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Region Laatzen Nachrichten Ausprobiert: So fühlt sich Lachyoga an
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12:31 05.10.2018
Die Teilnehmer jubeln das Lachen geradezu heraus. Quelle: Daniel Junker
Grasdorf

Ich bin etwas skeptisch. Auf Kommando lachen, und dann noch unter den Augen fremder Leute – das kommt mir seltsam vor. Das Kopfkino läuft schon lange, bevor ich die Grasdorfer Stube im Seniorenpflegeheim Leinetal betrete, in dem der Lachyoga-Kurs über die Bühne gehen soll. In meiner Vorstellung sehe ich ältere, verhuschte Frauen, die mit kindischen Übungen etwas Freude in ihr Leben bringen wollen.

Das Vorurteil bestätigt sich schon mal nicht: Nach und nach treffen freundliche Menschen in der Grasdorfer Stube ein. Die Lachyoga-Trainerin Andrea Voigt begrüßt jeden herzlich. Alle nennen sich beim Vornamen, obwohl sich manche der Teilnehmer noch nie vorher gesehen haben – es ist das zweite Treffen der Reihe, die im August begonnen hatte. Kurz bevor der Kurs beginnt, sitzen sich neun Frauen und zwei Männer – mich eingeschlossen – sowie die Yoga-Lehrerin im Stuhlkreis gegenüber.

Zum Auftakt erklärt die Trainerin den Ablauf des Abends. „Die Stunde ist so angelegt, dass wir uns im Raum frei bewegen und Lachübungen machen.“ Die pantomimischen Übungen sollen die Teilnehmer emotional anregen. Zudem stünden Dehn- und Atemübungen auf dem Programm, nach einer kurzen Pause sei eine Lachmeditation geplant. „Dabei soll das Lachen frei fließen“, ermutigt sie die Runde.

Wir stellen uns im Kreis auf. „Lass deinen Tag Revue passieren. Wenn du magst, schließe deine Augen“, klingt Voigts gedämpfte Stimme durch den Raum. Jetzt gilt es, sich auf den Körper konzentrieren, ihn bewusst wahrzunehmen. Langsam atme ich ein und aus. Dann klopfe ich meine Arme mit der Hand ab, an der Außenseite hinauf zur Schulter. „Wenn ihr oben angekommen seid, könnt ihr schon mal etwas schmunzeln.“ Hihihi, klingt es leise um mich herum. Danach streichen wir uns unterhalb der Rippen über den Bauch. „Damit aktivieren wir unseren Atemmuskel. Das ist auch unsere aktiver Lachmuskel“, beschreibt die Trainerin die Übung. Okay, denke ich. Dann sind wir ja jetzt vorbereitet.

Wir einen Schlachtruf, mit dem wir uns selbst loben: „Sehr gut, sehr gut, Yeah!“, ruft die Trainerin und schlägt rhythmisch die Handflächen aufeinander. Mit „Hoo, hoo, hahaha! Hoo, hoo, hahaha!“ folgt eine weitere Klatschübung – so bewegen wir uns durch den Raum. Mir wird etwas komisch, so etwas hatte ich befürchtet: Ich mache zwar mit, dennoch ist mir die Situation etwas peinlich.

Wie bringt man sich zum Lachen?

Mit meiner Skepsis bin ich offenbar nicht der einzige. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Lachyoga funktionieren soll“, sagt eine Teilnehmerin. „Ich kann zwar eigentlich gut mitlachen, aber wie fängt man jetzt an?“ „Wir nutzen die Vorstellungskraft und visualisieren Situationen“, erwidert Voigt. „Damit können wir uns spielerisch zum Lachen bringen.“ Am Anfang sei das noch unecht, „aber das verändert sich im Laufe dieser Stunde.“ Ich bin gespannt.

Zunächst sollen wir den Ballast des Tages abwerfen. Wir stellen uns ein Paket vor. „Wir packen da alles rein, was uns heute belastet hat.“ Das imaginär gefüllte Paket werfen wir mit den Worten ’Das ist mir ganz egal’ über unseren Kopf hinweg. „Hoo, hoo, hahaha! Hoo, hoo, hahaha!“, rufen wir und klatschen dabei in die Hände. Danach lachen wir in alle Himmelsrichtungen: für Glück, für Gesundheit und viele andere Dinge. Das Lachen wird lauter – und mit der Zeit tatsächlich ungezwungener. „Sehr gut, sehr gut, Yeah!“, loben wir uns, dann lachen wir in vier Stufen: Erst leise, dann etwas lauter, bis schließlich lauthalses Gelächter den kleinen Saal erfüllt und durch das geöffnete Fenster dringt. Ich frage mich, was wohl die Leute denken mögen, die da draußen vorbeispazieren.

