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Region Laatzen Nachrichten Auch ohne Meister: Konditorin darf wieder arbeiten
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00:16 03.12.2017
Die Konditorin Yvonne Jendt füllt in ihrer Küche Quarkspeisen ab. Nach einem Gespräch mit der Handwerkskammer darf sie ihrer Arbeit wieder nachgehen. Quelle: Daniel Junker
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Grasdorf

 Die gerlernte Konditorin Yvonne Jendt darf wieder ihrer Arbeit nachgehen – allerdings mit Einschränkungen. Nach fast sieben Jahren musste die Grasdorferin für sie überraschend ihre angemeldete selbstständige Tätigkeit aufgeben, nachdem das Ordnungsamt ihr im März wegen eines fehlenden Meistertitels Schwarzarbeit vorgeworfen hatte. Nun wurde eine Lösung gefunden, mit der offenbar alle Seiten leben können. Seit Kurzem darf die 35-Jährige wieder Kuchen und Torten dekorieren sowie Quarkspeisen herstellen.

Bei der Handwerkskammer, die für die Erteilung der Meistertitelrolle zuständig ist, war Jendt zunächst nicht weitergekommen. Die Organisation hatte auch einen Ausnahmebewilligungsantrag abgeleht, mit dem sie sich in die Handwerksrolle hätte eintragen können.

Daraufhin hatte sich die Grasdorferin an diese Zeitung gewandt. „Ich wusste einfach nicht wie es weitergehen soll“, berichtet die zweifache Mutter. Die Handwerkskammer bot der gelernten Konditorin – sie hat bei Bäcker Borchers in Hannover gelernt und 2003 die Ausbildung abgeschlossen – dann für Anfang September ein klärenden Gespräch an. Dies sei sehr zufriedenstellend verlaufen, berichtet Jendt:  „Die Handwerkskammer hat mir erklärt, welche Arbeiten ich ohne die Eintragung in die Handwerksrolle ausführen darf.“ Eine Möglichkeit sei gewesen, die Bäckermeisterschule in Hannover zu besuchen, um dort den Meister abzulegen. Da Jendt  aber gleichzeitig ihre beiden Kinder erzieht und ihre selbstständigen Arbeit nur in kleinem Umfang betreibt – die Grasdorferin verkauft nur etwa 50 Torten pro Jahr – sei dies für sie keine Alternative gewesen. Außerdem sei der Besuch der Bäckermeisterschule sehr teuer.

„Die Handwerkskammer hat mir aber auch die Möglichkeit eröffnet, in etwas eingeschränkter Form weiterzumachen“, erzählt Jendt. Sie dürfe weiterhin Quarkspeisen herstellen und vertreiben und auch wieder Kuchen und Torten dekorieren und verkaufen. Einzige Einschränkung: Sie darf die Torten nicht selbst backen. „Ich muss jetzt auf vorgefertigte Rohlinge von anderen Konditoren zurückgreifen.“ Diese Rohlinge darf ich verzieren, designen und verschönern.“  Zwar sei ihr der Sinn dieser Einschränkung nicht klar („ich arbeite ja mit dem gleichen Material“), doch könne sie damit leben. „Immerhin darf ich jetzt wieder meiner Arbeit nachgehen, das ist das Wichtigste.“ Auch mit dem Ordnungsamt der Region Hannover habe sie sich nach einem Gespräch – und nach der Zahlung eines Bußgeldes – geeinigt. Am 7. November erhielt Jendt schließlich die schiftliche Zusage, ihre Arbeit wieder aufnehmen zu dürfen.

Insbesondere freut sich Jendt über die Hilfsbereitschaft ihre Kunden. „Ich habe ganz viel Zuspruch und Unterstützung bekommen“, berichtet die 35-Jährige. Sie sei sprachlos, wie viele Leute ihr Hilfe angeboten hätten. Nach der Veröffentlichung des Artikels in dieser Zeitung hatte sich sogar ein pensionierter Konditor aus Rethen gemeldet, der Jendt seinen Meistertitel angeboten hatte. „Das konnte ich aber nicht annehmen, weil ich ihn dann hätte einstellen müssen. Das kann ich mit nicht leisten.“

Jendt ist den viele Leute dankbar, die sich für sie eingesetzten haben: „meine lieben Kunden, die nicht aufgegeben und nachgebohrt haben, und meine Familie, die mir Rückhalt gegeben hat“. Sie alle gaben ihr den Mut, nicht aufzugeben sondern die anstregenden und nervenaufreibenden Monaten durchzuhalten. „Ich hatte nie etwas zu verbergen und habe getan, was ich schon seit sieben Jahre mache“, erzählt Jendt. Nun sei sie froh, endlich Ruhe zu haben und wieder das machen zu können, was sie so gern tut: Mit Fantasie und Freude individuelle Kuchen und Torten herstellen – und damit anderen Menschen Freude machen.

Von Daniel Junker

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