den Köpfen fliegt eine Fledermaus vorbei. Ein flüchtiger Moment, der aber bestätigt, dass hier Fledermäuse leben.

Tiere gehen bei Dämmerung auf Nahrungssuche

„Bei Dämmerung fliegen die Tiere los, um auf die Jagd zu gehen, deshalb sieht man sie um diese Uhrzeit in der Nähe ihrer Quartiere“, sagt Hermening. Die Frequenz, bei der das Gerät anschlägt, spricht für die in Niedersachsen üblichste Fledermausart: die Zwergfledermaus. Auch die Art des Geräuschs kann interpretiert werden: „Das Schnalzen wird ‚feuchter Ruf‘ genannt und dient den Fledermäusen zur groben Orientierung beim Flug“, erklärt John. Fledermäuse orientieren sich nämlich mit Ultraschall und schätzen so Distanzen ein.

Im Bereich der Würzburger Straße schlagen die Geräte noch mehrmals an. Die Fledermausbotschafter notieren sich: Hier scheinen einige Tiere ihr Quartier zu haben. Bevor die Gruppe den Weg zurück in Richtung Alte Feuerwache einschlägt, sucht das Trio noch ein paar weitere Orte auf, um dort nach Fledermäusen zu schauen. So häufig wie an der Würzburger Straße schlagen die Detektoren jedoch nicht mehr an. Enttäuscht ist darüber aber niemand: „Es geht ja auch darum, Spaß zu haben und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen“, sagt Hermening.

Fledermaus-AG trifft sich monatlich

Die Fledermaus-AG Laatzen gibt es seit 2017. Wer mitmachen möchte, kann jeden dritten Donnerstag im Monat zur Alten Feuerwache an der Grasdorfer Ohestraße kommen. Es wird kein Wissen vorausgesetzt, sondern gemeinsam in der Gruppe erarbeitet. Die genaue Uhrzeit wird jeweils auf der Internetseite nabu-laatzen.de bekannt gegeben. Die Gruppe ist übrigens für Angaben zu den Tieren dankbar: Wer Fledermäuse in Laatzen sichtet, wird gebeten, sich an den Nabu zu wenden – unter Telefon (0511) 87 90 110 oder per E-Mail an die Adresse info@nabu-laatzen.de. Wer Fledermausbotschafter werden möchte, findet weitere Infos auf der Seite niedersachsen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/fledermaeuse-in-niedersachsen/index.html

Nachtspaziergang am 2. Juni

Corinna John und Bernd Hermening bieten am Sonnabend, 2. Juni, einen Abendspaziergang rund um das Alt-Laatzener Wiesendachhaus an. Die Fledermaustour, die etwa 90 Minuten dauert, ist für Kinder und Erwachsene geeignet. Mitmachen können bis zu 20 Teilnehmer. Anmeldungen nimmt das Naturschutzzentrum unter Telefon (0511) 8790110 entgegen. Treffpunkt ist um 20.45 Uhr am Wiesendachhaus, Zum Fugenwinkel 1.

Von Robin Wehe

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