Navigation:
Postbank-Verlust.jpg

Die Senioren aus Isernhagen-Süd sind bedient: Sie können im "Papermoon" keine Postbankgeschäfte mehr abwickeln.© Rainer Surrey

|
Isernhagen

Schließung der Postbank verärgert Kunden

Neue Verträge für die privaten Partner der Post, eingeschränkter Service für die Kunden: Die Post will sparen, und dieser Kurs geht zu Lasten der Bürger und der privaten Betreiber der sogenannten Postagenturen.

Jüngstes Opfer der Sparmaßnahmen ist der Schreibwarenladen „Papermoon“ an der Prüßentrift in Isernhagen-Süd, bei dem es seit Anfang dieses Jahres keine Postbankdienste mehr gibt. „Uns wurde gesagt, dass dieses Angebot nicht genügend Kunden in Anspruch nähmen“, sagt Susanne Bleifeld, die die Postagentur seit rund fünf Jahren betreibt.

Gerade in Isernhagen-Süd sei eine Post mit Bankservice aber dringend nötig, meint Bleifeld: „Hier gibt es viele Altenheime und auch etliche ältere Anlieger.“ Denen sei ein Weg bis zur Kurze-Kamp-Straße in Bothfeld, wo die nächstgelegene Postbankfiliale sei, kaum zuzumuten.

„Erst vor ein paar Jahren, als die Sparkasse ihre Filiale hier geschlossen hat, sind viele Ältere zur Postbank gewechselt. Und jetzt sind sie wieder aufgeschmissen“, kritisiert die Schreibwarenhändlerin. Auch Kundin Caroline Wientek sieht die Entwicklung mit Skepsis: „Die soziale Komponente wird hier völlig außer Acht gelassen.“ Viele betagte Kunden müssten jetzt Nachbarn und Angehörige bitten, ihre Geldgeschäfte zu tätigen. „Eine unnötige Abhängigkeit“, findet die Isernhagenerin.

Soziale Aspekte spielen bei der jüngsten Entscheidung der Post jedoch keine Rolle. „Wir überprüfen die Kundenkontakte in jeder Agentur“, erklärt Post-Sprecher Martin Grundler. Sei eine Leistung wie das Postbankgeschäft nur wenig nachgefragt, werde diese eingestellt. „Wir entscheiden nach wirtschaftlichen Kriterien“, betont Grundler. Schließlich müsse in den Agenturen auch ein Buchungssystem für Bankgeschäfte vorgehalten werden.

Und das sei zu kostenintensiv, wenn der Service nicht in Anspruch genommen werde. Susanne Bleifeld will ihre Kunden jetzt darüber informieren, dass bei ihr künftig keine Bankgeschäfte, wohl aber noch Postdienstleistungen zu haben sind. Einige Kunden haben bereits reagiert und sind an die Kurze-Kamp-Straße in Bothfeld ausgewichen, wo Jens Dölle in seinem Laden „Skriptum“ seit einigen Jahren eine Postagentur mit Bankgeschäften betreibt. „Wir merken schon, dass die Kunden aus Isernhagen kommen“, sagt Dölle. Er habe jedenfalls rund um das Postbankgeschäft ordentlich zu tun.

Für das erste Quartal dieses Jahres steht in den östlichen Stadtteilen vorerst keine weitere Streichung des Bankservices an. Wer Postbankkunde ist, findet an der Melanchthonstraße in Vahrenwald, am Läuferweg in Groß-Buchholz sowie an der Anderter Straße in Misburg-Nord das komplette Angebot. Einen etwas abgespeckten Finanzservice ohne Beratung gibt es zudem an der Gabelsberger Straße in der List, an der Wallmodenstraße in Kleefeld sowie am Roderbruchmarkt. „Diese Angebote bleiben auch zunächst bestehen“, versichert Postsprecher Grundler.

Voller Service nur in drei Filialen

Es sind Kioske, Schreibwarenläden oder Elektrogeschäfte: Mittlerweile bieten im Stadtgebiet rund 100 sogenannte Partner-Filialen als Postagenturen Dienstleistungen der Post an. In den östlichen Stadtteilen gibt es 27 Geschäfte, in denen Briefmarken gekauft oder Pakete abgegeben werden können. Den kompletten Bankservice bieten in den östlichen Stadtteilen nur noch drei Filialen an, Geldautomaten sind an acht Einrichtungen zu finden.

Bei vielen Händlern können Kunden aber lediglich Briefmarken und Paketmarken kaufen, für Paketannahme und Einschreiben müssen sie auf eine Agentur mit größerem Serviceangebot ausweichen. Seit einigen Jahren trennt sich die Post AG systematisch von ihren Filialen, um Personal zu sparen und eigene Immobilien gewinnbringend zu veräußern. Außerdem sollen neue Verträge mit den Agenturbetreibern auf reiner Provisionsbasis weitere Einsparungen mit sich bringen.

Wie die Zukunft der anderen Partner-Filialen aussieht, die ein unterschiedliches Angebot an Postdienstleistungen bereithalten, ist indes ungewiss. Seit Anfang des Jahres gibt es neue Verträge. „Die Grundvergütung der Post für die Agenturen fällt weg, jetzt wird jeder Posten einzeln abgerechnet“, erklärt Susanne Bleifeld. Viele Agentur-Betreiber wie auch Mike Weidemann aus Anderten wollen daher erst einmal abwarten, wie sich das Geschäft ohne die Pauschale entwickelt. Bis 2011 sollen alle ehemaligen Filialen der Post AG geschlossen werden. Dann gibt es nur noch Postagenturen – mit welchem Service, wird sich zeigen.


Anzeige

Isernhagen ist ...

  • ... eine Gemeinde nordöstlich von Hannover mit knapp 23.000 Einwohnern
  • ... Heimat von Olympiasiegerin Anke Kühn (Hockey)
  • ... Gründungsort des Radiosenders ffn
  • ... nach dem durchschnittlichen Einkommen der Bürger die wohlhabenste Gemeinde in Niedersachsen
  • ... Sitz des Lederwarenherstellers Bree Collection
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Isernhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.