Hat unsere Trainerin gerade meine Gedanken gelesen? „Jeder um uns herum wird denken: Wie bescheuert ist das denn, was die da gerade machen? Es ist aber völlig egal, was andere denken“, sagt Voigt prompt – und ermuntert uns weiterzumachen. Die Trainerin erklärt, Lachwissenschaftler hätten herausgefunden, dass Erwachsene zwölf bis 20 Mal am Tag lachen. „Kinder lachen bis zu 400 Mal.“ Sie seien in dieser Hinsicht Vorbilder für Erwachsene. „Also weckt das kleine Kind in Euch.“

Schon geht es weiter. Wir stellen wir uns im Kreis auf, werfen die Hände hoch und beginnen wieder laut zu lachen. Danach sollen wir an unseren letzten Urlaub denken. Wir schirmen unsere Augen mit der Hand ab, als ob wir in die Ferne blicken. Wir schauen nach vorne, nach hinten, in alle Himmelsrichtungen. Dabei lachen wir laut über das, was wir in unserer Vorstellung sehen. „Sehr gut, sehr gut, Yeah!“ Dann fassen wird uns an den Händen. Zu jedem Vokal stellen wir uns ein Reiseziel vor, laufen in der Mitte zusammen, heben die Hände in die Luft. „Aaaaaaargentinien“ rufen wir, lachen laut auf und treten dabei wieder einen Schritt zurück. Nachdem wir gedanklich auch England, Italien, Oldenburg und die USA bereist haben, steigen wir in einen imaginären Flieger, werfen den Propeller an und laufen mit ausgebreiteten Armen lachend durch den Raum. Die Stimmung steigt, mit jeder Minute wird das Lachen gelöster – und tatsächlich auch echter. Auch bei mir löst sich die Anspannung etwas.

Lachen baut Stress ab

„Lachen wirkt sofort auf den Körper und auch auf den Geist“, hatte Voigt uns zu Beginn des Abends erklärt. „Wenn wir lachen, können wir nicht mehr aktiv denken.“ Grübelprozesse könnten so ausgeschaltet werden. „Lachen ist auch etwas Anstrengendes. Es bringt das Herz-Kreislauf-System richtig in Gang, belebt die Glückshormone und baut Stress ab.“ Tatsächlich merke ich, dass ich währenddessen kaum über etwas anderes nachdenken kann und ich meine Umwelt zeitweise fast ganz ausblende.

Dennoch wundere mich, was hier gerade passiert. Wildfremde Menschen laufen durcheinander, kaspern ein wenig herum und zeigen sich sogar lachend die Krallen wie ein Löwe. Die Gruppendynamik schlägt voll durch. Ich wundere mich über mich selbst. Zwar bin ich für Späße und Albereien fast immer zu haben; dass das allerdings in einer Gruppe mit fremden Leuten passiert, finde ich schon seltsam. Trotzdem scheint das Konzept aufzugehen: Nach einer Weile denke ich kaum noch darüber nach, wie ich mich durch den Raum bewege und warum ich überhaupt lache. Das hat etwas Befremdliches, aber durchaus auch Befreiendes.

Nach den abschließenden Entspannungsübungen stelle ich fest, dass ich an diesem Abend tatsächlich viel gelacht habe – und das nicht nur auf Kommando. Dennoch lache ich lieber, wenn mir tatsächlich danach ist. Spaß hat der Abend aber trotzdem gemacht.

Weitere Lachyoga-Termine bietet Andrea Voigt am 17. Oktober, 21. November und 19. Dezember jeweils mittwochs in der Grasdorfer Stube im Seniorenpflegeheim Leinetal an. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr, die Teilnahme kostet 8 Euro pro Termin. Anmeldungen nimmt sie unter Telefon (0511) 89883964 entgegen.

Von Daniel Junker

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